Unsere Zeit in Kirgisistan war zwar zu Ende, aber noch lange nicht unsere Reise durch Zentralasien. Mit dem Flugzeug ging es für uns von Bischkek über Almaty nach Aktau. Da wir in Almaty einen längeren Aufenthalt hatten, konnte Philippe die Zeit direkt sinnvoll nutzen und den längst notwendigen Haarschnitt hinter sich bringen. Almaty selbst haben wir auf unserer Reise ausgelassen, da die Gegend doch einige Ähnlichkeiten mit Kirgisistan aufweist und wir lieber etwas Neues entdecken wollten.


Kasachstan
Kasachstan ist das neuntgrösste Land der Welt und besteht zu grossen Teilen aus trockenen Steppen und Wüsten. Es ist das reichste der fünf zentralasiatischen Länder, was vor allem an den grossen Erdöl- und Erdgasvorkommen liegt. Korruption ist allerdings auch hier ein Thema. Obwohl Kasachstan offiziell demokratisch organisiert ist, konzentriert sich nach wie vor viel Macht auf den Präsidenten.
Almaty war bis in die 1990er-Jahre die Hauptstadt Kasachstans. Mittlerweile hat Astana diese Rolle übernommen. Es wird gemunkelt, dass der damalige Präsident Probleme in Almaty hatte und deshalb die Hauptstadt verlegen liess. Offiziell werden natürlich verschiedene geografische und politische Gründe für diesen Entscheid genannt.
Unser Guide hat uns auch von den massiven Protesten im Jahr 2022 erzählt. Diese begannen, nachdem die Energiepreise stark gestiegen waren, und entwickelten sich zu landesweiten Unruhen. Die Situation eskalierte, und der Präsident gab Berichten zufolge die Anweisung, auf Demonstrierende schiessen zu lassen. Wie viele Menschen dabei tatsächlich ums Leben kamen, ist nicht abschliessend geklärt. Es wird aber von mehreren Hundert Todesopfern ausgegangen.
Aktau
Die Stadt selbst haben wir nicht gross erkundet. Aktau liegt direkt am Kaspischen Meer, was im Sommer definitiv ein schöner Ort zum Verweilen wäre. Bei unserem Besuch zeigte sich das Wetter allerdings von seiner windigen Seite. Entsprechend beschränkten sich unsere Ausflüge nach draussen auf das Essen und kleinere Erledigungen.
Aktau ist eine vergleichsweise junge Stadt. Anfangs war unklar, ob Menschen hier überhaupt dauerhaft leben könnten, da es keine natürlichen Süsswasserquellen gab und die Gegend entsprechend trocken und karg war. Mittlerweile leben rund 300’000 Menschen in der Stadt. Viele von ihnen sind aufgrund der Ölindustrie hierhergezogen.
Aktau lebt vom Öl und Gas der Region und hat dadurch auch innerhalb Kasachstans eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung. Unser Guide hat uns erzählt, dass die Mitarbeitenden der Ölindustrie bei Unzufriedenheit streiken können und ihre Forderungen dadurch oft schneller durchsetzen, da der Staat stark von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig ist. Entsprechend verdienen die Menschen in Aktau teilweise mehr, und die Stadt wirkt insgesamt etwas wohlhabender.
Während unserer Tour konnten wir entlang der Schnellstrasse durch die Wüste unzählige Ölpumpen entdecken. Irgendwie faszinierend, diese einmal mit eigenen Augen zu sehen, anstatt sie nur von Bildern zu kennen. Überall in der Landschaft stehen sie herum und pumpen unermüdlich Öl aus dem Boden.


