Pferde Trekking

Nachdem wir euch letztes Mal einige Hintergrundinformationen zu Kirgisistan und Zentralasien im Allgemeinen gegeben haben, möchten wir euch natürlich auch noch mehr darüber erzählen, was wir in diesem tollen Land alles erlebt und gesehen haben. Unsere Zeit hier ist so gut wie vorbei und wir haben wunderschöne Orte besucht und tolle Erlebnisse gehabt. Von unserem Highlight wollen wir euch hier etwas genauer erzählen.

Als wir vor unserer Reise an Kirgisistan gedacht haben, kamen uns schnell Pferde und Nomaden in den Sinn, die in Jurten in den Bergen leben. Wir haben ja letztes Mal bereits erzählt, dass die meisten Nomaden mittlerweile die Wintermonate in den Dörfern verbringen. Während der restlichen Zeit sind sie aber weiterhin in den Bergen unterwegs und hüten Tiere wie Pferde, Kühe oder Schafe für Menschen aus der Stadt. Mittlerweile sind natürlich auch Jurtenlager für Touristen aufgebaut und wahrscheinlich werden in den nächsten Jahren noch viele weitere dazukommen. Auch wir sind Teil dieser Touristen und wollten ein bisschen in diesen Lebensstil eintauchen. Deshalb haben wir ein dreitägiges Pferdetrekking gebucht. Da viele der Jurtenlager ab Oktober schliessen, war dies einer der ersten Stopps auf unserem Roadtrip durch Kirgisistan.

Kyzart

Das kleine Dorf Kyzart ist der Ausgangspunkt für die bekannteste Route. Mittlerweile gibt es einige Anbieter für Pferdetrekking in diesem Ort. Eigentlich jeder, der Pferde besitzt und Kontakte zu den verschiedenen Jurtenlagern auf der Route hat, kann Touristen mitnehmen. Wir haben aber vor der Tour einiges recherchiert und wollten, dass einige Kriterien erfüllt sind. So sollte es unter anderem gute Rezensionen zum Umgang mit den Pferden und deren Zustand geben, und die Tour musste einen Helm beinhalten. Letzteres war gar nicht mal so leicht, denn die meisten lokalen Anbieter gehen ohne Helm los.

Timur

Wir haben aber einen lokalen Anbieter, Timur, gefunden, der alles erfüllte, und konnten direkt mit ihm Kontakt aufnehmen. Dass die meisten über eine Reiseagentur buchen, wurde uns erst später bewusst. Timur hat dieses Tourenangebot gestartet und mittlerweile ist es ein Familienbusiness. Sein Bruder organisiert alles im Dorf, seine Eltern führen ein Jurtenlager am See und sein Cousin und er selbst sind Guides auf den Touren.

Da wir es etwas gemütlicher angehen wollten und uns über eine warme Dusche freuten, haben wir vor der Tour noch eine Nacht im Gästehaus von Timur verbracht. Wir waren die einzigen Gäste im neuen Gebäude und wurden herzlich umsorgt. Wir bekamen einen ersten Eindruck von der kirgisischen Küche und Gastfreundschaft.

Da wir direkt über Timur gebucht hatten, waren wir die Einzigen in unserer Gruppe. Es starteten zwar noch weitere Gruppen am gleichen Tag und am gleichen Ort, aber diese waren bereits mit sechs Personen und einem externen Organisator voll. Wir waren aber gar nicht mal so unglücklich, nur zu zweit zu reiten. In den Lagern würden wir dann ja sowieso wieder alle zusammen sein und so konnten wir trotzdem die anderen Leute kennenlernen.

Tag 1

Der offizielle Startpunkt für die Tour war nie ganz klar. Uns wurde zwar gesagt, dass wir bereits etwas früher als die anderen Gruppen starten würden, dies war schlussendlich aber nicht der Fall. Wir waren bereits nach dem Frühstück bereit und warteten gemütlich auf eine Information, wann es losgehen würde. Irgendwann war es Mittag und wir erhielten ein Mittagessen. Danach konnten wir zum ersten Mal unsere Pferde kennenlernen.

In Kirgisistan gibt es keine wilden Pferde, die meisten sind aber halbwild. Das bedeutet, dass sie nicht in einem Gehege gehalten werden, sondern sich frei bewegen können, wenn sie nicht gebraucht werden. Eine tolle Sache für die Pferde, nur teilweise etwas schwierig, die Tiere zu finden. So benötigten sie am Vormittag doch etwas länger, um alle Pferde für die Tour zusammenzufinden, weshalb sich der Start etwas verzögert hat. Aus diesem Grund binden sie teilweise die Beine der Tiere zusammen, wenn diese nicht allzu weit weggehen sollen. So können sie sich immer noch frei bewegen, aber nicht mehr gut galoppieren.

Mit unserem Guide Gena und unseren drei Pferden Stich (meiner), Amador (Philippes) und Scoopy (Genas) konnten wir das kleine Dorf hinter uns lassen und in die grosse Weite losziehen. Wir folgten einem kleinen Bach tief ins Tal hinein.

