Moorea und Tahiti

Wir haben euch ja letztes Mal auf Fakarava zurückgelassen, obwohl wir selber bereits schon auf unserer letzten Insel in Französisch-Polynesien waren. Wir haben bereits schon wieder so viele schöne Sachen erlebt. Fangen wir aber von vorne an.

Mit dem Flugzeug ging es von Fakarava aus nach Tahiti. Da wir erst am Abend einen Flug hatten, mussten wir die Nacht auf Tahiti, besser gesagt in Papeete, der Hauptstadt, verbringen. Wirklich viel hat diese Stadt nicht zu bieten. Sie ist aber der Ausgangspunkt für die Fähre nach Moorea (und andere Inseln), wohin es für uns am nächsten Tag ging.

Völlig unkompliziert konnten wir am Morgen die Tickets kaufen und die ca. 45-minütige Überfahrt geniessen. Zu unserem grossen Glück bekamen wir bereits bei der Hinfahrt einen kleinen Vorgeschmack darauf, wofür Moorea bekannt ist: Buckelwale. Wir konnten in der Ferne eine Mutter mit ihrem Kalb beobachten – was für ein guter Start in den Tag.

Moorea

Moorea ist die kleinere Schwester von Tahiti, obwohl „klein“ auch nicht ganz stimmt. Im Vergleich zu Bora Bora und Fakarava kam uns diese Insel riesig vor. Wir hatten auf Moorea drei Nächte gebucht, wobei wir im Nachhinein wahrscheinlich Fakarava um eine Nacht gekürzt und Moorea um eine verlängert hätten. Da unsere Zeit doch eher begrenzt war und wir den Schwerpunkt auf der Walbeobachtung hatten, haben wir von der Insel selber nur wenige Orte gesehen, was aber auch völlig in Ordnung ist.

Wir hatten ein kleines Airbnb, eine kleine, hochstehende Hütte, gebucht. Diese ist einer der einzigen Orte auf der Insel, von dessen Bett aus direkt die Walbeobachtung starten kann. Und was sollen wir sagen – es war unglaublich.

Bereits am ersten Tag sassen wir vor unserer Hütte und konnten direkt zweimal Wale beobachten. Zuerst nur die Fontänen und dann doch tatsächlich einen Sprung. Wer schon mal auf Walbeobachtung war, weiss wahrscheinlich, wie schwierig es ist, diese Tiere auf Kamera zu bekommen. Sie tauchen an einem Ort unter und kommen an einem komplett anderen wieder hoch. Ihr müsst uns also einfach glauben, dass wir diese Wale direkt am ersten Tag gesehen haben. Wir haben nämlich kein Beweismaterial dafür.

Auch in den nächsten Tagen durften wir noch mehrmals in der Ferne oder Nähe Buckelwale auftauchen sehen, teilweise am Strand oder beim Frühstück im Bett. Was für ein unglaublicher Ort.

Ich hätte Stunden damit verbringen können, aufs Meer rauszuschauen, nach Hinweisen auf Buckelwale zu suchen oder einfach den beruhigenden Wellen zuzuschauen. Genau an solch einem Ort mit solcher Aussicht zu leben, wäre mein grosser Traum und jetzt durfte ich diesen für drei Nächte leben – wow.

Einmal mehr ein Moment, in dem die Dankbarkeit dafür, was wir erleben dürfen, riesengross war und vielleicht doch auch etwas Pippi in den Augen war.

Wenn ihr dachtet, dass das bereits das Highlight von Moorea war, dann wartet ab, es wird noch besser.

Buckelwale

Es gibt verschiedene Familien von Buckelwalen. Diejenigen, die nach Moorea kommen, kommen vollgefressen aus der Antarktis und schwimmen bis nach Französisch-Polynesien, um sich dort zu paaren oder die Jungen zu gebären und aufzuziehen.

In dieser Zeit essen sie so gut wie nichts und nehmen ca. einen Drittel ihres gesamten Gewichtes, was bis zu 30 Tonnen sein kann, ab.

Buckelwale gehören zu den Furchenwalen. Sie sind im Vergleich zum Blauwal mit „nur“ 12–15 Metern eher klein, haben aber verhältnismässig sehr lange Seitenflossen, was unter anderem ihr besonderes Merkmal ist.