Auch bei der Energieversorgung gibt es einige Besonderheiten, viele Häuser in den Dörfern haben einen direkten Anschluss an die Gasleitungen.
Benzin ist mit etwa 50 Cent pro Liter bereits sehr günstig, aber Gas kostet sogar nur ungefähr ein Drittel davon. Lustigerweise fahren deshalb viele Menschen in Mangystau mit Gas betriebene Autos. Einige Fahrzeuge, die ursprünglich als Hybridautos unterwegs waren, wurden entsprechend umgebaut und fahren nun mit Gas statt mit Elektroantrieb.
Mangystau
Wir waren uns lange Zeit unsicher, ob wir extra nach Aktau fliegen sollten. Für diese Reise gab es aber genau einen Grund: Mangystau!
Wir hatten Videos von dieser Gegend gesehen und sofort gedacht: Da müssen wir hin! Ob sich die Reise extra nach Westkasachstan dafür gelohnt hat, könnt ihr euch anhand der Fotos selbst überlegen. Am Ende des Beitrags verraten wir euch natürlich auch noch, wie unser persönliches Fazit ausfällt.
Mangystau ist eine Region rund um die Stadt Aktau und umfasst eine Fläche von über 165’000 km². Die Gegend bietet unglaubliche Landschaften, die häufig mit dem Mars verglichen werden. Und spätestens, wenn man selbst dort steht, versteht man auch, warum.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gesamte Region vor Millionen von Jahren vom Meer bedeckt war. Dabei entstanden mächtige Sedimentschichten, die sich im Laufe der Zeit verfestigten. Durch die Bewegung der Erdkruste veränderte sich die Landschaft, das Meer zog sich zurück und legte den Grundstein für die ungewöhnlichen Felsformationen, die wir heute bestaunen können.
Wind und Wasser formten die Landschaft über Millionen von Jahren weiter. Da die verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich hart sind, wurden sie auch unterschiedlich stark abgetragen. So entstanden die steilen Klippen, tiefen Schluchten und weitläufigen Plateaus, die Mangystau heute so besonders machen.
In den letzten Jahren hat es in der Region vermehrt geregnet, wodurch sich auch die karge Wüstenlandschaft etwas verändert hat. Mittlerweile sind mehr Pflanzen zu sehen. Unser Guide meinte sogar, dass die gesamte Gegend grün geworden sei. Nun ja, wir würden sagen, dass die trockenen Büsche immer noch ziemlich öde und braun aussehen. Im Vergleich zur weissen und rötlichen Erde bilden sie aber tatsächlich einen starken Kontrast.
Da wir uns die Namen der einzelnen Orte nicht wirklich merken konnten, wird der Fokus in diesem Beitrag hauptsächlich auf den Fotos unserer Tour liegen. Diese zeigen wahrscheinlich ohnehin am besten, was für unglaubliche vier Tage wir auf dem Mars verbringen durften.
Tag 1
Pünktlich um 9 Uhr morgens wurden wir von unserem Fahrer im Hotel abgeholt. Wir hatten Glück, denn er war einer der wenigen Fahrer, die tatsächlich Englisch sprechen konnten. Für die Tour selbst ist das vermutlich nicht unbedingt notwendig, da man nicht allzu viele Informationen benötigt, um die Landschaft zu bestaunen. Trotzdem war es sehr spannend, sich mit ihm über seine Kultur, sein Heimatland und seine persönlichen Erfahrungen auszutauschen.
Am ersten Tag ging es in den Norden von Mangystau. Unser erster Stopp war eine unterirdische Moschee, die im 10. Jahrhundert in den Felsen gehauen wurde.



Bis heute wird sie für Gebete genutzt, obwohl mittlerweile in der Nähe eine neue Moschee als Hauptgebetsort errichtet wurde.
Danach ging es weiter durch eine Landschaft, die von unzähligen runden Felsen geprägt ist. Wie genau diese ungewöhnlichen Formen entstanden sind, ist nicht abschliessend geklärt. Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang mit der Zeit, als die Gegend noch unter Wasser lag und die Felsen durch natürliche Prozesse ihre Form erhielten.



Es gibt aber auch die Theorie, dass es sich bei diesen Kugeln um versteinerte Dinosauriereier handeln soll.
Den restlichen Tag verbrachten wir damit, durch die karge Landschaft zu fahren, an tiefen Schluchten vorbeizukommen, Hügel zu erklimmen und die unglaubliche Weite der Region auf uns wirken zu lassen.









Schliesslich machten wir uns im sogenannten «Tal der Schlösser» auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum Campen.