Es war ein gemütlicher Einstieg ins Reiten und gut, um die beste Sitzposition zu finden und das Pferd etwas kennenzulernen. Für Philippe war es die erste richtige Reiterfahrung. Ich war als Kind ab und zu auf einem Reiterhof, was aber auch schon eine Ewigkeit her ist. Schlussendlich braucht es aber keine Reiterfahrung: Die Pferde trotten hintereinander her und wir als Reiter mussten nicht wirklich etwas machen, ausser uns im Sattel zu halten.

Nach fast 16 km kamen wir in unserem Jurtenlager für die Nacht an. Da wir eine private Tour gebucht hatten, hatten wir auch eine Jurte nur für uns zwei.

Vor Ort gab es zwei Kabinen mit WCs, eine Quelle, an der wir Wasser mit unserem Filter auffüllen konnten, sowie die Jurten zum Schlafen und eine Jurte für die Mahlzeiten. Dort kamen alle Leute des gesamten Lagers zusammen und assen gemeinsam. Gesessen wurde im Kreis auf dem Boden. Es gab eine warme Mahlzeit, Brot, heissen Tee und verschiedene Snacks, die bereits auf den Tischen standen.

Wir hatten einen gemütlichen Abend und kamen in gute Gespräche mit anderen Teilnehmern. Dabei kam deutlich mehr als die Hälfte aus Deutschland, weshalb mehrheitlich Deutsch gesprochen wurde. Während des Essens wurden die Jurten mit heisser Kohle eingeheizt, was für die ganze Nacht reichen musste.

Tag 2

Nach einer doch kühlen, aber erträglichen Nacht ging es für uns am nächsten Tag nach dem Frühstück hoch über die Berge zum Song-Kul-See.

Dadurch, dass das Gebiet so gross ist, ritten alle Gruppen unterschiedliche Wege und kamen immer wieder an verschiedenen Stellen zusammen. Oben auf dem Berg gab es eine kurze Pause mit toller Aussicht. Nach etwa 15 km erreichten wir unser zweites Lager direkt am See auf ca. 3000 Metern Höhe.

Wir hatten den Nachmittag vor Ort frei und vergnügten uns mit Volleyballspielen, Lesen, Kartenspielen, kleinen Spaziergängen und einem kurzen Schwumm im eiskalten Bergsee.

Die Zeit verging relativ schnell und es war schon wieder Zeit fürs Abendessen. Da es aufgrund der Kälte, der vielen Eindrücke und Erlebnisse doch anstrengend war, gingen die meisten bald nach dem Essen in ihre warmen Jurten – so auch wir.

Tag 3

Am letzten Tag war es am schwierigsten, am Morgen wieder aufs Pferd zu steigen. Wir spürten es mittlerweile im ganzen Körper, da das Reiten für uns doch sehr ungewohnt war. Trotzdem ritten wir erneut ca. 14 km zurück bis ins Dorf.

Dieser Tag war mit Abstand der anstrengendste, da es mehrheitlich bergab ging. Dabei mussten wir uns in die Steigbügel drücken und nach hinten lehnen. Auch die Pferde hatten teilweise Mühe, da das Gestein unter ihren Hufen wegrutschte. So gab es doch ab und zu unangenehme Momente, in denen die Pferde etwas rutschten. Das war aber völlig normal und harmlos.

Gegen Mittag erreichten wir das Zuhause von Timur und konnten endlich von den Pferden steigen. Nach dem Mittagessen und der Verabschiedung von allen Leuten machten wir uns mit unserem Auto wieder auf den Weg. Trotz wenigen Regentropfen hatten wir Glück, dass das Wetter gut blieb. Ein paar Tage später wurde es eiskalt und hat geschneit am Song- Kul See.

Die drei Tage auf den Pferden waren eine unglaubliche Erfahrung. Es war beeindruckend, durch diese Weite zu reiten, in Jurten zu schlafen und ein bisschen in das Nomadenleben einzutauchen. Wir konnten im gemächlichen Schritttempo die Landschaft wirklich auf uns wirken lassen oder den Wind um uns herum spüren – zumindest in den einzelnen Momenten, in denen wir galoppierten.

Wir sind selbst erstaunt, wie entspannt wir mit der Zeit auf den Tieren sassen und uns gefühlt haben, als hätten wir noch nie etwas anderes gemacht. Die Pferde waren aber auch sehr angenehm. Sie zeigten zwar alle einen unterschiedlichen Charakter, waren aber sehr zahm und robust, was typisch für die kirgisische Rasse ist. Sie wussten aber auch immer, wenn wir uns dem Lager näherten, und wurden dann etwas schneller.

Wir hatten tolle Leute in der Gruppe dabei, einen sehr angenehmen und tollen Guide und würden es sofort wieder mit Timur buchen.

Was für ein Erlebnis – eines, das wir nicht so schnell vergessen werden. Der Muskelkater ist mittlerweile weg, aber die Erinnerungen sind geblieben.


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