Die Tiere kommen schon seit jeher in die warmen Gewässer nach Moorea und verbringen einige Monate in der Nähe der Küste. Dadurch sind sie bereits seit vielen Jahren an die Menschen gewöhnt.

Moorea ist nebst Tonga (auch in der Südsee) einer der besten Orte für die Beobachtung der Buckelwale und bietet die Möglichkeit, mit diesen Tieren zu schwimmen. Da Buckelwale meistens in Bewegung sind und an anderen Orten nicht monatelang an der gleichen Küste bleiben, ist es ansonsten kaum möglich, den Tieren direkt im Wasser zu begegnen.

Rund um Moorea bietet sich diese Möglichkeit sehr gut, ist jedoch sehr stark reguliert. Es sind jeweils nur drei Boote mit maximal sechs Personen bei einem Buckelwal oder einer Gruppe erlaubt und müssen immer mindestens einen Abstand von 100 Metern halten. Der Rest muss geschwommen werden.

Der Buckelwal darf nie zwischen dem Boot und dem Riff eingeengt sein, sodass der Wal immer die Möglichkeit hat, wegzuschwimmen. Es darf nicht heruntergetaucht werden und die Gruppe muss immer dicht zusammenbleiben.

Wir haben uns für eine Tour frühmorgens entschieden, da dann noch wenig Boote unterwegs sind und somit nicht die Gefahr besteht, dass bereits drei Boote in der Nähe eines Wales sind. Aber unserer Erfahrung nach verteilt es sich sehr gut, da doch wirklich viele Tiere vor Ort sind und nur wenige Boote.

Bei starkem Wind und Wellengang ging es auf dem Boot mit der Einführung und den Informationen zu den Tieren los. Zuerst müssen die Buckelwale gespottet werden, dann wird das Verhalten beobachtet und wenn sich die Möglichkeit bietet, kann ins Wasser gesprungen werden.

Das hört sich jetzt vielleicht alles sehr einfach und entspannt an, ist aber ein Nervenkitzel und kann echt lange dauern. Wir hatten zwar Glück, dass wir ziemlich bald Buckelwale gefunden haben, diese aber ständig in Bewegung waren und nur sehr kurze Zeit an der Oberfläche blieben, weshalb die Möglichkeit, ins Wasser zu gehen, gar nie da war.

Wir sassen zwar alle mit Neoprenanzug, Flossen und Taucherbrille und Schnorchel bereit da, denn wenn es die Möglichkeit gibt, muss sofort reagiert werden. Das Fenster zum Schwimmen kann sich innerhalb von wenigen Minuten wieder geschlossen haben.

Schon langsam die Hoffnung aufgebend, konnten wir tatsächlich ganz am Schluss unserer vierstündigen Tour ins Wasser und bekamen die unglaubliche Chance, eine Mutter mit ihrem Kalb zu sehen.

Zuerst war mehrheitlich das Kalb an der Wasseroberfläche. Nach einigen Minuten kam die Mutter dazu und schwamm gemeinsam mit ihrem Kind zurück in die Tiefe.

Was für ein magischer und surrealer Augenblick. Wir haben schon so lange davon geträumt und jetzt durften wir das wirklich gemeinsam erleben. Das ganze Warten und Suchen bei hohem Wellengang hat sich mehr als ausgezahlt. Wir können es kaum in Worte fassen, wie schön dieser Moment war, diese geschmeidigen Giganten an uns vorbeiziehen zu sehen.

So schön dieser Moment auch war, so schnell ging er auch vorbei. In diesem Moment konnten wir es noch gar nicht richtig geniessen und verarbeiten, da wir gegen den hohen Wellengang ankämpfen mussten, permanent Wasser geschluckt haben, die Sicht doch eher eingeschränkt war und Buckelwale ein gutes Tempo draufhaben und innerhalb von wenigen Sekunden bereits wieder ausser Sicht sein können.

Umso mehr ist uns bewusst, was für ein Glück wir hatten, diesen kurzen Moment mit den Tieren erlebt haben zu dürfen.