Leider war das Wetter an diesem Tag nicht ganz auf unserer Seite. Es war ziemlich kalt und windig, und mit der Zeit setzte auch noch leichter Regen ein. Da für die erste Nacht schlechtes Wetter mit tiefen Temperaturen und starkem Wind vorhergesagt wurde, entschieden wir uns kurzerhand um. Statt unser Zelt aufzuschlagen und die Nacht frierend im Wind zu verbringen, fuhren wir ins nächstgelegene Dorf und übernachteten dort in einer Jurte.
Schade, in dieser unglaublichen Landschaft zu campen, wäre sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Aber wir wollten es natürlich auch nicht gleich am ersten Abend übertreiben. Schliesslich hatten wir noch zwei weitere Nächte im Zelt vor uns – und hofften natürlich, dass uns das Wetter dabei etwas mehr entgegenkommen würde.
Tag 2
Nach einer angenehmen Nacht in der trockenen und warmen Jurte fuhren wir weiter auf sandigen Pisten durchs Nichts. Immer wieder wurden wir aufgefordert auszusteigen, wenn es etwas zu sehen gab, und während der gesamten Fahrt kamen wir kaum aus dem Staunen heraus. Egal, in welche Richtung wir schauten, wir waren aufs Neue fasziniert von dieser unglaublichen Landschaft.






Wir besuchten einen Aussichtspunkt, von dem aus wir die Salzwüste sehen konnten. Nach einer längeren Fahrt vorbei an den weissen Kreideformationen erreichten wir schliesslich die Salzwüste und suchten uns einen geeigneten Platz zum Schlafen.


Dieses Mal war das Wetter stabil, und wir konnten unser Lager aufbauen. Unser Guide wollte allerdings kaum Hilfe annehmen. Beim Zelt durften wir mithelfen, das Kochen und anschliessende Abwaschen wollte er aber alleine übernehmen.
Während er sich um das Essen kümmerte, erkundeten wir die Gegend, schauten uns die durch den Regen matschig gewordene Salzwüste an und genossen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages.



Nach einem einfachen, aber leckeren Nachtessen kuschelten wir uns in unsere Schlafsäcke und stellten uns mental auf eine kalte Nacht ein.
Tag 3
Nach dem Frühstück in dieser unglaublichen Gegend machten wir uns auf den Weg in den Süden von Mangystau. Diese Region ist bekannter und wird auch von vielen Tagestouristen besucht, die von Aktau aus hierherkommen, da sich dort zwei der bekanntesten Orte der Gegend befinden.
Wir waren gespannt, denn bereits der Norden hatte uns sehr gut gefallen. Eigentlich sollte es im Süden aber sogar noch besser werden.
Für diesen Tag hatten wir drei Stopps eingeplant, die alle in derselben Gegend lagen. Der erste Stopp war der bekannte Felsen von Bozzhyra. Und was sollen wir sagen? Diesen Ort endlich mit eigenen Augen zu sehen, war unglaublich beeindruckend.





Der zweite Aussichtspunkt konnte aber genauso mithalten. Von einer steilen Klippe hatten wir eine tolle Aussicht auf die «Marslandschaft» und waren dabei so gut wie alleine an diesem Ort.




Den ersten Aussichtspunkt kann man direkt mit dem Auto erreichen, den zweiten hingegen nur zu Fuss. Viele Tagestouristen lassen diesen deshalb aus Zeitgründen aus.
Der letzte Stopp des Tages war gleichzeitig der Ort für unser Nachtlager. Während unser Guide für uns kochte, kletterten wir auf einen Felsen und genossen von dort aus den Sonnenuntergang. Wow – was für eine Aussicht!




Diese Nacht war leider noch einmal etwas kühler, da wir dem Wind hier direkt ausgesetzt waren. Für Philippe war das kein Problem, und ich habe es dank Kappe und diversen Handwärmern ebenfalls überstanden und wir durften zu einem wunderschönen Sonnenaufgang aufstehen.



Gleichzeitig war ich aber froh, dass dies nach Kirgisistan und Mangystau vorerst die letzte Nacht in der Kälte sein würde.
Trotz der Kälte konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, nachts noch einmal kurz den Sternenhimmel anzuschauen. Für diesen wunderschönen und klaren Sternenhimmel hat es sich definitiv gelohnt, aus dem Zelt zu kriechen.
Tag 4
Am letzten Tag merkten wir langsam, dass bei uns etwas die Luft raus war. Wir hatten in allen drei Nächten nicht besonders gut geschlafen und in den vergangenen Tagen bereits unglaublich viele Eindrücke gesammelt. Trotzdem mobilisierten wir noch einmal unsere letzte Motivation für die beiden letzten Orte der Tour.
Zuerst besuchten wir den Berg, der auf der 1’000-Tenge-Note abgebildet ist. Mit seinen wunderschönen, farbigen Gesteinsschichten steht er ganz alleine in der kargen und flachen Landschaft.




