Nachdem wir letztes Mal Kyzart nach dem Pferde-Trekking verlassen haben, sind wir weitergefahren an die Südküste des zweitgrössten Gebirgssees der Welt, der Issyk- Kul See.


Dieser ist leicht salzhaltig und wirkt mehr wie ein Meer, da das andere Ufer so weit entfernt und teilweise gar nicht sichtbar ist. Von der Nordküste des Sees wurde uns abgeraten, da dort mehrheitlich Urlaubsresorts für Russen und andere Zentralasiaten gebaut wurden. Die Südküste hat ausserdem viele tolle Landschaften, Täler, andere Seen und zahlreiche Wandermöglichkeiten, was es für uns viel interessanter gemacht hat. Wir werden euch hier nicht ganz alles in der korrekten Reihenfolge erzählen, was den meisten von euch aber wahrscheinlich sowieso nicht auffallen wird. 😉
Adlershow
Wir haben in unserem letzten Beitrag kurz erwähnt, dass während der Sowjetzeit viele kirgisische Traditionen verboten wurden. Eine Tradition, die heute immer noch etwas weiterlebt, ist die Adlerjagd. Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben und heute mehrheitlich als Hobby ausgeübt.


Dabei werden Adler nach ihrer Geburt tief in den Bergen aus dem Nest geholt und von der entsprechenden Person grossgezogen. So gewöhnt sich der Adler von Beginn an an den Menschen. Ihm wird alles beigebracht, was für die Jagd notwendig ist. Heutzutage allerdings nicht mehr mit lebenden Tieren, sondern mit Fell, in welchem Fleischstücke versteckt werden. So war es auch bei der Show.
Mit etwa 20–25 Jahren werden die Adler wieder freigelassen, damit sie neue Familien gründen können und die Art nicht ausstirbt.
Wir haben uns dazu entschieden, eine solche kleine Darstellung der Jagd anzuschauen, da es doch eine sehr bedeutende Tradition in Kirgistan ist. Dabei wurden uns verschiedene Fakten über die Goldadler-Rasse erzählt und gezeigt, wie präzise sie jagen können. Natürlich konnten auch wir für Fotos posieren. Zusätzlich durften wir noch Bogenschiessen ausprobieren.



Im September haben die World Nomad Games in Kirgistan stattgefunden, welche wir leider verpasst haben. Der Adler, den wir aus nächster Nähe bestaunen durften, hat dabei den dritten Platz erzielt. Nebst diesen Games finden ungefähr alle zwei Monate irgendwelche Turniere im Land statt.

Canyons
Während unserer Fahrt von Bischkek nach Kyzart und danach am Issyk-Kul-See haben wir drei verschiedene Canyons besucht. Den ersten, Konor Chek, haben wir zu Fuss erkundet. Wir sind rund fünf Kilometer durch das trockene Flussbett tief in den Canyon hineingelaufen, bis wir die roten Felsformationen bestaunen konnten.



Wir hätten wahrscheinlich über eine andere Route auch mit dem Auto hinfahren können. Es war aber toll, dorthin zu laufen, an den kleinen Stellen zu klettern und die imposanten Felsschluchten auf dem Weg zum Aussichtspunkt zu erkunden.




Bei den zwei Canyons direkt beim See war es nicht notwendig, gross zu laufen. Vom Auto bis zur Panoramaaussicht waren es jeweils nur kurze Strecken einen Felshügel hinauf.
Der bekannteste Canyon in Kirgistan ist wahrscheinlich der Skazka-Canyon (auch «Fairy Tale Canyon» genannt). Dieser hat zwar ebenfalls orange-rote Salzsteinformationen, aber viel mehr kleine Türme und Wellen – fast schon verspielte Formen – und nicht so weite Felsschluchten wie der Konor Chek.





Der letzte Canyon, der Aksay Canyon, ist viel weniger touristisch und hat nicht diese rötliche Farbe im Gestein. Die Wellen der Felsen sind viel regelmässiger und enden am Ufer des Issyk-Kul-Sees.





Ob jetzt alle drei Canyons besucht werden müssen, muss jeder für sich entscheiden. Wir hatten genügend Zeit und alle drei waren ein unterschiedliches Erlebnis mit unterschiedlichen Aussichten. Wir waren jedes Mal von dieser Weite und davon, was die Natur erschaffen hat, beeindruckt.
Altyn Arashan
Nach dem Pferde-Trekking war unsere Zeit im Tal Altyn Arashan unser zweites Highlight. Gar nicht mal, weil wir viel gemacht oder gesehen haben, sondern weil die Zeit einfach schön und entspannt war.
Da wir beide bereits vor dem Reiten leicht erkältet waren und es danach nur schlimmer wurde, haben wir uns gegen eine grosse Wanderung entschieden, welche in Altyn Arashan endet oder beginnt. Es gibt eine sehr bekannte Mehrtageswanderung hoch zu einem Pass und einem Bergsee und danach wieder hinunter ins Tal. Die hätten wir aber definitiv nicht geschafft. Bereits der leichte Spaziergang tiefer ins Tal hinein war eine Anstrengung für uns.





