Nach einem weiteren Nachtflug mit kurzem Schlaf in einem Kapselhotel am Flughafen Almaty erreichten wir unser drittes Land in Zentralasien – Usbekistan. Das Programm, das wir für dieses Land geplant hatten, unterschied sich stark von unseren Erlebnissen in den beiden vorherigen Ländern, und wir freuten uns darauf. Wir hatten lediglich verschiedene Städte eingeplant und uns für jeden Ort meistens einen Tag mehr Zeit genommen als unbedingt notwendig, um alles etwas entspannter angehen zu können.
Usbekistan
Usbekistan gehört zu den bevölkerungsreichsten Staaten dieser Region und verfügt dadurch über einen der bedeutendsten Arbeitsmärkte Zentralasiens. Laut seiner Verfassung ist das Land eine demokratische Republik. In der Praxis handelt es sich jedoch um ein autoritäres System, in dem der Präsident eine sehr starke Stellung einnimmt.
Nach dem Tod des ersten Präsidenten im Jahr 2016 versuchte sein Nachfolger, das Land wirtschaftlich und aussenpolitisch zu öffnen. Dadurch wird Usbekistan seither international stärker wahrgenommen. Die Politik innerhalb des Landes hat sich allerdings nur bedingt verändert. Politische Opposition wird auch hier nicht geduldet, und sowohl die Medien als auch die Menschen unterliegen erheblichen Einschränkungen.
In den Städten haben wir moderne und wohlhabend wirkende Menschen gesehen. Die Usbeken sind sehr gepflegt und schick gekleidet. Uns ist jedoch bewusst, dass das Leben in Usbekistan trotz der verbesserten wirtschaftlichen Lage für viele Menschen weiterhin schwierig ist. Ausserhalb der Städte leben die Menschen sehr einfach, teilweise in grosser Armut, woran sich die Regierung jedoch kaum zu stören scheint. Auch in diesem Land geht es offenbar mehrheitlich darum, das Bild nach aussen zu verbessern, anstatt sich um die eigene Bevölkerung zu kümmern.
Die antike Seidenstrasse
Usbekistan ist bekannt für seine historischen Städte entlang der antiken Seidenstrasse. Sie war eines der bedeutendsten Handelsnetzwerke der Weltgeschichte und verband China mit Zentralasien, dem Nahen Osten und Europa. Entlang der Seidenstrasse wurden nicht nur Waren transportiert, sondern auch Religionen, Erkenntnisse, Wissen und Technologien verbreitet. So gelangte beispielsweise der Islam durch die Araber nach Zentralasien.
Gereist wurde mehrheitlich mit Kamelen, die besonders robust und für die karge Landschaft Zentralasiens bestens geeignet waren. Die Anfänge dieses Fernhandels liegen weit zurück. Besonders bedeutend wurde die Seidenstrasse im 2. Jahrhundert vor Christus, als die chinesische Han-Dynastie ihre Kontakte nach Zentralasien ausbaute. Usbekistan lag mitten auf diesen Handelswegen. Die Städte Samarkand und Bukhara gehörten zu den wichtigsten Handels- und Kulturzentren der damaligen Welt.

Auch wir haben uns auf eine kurze Reise entlang der Seidenstrasse begeben.
Taschkent
Durch den internationalen Flughafen, der sich mitten in der Stadt befindet, startete unsere Reise in der Hauptstadt Taschkent. Für diese Stadt hatten wir tatsächlich nur sehr wenig geplant. Wir schlenderten mehrheitlich durch die Strassen und liessen uns einfach treiben.


Im Vergleich zu Bischkek und Aktau, den beiden Städten, die wir bisher in Zentralasien besucht hatten, war Taschkent sehr sauber und modern. Der sowjetische Einfluss, den wir in den anderen Städten bemerkt hatten, war hier deutlich weniger präsent. Wir fuhren mit der U-Bahn und bestaunten einige der wohl schönsten Metrostationen.

