Zentralasien

Einmal mehr stand uns eine lange Reise bevor. Nach der Südsee war es Zeit für eine komplett neue Gegend in Asien. Wir hatten nochmals zwei Nächte in Auckland, allerdings mehrheitlich für alle Erledigungen wie Wäsche waschen, Sonnencreme aufstocken und ein paar Sachen vorbereiten. Danach ging es für uns über Singapur und Istanbul weiter nach Bischkek in Kirgistan.

Zentralasien hat uns schon längere Zeit interessiert. Auf unserer letzten Reise hatten wir aber keine Zeit mehr dafür, weshalb klar war, dass wir diese Gegend nun bereisen werden.

Zentralasien

Zum heutigen Zentralasien gehören die Länder Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Afghanistan wird teilweise ebenfalls dazugezählt. Vor einigen Jahrhunderten waren Teile des heutigen Zentralasiens unter arabischer Herrschaft, welche den Islam über die Seidenstrasse, welche Zentralasien mit China, dem nahen Osten und Europa als wichtigste Handelsstrasse verbunden hatte, verbreitete. Der Islam ist bis heute die Hauptreligion dieser Gegend.

Im 20. Jahrhundert übernahmen die Bolschewiki schrittweise die Kontrolle über Zentralasien und versuchten, die bestehende islamische Religion zurückzudrängen, was aber nicht vollständig gelang. Der Islam gewann nach dem Ende der Sowjetunion 1991 wieder mehr an Bedeutung.

Der sowjetische Einfluss ist aber weiterhin sicht- und spürbar. Es leben immer noch Russen in dieser Gegend, auch wenn viele nach dem Ende der Sowjetunion zurück nach Russland gezogen sind. Die russische Sprache ist neben Kirgisisch weiterhin stark verbreitet, eine wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den ehemaligen Sowjetstaaten besteht immer noch und auch politische Strukturen haben teilweise noch sowjetische Ursprünge. Vor allem in den Hauptstädten sind zudem noch viele typische sowjetische Bauten sichtbar.

Alle fünf Länder werden von einem eigenen Präsidenten angeführt, welcher die meiste Kontrolle hat. Die Länder sind korrupt und stark kontrolliert. Meinungsfreiheit ist nicht überall gleich gegeben und die Menschen werden teilweise stark unterdrückt. Politische Opposition wird so gut wie nicht toleriert.

Kirgistan gilt dabei als das «liberalste» dieser Länder. Es ist das einzige, in welchem der Präsident gestürzt wurde und mittlerweile ein Parlament existiert, welches auch etwas mitentscheiden kann. In den letzten paar Jahren hat sich dies aber wieder verschlechtert und die Medien werden stark kontrolliert.

Tadschikistan ist das ärmste der fünf Stan-Länder, da dieses Land mehrheitlich aus Bergen besteht und nur über wenige natürliche Ressourcen verfügt. Kasachstan und Turkmenistan hingegen sind wohlhabendere Länder aufgrund der grossen Öl- und Gasvorkommen. Turkmenistan ist dabei das am stärksten kontrollierte Land, während die Bevölkerung mehrheitlich in Armut lebt.

Die gesamte Gegend hat eine prägende Geschichte, geprägt durch verschiedene Herrschaften, das Leben der Nomaden und dadurch die enge Verbindung zu Pferden und später dann durch die Sowjetunion. Falls ihr mehr über die Geschichte erfahren wollt, kann ich euch das Buch «Sowjetistan» sehr empfehlen. Wir werden hier aber nicht viel mehr auf die lange Geschichte eingehen, das würde den Blog und vor allem auch unser Wissen sprengen.

Kirgistan

Wir haben uns für Kirgistan als Startpunkt entschieden, da hier die gute Reisezeit Ende September langsam endet. Es wird zu kalt, es gibt häufig bereits Ende September Schnee und die Jurten-Camps schliessen für den Winter. Zusätzlich gilt Kirgistan als angenehmes Einstiegsland und bietet wunderschöne Landschaften.

Wir haben uns dazu entschieden, dieses Land mit einem umgebauten Auto zu erkunden und somit etwas mehr die Freiheit der Nomaden zu spüren – es war definitiv auch die richtige Entscheidung. In Kirgistan ist freies Campen mehrheitlich erlaubt, was natürlich wunderschöne Möglichkeiten für Übernachtungen bietet. Wir hatten auch Glück: Zumindest bis zum Schreiben dieses Blogs war das Wetter super und tagsüber unglaublich warm, was die Nächte auch noch erträglich machte.

Durch die lange Herrschaft der Sowjetunion gingen leider viele der kirgisischen Traditionen verloren, da diese verboten wurden. Die Tradition der Adlerjagd kommt langsam wieder mehr auf, und das Nomadenleben ist teilweise immer noch etwas verbreitet. Wobei die meisten der Nomaden nur noch Halbnomaden sind und die Wintermonate im Dorf verbringen und im Sommer die Tiere für andere Leute in den Bergen hüten.