So haben wir die Zeit in unserem Hotel verbracht, viel Tee getrunken, einiges geplant und sind einfach wieder etwas zur Ruhe gekommen.
Altyn Arashan ist unter anderem für seine heissen Quellen bekannt. Unsere Unterkunft hatte hauseigene, welche wir jeden Tag genüsslich besuchten. Zusätzlich machten wir noch einen Spaziergang zu den öffentlichen Quellen etwas ausserhalb des Ortes. Beide waren sehr entspannend, wobei die im Hotel deutlich heisser waren.



Wir hatten uns für unsere zwei Nächte in Altyn Arashan auf drei Sachen gefreut: ein richtiges Bett in einem warmen Zimmer, eine Dusche und viele Möglichkeiten, alle unsere Geräte wieder richtig aufzuladen.
Das Bett und eine Heizung im Zimmer bekamen wir. Die Dusche gab es nicht, dafür waren ja die heissen Quellen da. Und unser Stecker, den wir dabei hatten, hat es in der ersten Nacht verschmort, weshalb wir diesen danach nicht mehr benutzen konnten. Es hat sich natürlich trotzdem gelohnt, die Tage dort zu verbringen.
Da der Weg in das kleine Dorf mehr einem Wanderweg als einer Strasse glich, war diese Strecke mit unserem Auto nicht befahrbar. Da wir nicht fit waren, haben wir einen holprigen Transfer in einem alten Sowjet-Bus gebucht und sind die Strecke ein paar Tage später zurückgelaufen.



Gleich zu Beginn haben wir einen Amerikaner kennengelernt, der acht Jahre in Lausanne gelebt hat. Gemeinsam sind wir die gesamten 15 km gelaufen und haben dabei interessante Gespräche geführt.
Karakol
Karakol ist wohl zurzeit der meistbesuchte Ort in Kirgistan. Es ist ein kleiner Ort mit vielen Unterkünften, guten Restaurants und Cafés sowie grossen Einkaufsläden und bietet den perfekten Ausgangsort für einige Wanderungen und Ausflüge. Wir verbrachten im Ort nicht viel Zeit, nutzten aber die Möglichkeit, in einem Restaurant zu essen und unsere Wäsche zu waschen.
Jyrgalan
Bei der Planung unserer groben Reiseroute dachten wir, dass Karakol der östlichste Punkt für uns werden würde. Wir haben uns aber spontan dazu entschieden, noch etwas weiterzufahren und zu schauen, wo wir genau hinwollen. Wir haben uns schlussendlich für das Dorf Jyrgalan entschieden.





Da es, je höher wir fuhren, immer kälter wurde, haben wir vor Ort aber keine Nacht verbracht, sondern einfach tagsüber die schöne Umgebung genossen und sind dann wieder zurück Richtung Issyk-Kul-See gefahren, wo das Klima etwas angenehmer ist.
Campen in Kirgistan
Für uns war von Anfang an klar, dass wir in Kirgistan irgendwie in unserem Auto schlafen möchten. Wie wir ja schon erzählt haben, war die Suche danach gar nicht mal so einfach, aber wir sind mit unserer Wahl unglaublich zufrieden. Wir haben von unseren 16 Nächten mit dem Auto zehn darin geschlafen.






Es wurde zwar von Nacht zu Nacht etwas kälter, aber es war immer noch gerade so okay für mich. Vor allem Philippe hat bis zum Schluss in kurzen Kleidern geschlafen. Wir konnten aber durch die Freiheit mit dem eigenen Auto abgelegenere Orte besuchen und an wunderschönen Plätzen schlafen.




Wir haben mehrheitlich einfache Gerichte gekocht, viel Brot, Käse und Salami zum Mittag gegessen und uns, sobald die Sonne weg war, in unsere Decken eingekuschelt. Durch die Dusche über die Autobatterie konnten wir uns – zwar eiskalt – etwas frisch machen und vermissten somit eigentlich gar nichts beim Campen.