Am Abend besuchten wir noch den Magic City Park, eine kostenfreie Anlage mitten in der Stadt mit Fahrgeschäften, verschiedenen Restaurants und Spielständen. So kam auch bei uns doch noch etwas Herbstmesse-Feeling auf mit einem klassischen Pferderennen, das ich übrigens gewonnen habe! 😉





Usbekistan verfügt über ein sehr gutes Zugnetz, das auch wir nutzten, um die verschiedenen Orte zu bereisen. Da die Tickets bereits früh ausgebucht sind und wir etwas spät dran waren, blieb uns leider nur noch die Möglichkeit, mit den langsameren Zügen zu reisen. Diese waren jedoch ebenfalls in gutem Zustand und für unsere Bedürfnisse völlig ausreichend.
Samarkand
Samarkand gehört zu den ältesten Städten Zentralasiens. Die Geschichte der Stadt reicht mehr als 2500 Jahre zurück. Heutzutage ist sie ein beliebtes Reiseziel und von grosser historischer Bedeutung.
Während der Mongoleninvasion im 13. Jahrhundert erlitt Samarkand unter Dschingis Khan schwere Zerstörungen und grosse Bevölkerungsverluste. Im 14. und 15. Jahrhundert machte der Herrscher Timur, auch als Tamerlan bekannt, die Stadt zur Hauptstadt seines Reiches. Dadurch erlebte Samarkand einen erneuten Aufschwung. Die berühmten Bauwerke, die auch wir besuchten, stammen überwiegend aus dieser Zeit.
Der Registan ist heute das Herzstück der Stadt. Der wunderschöne Platz ist von noch beeindruckenderen Madrasas, also islamischen Lehrgebäuden, umgeben.





Die aufwendig gestalteten Keramikfliesen in den verschiedensten Blautönen zieren die Wände der Gebäude und liessen uns in eine andere Welt eintauchen.




Der Komplex Shah-i-Zinda ist aber nicht weniger beeindruckend. Auch hier kamen wir aus dem Staunen über die wunderschönen Verzierungen kaum heraus. An diesem Ort befinden sich verschiedene Mausoleen bedeutender Persönlichkeiten.





Das Mausoleum von Timur selbst ist nochmals ein eigenes, imposantes Bauwerk.



Innerhalb von zwei Tagen besichtigten wir ganz gemütlich all diese bedeutenden Bauwerke, Mausoleen und Moscheen. Wir schlenderten über den Basar und genossen bei Kaffee und Kuchen gleichzeitig das schöne Wetter.




Zum Abschied schenkte mir unser Gastgeber einen traditionellen Mantel. In der usbekischen Kultur gilt es als sehr unfreundlich und beleidigend, ein solches Geschenk abzulehnen.

Da der Mantel mit seinem zähen Material jedoch definitiv die Kapazität unseres Gepäcks überstieg, nahm ich ihn zwar an, musste ihn aber im nächsten Ort wieder zurücklassen.
Bukhara (ausgesprochen Buchara)
Während der Zeit der Seidenstrasse entwickelte sich Bukhara nicht nur zu einem wichtigen Handelszentrum, sondern auch zu einem der bedeutendsten Zentren islamischer Gelehrsamkeit und Wissenschaft. Im Gegensatz zu Samarkand konnte Bukhara einen grossen Teil seines historischen Stadtbildes bewahren.
Besonders bedeutend wurde Bukhara ab dem 8. Jahrhundert, als sich der Islam ausbreitete. Später wurde die Stadt zur Hauptstadt des Samanidenreiches. Auch heute konnten wir noch verschiedene Sehenswürdigkeiten aus dieser Zeit bestaunen. Es ist unglaublich, sich vorzustellen, wie alt manche dieser Gebäude sind.
Wir besuchten die Ark-Festung und genossen die Aussicht auf die Stadt.



Bukhara ist heutzutage eine der bekanntesten Städte Usbekistans, wobei das historische Zentrum sehr klein und überschaubar ist. Wir liebten es, einfach durch die kleinen, engen Gassen zu schlendern und die wundervolle Atmosphäre dieser alten Handelsstadt auf uns wirken zu lassen.




Im Vergleich zu Samarkand waren hier nicht nur die Madrasas und Mausoleen imposant. Auch die Handelskuppeln und die einfacheren Gebäude gefielen uns sehr gut.