Weil es so schön war, ging es für uns am nächsten Tag erneut auf eine Tour. Da diese Touren stark begrenzte Plätze haben und bereits Monate vorher ausgebucht sind und wir wissen, dass es nicht immer garantiert ist, Buckelwale zu sehen, wollten wir uns absichern und zumindest zweimal die Möglichkeit haben, es zu versuchen.

Mit einem anderen Anbieter ging es am nächsten Nachmittag wieder raus aufs offene Meer und die Suche nach Buckelwalen dauerte nicht lange, bis wir eine Gruppe von drei Erwachsenen gefunden haben.

Ich weiss nicht, wer sich mehr gefreut hat – wir uns über die Show oder die Buckelwale darüber, dass sie Zuschauer haben. Immer wieder an einem anderen Ort rund um unser Boot herum sprangen die Buckelwale aus dem Wasser und legten eine einmalige Show hin. Es war unglaublich.

Dadurch, dass die Tiere so aktiv waren, war leider aber die Chance, sie auch unter Wasser zu sehen, eher klein. Wir haben zwar mehrere Versuche gestartet: rein ins Wasser, gegen die grossen Wellen ankämpfen und schwimmen, zurück aufs Boot und alles an einem anderen Ort von vorne.

Insgesamt sechs Mal haben wir das Ganze durchgespielt, leider ohne Erfolg. Die Tiere haben immer wieder unter Wasser die Richtung geändert und wir sind in die falsche Richtung geschwommen.

Beim letzten Versuch waren wir zwar so nahe an den Tieren, dass wir sie von der Wasseroberfläche aus gut sehen konnten. Die Sicht war aber so schlecht, dass wir sie auch auf nur wenige Meter Entfernung unter Wasser nicht sehen konnten.

Durch das riesige Spektakel vom Boot aus hat sich aber auch die zweite Tour sehr gelohnt.

Leider gingen die drei Tage auf Moorea viel zu schnell vorbei. Wir fuhren mit der Fähre zurück nach Tahiti und verbrachten den letzten Nachmittag wieder in Papeete, bevor wieder einmal mehr in der Nacht ein Flug anstand.

Französisch-Polynesien

Dass Französisch-Polynesien teuer ist, ist, glaube ich, kein Geheimnis. Für uns war es bisher auf unserer Reise das teuerste Land und wird es wahrscheinlich auch bleiben.

Nicht nur einzelne Ausflüge oder schöne Unterkünfte kosten viel, sondern auch ein einfaches Zimmer ist bereits nicht günstig und unsere Einkäufe waren auf einem ähnlichen Preislevel wie zu Hause. Das Angebot war bis auf Moorea eher bescheiden, frische Ware gab es aufgrund der Abgelegenheit kaum.

Wir hatten in allen Unterkünften eine eigene Küche und diese auch mehrheitlich genutzt. Ansonsten haben wir am Strassenrand bei einem der vielen Foodtrucks gegessen. Das Essen vor Ort ist sehr viel frittiert und beinhaltet eigentlich fast immer frischen Fisch oder Fleisch.

Das Teuerste für uns waren die Ausflüge. In diesem Bereich wollen wir aber auch nicht sparen und haben alles gemacht, was wir wollten, und würden es auch sofort wieder so machen.

Französisch-Polynesien hat uns unglaublich gut gefallen. Es bietet wunderschöne Strände und Lagunen, eine unglaubliche Unterwasserwelt und eine entspannte Atmosphäre vor Ort, welche uns angesteckt hat.

Es ist eine Mischung aus europäischen Standards, wie zum Beispiel trinkbarem Leitungswasser, und dem lockeren Lebensstil, den wir mehrheitlich aus Asien kennen und der wahrscheinlich stark vom polynesischen Einfluss geprägt ist.

Nach wunderschönen zwei Wochen vor Ort, unglaublichen und unvergesslichen Momenten und einigen Franken weniger auf dem Konto verlassen wir zwar Französisch-Polynesien, die Südsee aber noch nicht.

Wir freuen uns, noch weitere zehn Tage mit hoffentlich Sonne, Meer und Strand verbringen zu können.


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