Nicht weit davon entfernt liegt der berühmte «Tiramisu-Canyon», der auch in Wirklichkeit beeindruckend farbig ist. Wir waren uns vorher nicht sicher, ob die unterschiedlichen Schichten auf bearbeiteten Aufnahmen besonders stark zur Geltung kommen. Umso beeindruckender war es, festzustellen, dass die Farben tatsächlich so deutlich zu sehen sind.





Wir konnten uns den Canyon in aller Ruhe anschauen, tolle Aufnahmen machen und danach ein letztes Mal ins Auto steigen, um zurück nach Aktau zu fahren.
In Aktau hatten wir noch eine letzte Aufgabe zu erledigen: unsere Drohne loszuwerden. Leider haben wir für unsere weitere Reise noch einige Länder geplant, in denen bereits das Mitnehmen einer Drohne strikt verboten ist.
Ursprünglich hatten wir geplant, die Drohne von Aktau aus nach Hause zu schicken. Leider hatten sich die Zollbestimmungen geändert, sodass der Versand von Drohnen nicht mehr erlaubt war.
Da Guides in Mangystau für Drohnenaufnahmen zusätzliches Geld verlangen können, war das Interesse gross, als unser Guide in seiner Arbeitsgruppe schrieb, dass wir eine Drohne zu verkaufen hatten. Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich einige Interessenten. Wir trafen uns schliesslich mit demjenigen, der das beste Angebot gemacht hatte, in Aktau und verkauften ihm tatsächlich unsere Drohne.
Das war natürlich etwas schade, da wir die Drohne erst kurz vor dieser Reise gekauft und bisher nur wenige Male geflogen hatten. Umso besser, dass wir doch noch einen guten Preis erzielen konnten und auch für den Käufer das Angebot sehr gut war – Win-win also.
Unser Fazit zur Tour
Wir sind absolut zufrieden damit, wie unsere Tour abgelaufen ist. Wir hatten Glück mit unserem Guide, wurden immer lecker bekocht und bekamen das Mittagessen in kleinen Restaurants unterwegs. Die Campingausrüstung war nichts Spezielles, hat aber vollkommen ausgereicht.
Es gäbe auch die Möglichkeit, jede Nacht in einer Jurte oder einem Hotel zu verbringen. Das Campen mitten in dieser Landschaft war für uns aber sicherlich eines der Highlights.
Da wir am Ende der Saison in Mangystau unterwegs waren, waren nicht mehr so viele Touren in der Region. Im Süden haben wir definitiv mehr Autos gesehen, insgesamt hat sich der Besucherstrom aber gut verteilt.
Beim Campen gibt es die Regel, dass zwei voneinander unabhängige Touren mindestens 100 Meter Abstand zwischen ihren Lagern halten müssen. Dadurch haben sich auch die einzelnen Gruppen gut verteilt. Platz hat es hier ja mehr als genug! Trotzdem war es angenehm zu wissen, dass andere Menschen in der Nähe waren, falls beispielsweise etwas mit dem Auto passieren sollte.
Während der gesamten vier Tage sind wir laut unserem Touranbieter etwas mehr als 1’000 Kilometer gefahren, einen grossen Teil davon auf Schotterpisten. Angesichts der unglaublichen Aussicht konnten wir die holprigen Strassen aber schnell wieder vergessen.






Wow – wir können noch immer nicht ganz verarbeiten, was wir während dieser vier Tage alles erleben und sehen durften. Es war eine unglaublich schöne und gleichzeitig auch skurrile Landschaft, wie wir sie vorher noch nie gesehen hatten und wahrscheinlich auch nicht so schnell wieder sehen werden.
Für uns hat sich die Reise definitiv gelohnt, und wir würden es sofort wieder so machen.
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Grandios 👍😍
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