Unter diesen Handelskuppeln wurden früher, wie auch heute, verschiedenste Waren verkauft, geschützt vor der grossen Hitze.
Zum ersten Mal war ich traurig darüber, dass wir nicht direkt nach Hause reisten und ich deshalb keine Souvenirs kaufen konnte. Es fiel mir wirklich schwer, an jedem Stand hätte ich etwas kaufen können! Ich musste mich jedoch mit unseren klassischen Magneten zufriedengeben.



Khiva
Die letzte Zugfahrt war nochmals etwas anderes. Da wir wieder zu spät dran waren, um noch Tickets für den Schnellzug zu bekommen, buchten wir eine Fahrt mit dem Nachtbummler. Wir stiegen in aller Frühe ein und mussten uns durch den schmalen Gang an all den schlafenden Leuten vorbeizwängen.



Das Schnarchkonzert war gross, die Betten aber gar nicht mal so unbequem, und wir konnten beide die sechs Stunden noch ein bisschen vor uns hindösen.
Während Samarkand für seine prächtigen Monumentalbauten und Bukhara für seine religiösen Schulen bekannt sind, wirkt Khiva wie eine vollständig erhaltene Stadt aus einem alten orientalischen Märchen. Hinter mächtigen Lehmziegelmauern verstecken sich enge Gassen, Moscheen, Minarette und vieles mehr.




Dadurch bekamen wir einen guten Eindruck davon, wie eine Oasenstadt entlang der Seidenstrasse früher ausgesehen haben könnte.
Innerhalb der Mauern lassen sich zwar wunderschöne Bauwerke bestaunen, gleichzeitig gleicht die Stadt aber auch einem grossen Markt. In den kleinen Gassen reihen sich die Verkaufsstände aneinander, und es herrscht ein wildes Treiben.




Da der historische Stadtkern so klein ist, konzentrieren sich auch viele Touristen auf denselben Ort, wodurch es schnell etwas überlaufen wirkt.
Das bekannteste Wahrzeichen ist das Kalta-Minor-Minarett. Es ist ungewöhnlich breit und ebenfalls mit leuchtenden Blautönen geschmückt.



Da wir für unseren Wunschtag kein Zugticket mehr bekamen, mussten wir einen Tag länger in Bukhara bleiben und hatten dadurch nur einen halben Tag Zeit für Khiva. Da das historische Zentrum aber sehr klein und überschaubar ist, reichte uns diese Zeit aus. Ausserdem hatte uns Bukhara am besten gefallen, weshalb es für uns völlig in Ordnung war, dort einen Tag länger zu verbringen.
Arabischer Einfluss
Usbekistan hat uns ebenfalls sehr gut gefallen. Unsere Reise durch dieses Land unterschied sich stark von unseren Erlebnissen in Kirgistan und Kasachstan, was auch gut so war. Nicht nur unsere Reise war anders, sondern auch das Land selbst.
In Usbekistan haben wir den arabisch geprägten Einfluss Zentralasiens viel stärker wahrgenommen. In Kirgistan und Kasachstan war dieser weniger spürbar und wurde in unserem Reisealltag häufig vom sowjetischen Einfluss überlagert. In den kleinen Gassen, zwischen den vielen Verkaufsständen mit Gewürzen, Parfüm und wunderschöner Keramik sowie den mosaikverzierten Gebäuden fühlten wir uns in eine andere Welt versetzt. Für einen kurzen Moment lebten wir unser eigenes Märchen aus Tausendundeiner Nacht.



Teilweise kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und fühlten uns pudelwohl. Eine Kombination aus Kirgistan oder Kasachstan mit Usbekistan können wir definitiv empfehlen.
Obwohl der Altersdurchschnitt unter den Touristen in Usbekistan gefühlt deutlich höher war und wir vielen geführten Reisegruppen begegneten, fanden wir unsere Erlebnisse vor Ort genauso schön. Alles war einfach etwas entspannter, was nach den vergangenen Wochen auch einmal guttat.
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Prächtige Gebäude, sehr beeindruckend! Und wie immer toll kommentiert 🙂
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