Eine Tradition, welche sehr fragwürdig ist, hat leider aber auch diese Herrschaft überstanden: der Brautraub. Hierbei entscheidet sich ein junger Mann, welche Frau er heiraten möchte. Diese wird dann entführt und indirekt zur Hochzeit gezwungen. Sie könnte versuchen abzulehnen, dies würde aber grosse Schande über sie und ihre gesamte Familie bringen. Bis 1994 war dies ein legaler Brauch. Seither ist es zwar nicht mehr erlaubt, es wird aber auch nicht konsequent verfolgt, weshalb es immer noch stattfindet, mehrheitlich aber nur noch in den Dörfern. Viele verheiratete Paare heutzutage sind aufgrund dieses Brauches verheiratet.

In Kirgistan wird gerne noch per Anhalter gefahren, was von vielen Einheimischen genutzt wird, aber auch von Touristen. Wir wurden ein paar Mal mit unserem grossen Auto zugewunken, leider hatten wir aber nur das Bett hinten und keinen Sitzplatz mehr.

Bischkek

Einmal mehr kamen wir mitten in der Nacht an. Nach der visumfreien Einreise fuhren wir mit dem Taxi zum Hotel und gingen nach der 35-stündigen Reise erstmals schlafen.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Hauptstadt etwas zu Fuss. Wir liefen mehrheitlich einfach durch die Strassen und betrachteten verschiedene Monumente und Gebäude, so zum Beispiel das Nationalmuseum und das Parlament.

Durch die lange Geschichte dieser Gegend sind verschiedene Kultureinflüsse in Bischkek sichtbar. So gibt es einige sehr schöne Moscheen, gleichzeitig aber auch Gebäude, die noch auf die Sowjetunion hinweisen.

Die grosse Flagge von Kirgistan dominierte die Aussicht in dieser Umgebung. Von einem Riesenrad aus konnten wir die Stadt von oben sehen und die Berge des Tian-Shan-Gebirges im Hintergrund bestaunen. Leider war es durch das heisse Wetter unglaublich trocken und staubig in Kirgistan, weshalb die Sicht auch in Bischkek etwas eingeschränkt war.

Törbi, der Intercooler Turbo 2800

Nach einer weiteren Nacht in unserem Hotel konnten wir am nächsten Morgen unser Auto für die nächsten 17 Tage entgegennehmen. Es war gar nicht so einfach, etwas Passendes hier zu finden. Das Angebot ist immer noch eingeschränkt, obwohl es wohl jedes Jahr weiter ansteigt.

Wir wollten ein Auto, in welchem wir auch schlafen können. Die meisten kamen aber mit einem Dachzelt, was wir aufgrund der Jahreszeit nicht wollten. So haben wir uns schlussendlich für einen Mitsubishi entschieden, welcher für alle Offroad-Fahrten geeignet ist und hinten mit einem Bett ausgebaut wurde.

Welche Ausstattung uns erwarten würde, wussten wir vorher noch nicht. Wir wurden aber sehr positiv überrascht. Wir konnten eine Kühltruhe dazunehmen, welche bei den warmen Temperaturen sehr sinnvoll war. Wir hatten Campingstühle, einen Tisch, gutes Geschirr und sogar eine Aussendusche, welche über die Autobatterie funktionierte und das Wasser aus dem Wasserkanister pumpte. Für unser wildes Campen stand somit nichts mehr im Weg.

In Zentralasien wird zwar auf der rechten Seite gefahren, einige Autos sind aber für den Linksverkehr gemacht, so auch unser Auto. Das war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, klappt aber bisher ohne Probleme.

Ala Archa Nationalpark

Nachdem wir unser Auto entgegengenommen und unsere Vorräte aufgestockt hatten, fuhren wir zu einem Nationalpark in der Nähe von Bischkek. Wir wollten einen angenehmen Einstieg, waren wir beide doch noch etwas angeschlagen von der langen Anreise.

Der Ala Archa Nationalpark ist ein touristischer Ort und wird auch von vielen Einheimischen aus der Stadt besucht. Wir liefen einfach etwas dem Weg entlang, genossen die ersten Eindrücke von Kirgistan und die Bewegung tat gut.

Nach ein paar Stunden im Nationalpark suchten wir uns einen Stellplatz für unsere erste Nacht im Auto.

Zuerst waren in der Umgebung noch viele junge Kirgisen, die feierten, Feuerwerk zündeten und dann für die Nacht wieder wegfuhren. Somit waren wir alleine mit den Pferden, die um uns herum grasten.

Am nächsten Morgen wachten wir erholt auf, genossen unser Frühstück mit wunderschöner Aussicht und starteten danach unseren Roadtrip durch Kirgistan.

Wir haben bereits einiges erlebt und viele schöne Orte besucht. Davon aber im nächsten Beitrag mehr.


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