Wir haben die meisten Stellplätze über eine App gesucht, auf der es Empfehlungen gab. Leider gab es erstaunlicherweise immer viel Abfall. Je näher die Plätze an Bischkek waren, desto schlimmer wurde es. Wir haben das Gefühl, dass es vor allem auch Einheimische sind, da häufig Feuerwerk oder Ähnliches herumlag und wir oft Plätze am See besucht haben, an denen Einheimische am Wochenende oder tagsüber viel Zeit verbringen.
Wir hatten während der ganzen Zeit mehrheitlich gutes Wetter. Meistens gab es nur abends oder in der Nacht etwas Regen. Auch hatten wir Glück mit unseren Übernachtungen und der Polizei. Wir hatten nie jemanden, der vorbeikam, oder eine Polizeikontrolle, wovor wir von unseren Vermietern etwas vorgewarnt wurden.
Bischkek
Da wir bis zum Ende hin nicht 100 % fit waren und die Erkältung sich die ganze Zeit mitgeschleppt hatte, haben wir uns entschieden, etwas früher nach Bischkek zu fahren und dafür an das Freundschaftsspiel zwischen Kirgistan und den Malediven zu gehen.
Wir sassen mit einigen anderen Touristen unter den einheimischen Fans und feuerten die Nationalmannschaft an. Vor dem Spiel gab es eine kurze Tanz- und Feuerwerkaufführung und dann konnte das Fussballspiel losgehen.


Unsere Erwartungen waren nicht besonders hoch, da beide Mannschaften nicht sehr hoch im Ranking sind. Kirgistan gewann das Spiel mit 5:0, wobei alle fünf Tore in der ersten Halbzeit fielen und die zweite ziemlich unspektakulär war. Bier suchten wir in dem muslimisch geprägten Land leider vergebens im Stadion. Trotzdem war es ein lustiger Abend.
Danach verbrachten wir die Nacht in Bischkek in einem Hotel und zogen dann nochmals für die letzte Nacht los und campierten etwas ausserhalb der Stadt noch einmal.

Wir gaben das Auto im gleichen Zustand zurück, in dem wir es entgegengenommen hatten, und bekamen dafür grosse Dankbarkeit vom Vermieter zu spüren.


Er erzählte uns Horrorgeschichten, wie gewisse Leute mit den Autos umgehen, wie viele Unfälle sie bauen oder irgendwo stecken bleiben, wobei das Auto dabei ebenfalls häufig kaputtgeht.
Dass im Verkehr in Bischkek viel Konzentration notwendig ist, ist uns klar. Kirgisen fahren wie Asiaten mit einer russischen Mentalität, was für den Verkehr nicht gerade eine optimale Mischung ist. Sobald wir aber aus der Stadt draussen waren, war kaum noch Verkehr vorhanden.
Wir haben stets gemacht, was wir wollten, haben aber auch keine unnötigen Risiken auf uns genommen, wenn die Strecke doch zu schwierig oder unsicher wurde.
Fazit zu Kirgistan
Wir kamen während unserer Fahrt nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Natur in Kirgistan ist so vielfältig, was ihr wahrscheinlich bei diesem Beitrag ebenfalls bemerkt habt. Plötzlich taten sich unendliche Weiten auf, und von einer braunen, staubigen Landschaft ging es in ein wunderschönes, grünes Tal. Wir bestaunten rote Felsformationen, viele Tiere auf den Strassen und konnten gegen Ende der Reise in jede Richtung hohe, schneebedeckte Berge sehen.





Diese wunderschöne Natur fühlt sich doch noch sehr unberührt an, auch wenn wir leider viele Baustellen auf dem Weg passiert haben.
Die gesamte Strasse dem See entlang wird von einer Schotterstrasse zu einer geteerten Strasse umgebaut. Wo wir auf der Hinfahrt noch eine riesige Baustelle vorgefunden und auf unbefestigten Strassen gefahren sind, war eine Woche später auf dem Rückweg viel bereits fertiggestellt. Wow – wir dachten zuerst, dass wir irgendwie auf einer anderen Strasse unterwegs sind.
Auch in den Orten in Kirgistan wird viel gebaut. Alle wollen ein Stück vom Tourismus abhaben, was auch verständlich ist. Wir gehen stark davon aus, dass Kirgistan sich in den nächsten Jahren noch mehr verändern wird und immer bessere Infrastruktur für Touristen bieten wird, was natürlich auch etwas den Charme dieses Landes wegnehmen wird.
Wir sind froh, Kirgistan noch auf diese Art und Weise besucht zu haben, auch wenn uns bewusst ist, dass wir durch unseren Aufenthalt dazu beitragen, dass sich vieles verändern wird.
Unsere 18 Tage in Kirgistan sind nun zu Ende. Wir hatten eine wunderschöne Zeit. Wir gingen ohne viele Erwartungen und Vorstellungen und wurden nur positiv überrascht – was für ein toller Start in unsere Zentralasien-Reise!
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