Sri Lanka- das neue Bali?

Wie immer folgt natürlich auch zu Sri Lanka noch ein Beitrag darüber, wie uns das Land gesamthaft gefallen hat und welche Eindrücke wir vom Reisen dort mitgenommen haben. Auf Social Media wird Sri Lanka oft als das neue Bali angepriesen. Immer mehr digitale Nomaden zieht es auf die Insel, und gewisse Orte haben sich bereits als bekannte Hotspots für diese Community etabliert. Vor unserer Reise waren wir deshalb sehr gespannt, ob wir diese Vermarktung selbst nachvollziehen können.

Reisen in Sri Lanka

Sri Lanka bietet viele verschiedene Möglichkeiten, um im Land herumzureisen – und wir haben gleich mehrere davon ausprobiert. Mit allen waren wir grundsätzlich zufrieden. Das absolute Highlight war für uns ganz klar das Fahren mit dem eigenen Tuk-Tuk. Es hat unglaublich viel Spass gemacht, und wir waren komplett flexibel unterwegs.

Auch die Zugfahrt gehört definitiv zu den Erlebnissen, die man in Sri Lanka nicht verpassen sollte. Sie war witzig, chaotisch und bot eine wunderschöne Aussicht. Fürs Zugfahren braucht man allerdings Geduld. Ob die Züge jemals pünktlich sind, wissen wir nicht – vorstellen können wir es uns zumindest nicht. Die Fahrt in einer Klasse mit fixen Sitzplätzen ist zudem nicht ganz günstig und teilweise sogar teurer, als dieselbe Strecke zu zweit mit dem Auto zurückzulegen.

Zu dritt war für uns die angenehmste und oft auch günstigste Lösung meist ein privater Fahrer. Auch hier war Geduld gefragt: Häufig kamen die Fahrer zu spät oder tauchten ohne Nachfragen von uns gar nicht auf. Ob wir einfach Pech hatten oder ob das in Sri Lanka normal ist, können wir nicht beurteilen. Wirklich gestört hat es uns aber nicht.

Natürlich gibt es auch öffentliche Busse. Auf dieses Erlebnis konnten wir jedoch gut verzichten. Schon von aussen sind sie ein Erlebnis für sich: extrem bunt, oft mit lauter Musik und innen mit blinkenden Lichterketten geschmückt. Das alles wäre eigentlich kein Problem – wären da nicht die Busfahrer. Diese waren mit Abstand die schlimmsten Verkehrsteilnehmer, überholten alles, was im Weg war, und nahmen keinerlei Rücksicht. Mir wurde bereits beim Zuschauen schlecht, und in einem solchen Bus hätten wir uns definitiv nicht sicher gefühlt.

Sicherheit

Abgesehen von den Busfahrern und dem Unwetter fühlten wir uns in Sri Lanka jederzeit sehr wohl und sicher. Die Menschen sind unglaublich freundlich, offen und hilfsbereit. Wir hatten nie das Gefühl, dass jemand aufdringlich ist, und konnten uns immer frei bewegen.

Der Verkehr ist insgesamt wilder und chaotischer, als wir es von zu Hause kennen. Ob man selbst fahren möchte, muss daher jede Person für sich entscheiden. Das Fahrverhalten der anderen lässt sich natürlich nicht beeinflussen: Viele fahren schnell und überholen viel. Im Süden gibt es jedoch eine Art Autobahn mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, an die sich unserer Erfahrung nach die meisten relativ gut halten.

Essen

Einer der Hauptgründe, weshalb wir uns so auf Sri Lanka gefreut haben, war das Essen – und wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Wir versuchten in die sri-lankische Essenskultur einzutauchen, und probierten zahlreiche lokale Spezialitäten.

Das Curry unterscheidet sich beispielsweise etwas vom Curry in Thailand. Häufig werden mehrere kleine Schalen serviert, zusammen mit dem bestellten Curry und weiteren Beilagen. Meist war ein Linsendhal dabei, die restlichen Gerichte konnten wir selten genau zuordnen. Nicht alles hat uns immer gleich gut geschmeckt, die grosse Mehrheit der Gerichte war jedoch sehr lecker.

Diese Art von Essen wird teilweise auch als klassisches Frühstück serviert. Und obwohl wir beide keine grossen Frühstücker sind und morgens oft nichts Exotisches mögen, war das Frühstück in Ella – mit einem leckeren Linsendhal und Kokosroti – das beste Essen unserer gesamten Sri-Lanka-Reise.

Vor unserer Reise wurden wir gewarnt, dass das Essen sehr scharf sei. Zum Glück empfanden wir es meist nicht so schlimm. Vielleicht sind wir mittlerweile einfach mehr an Schärfe gewohnt, vielleicht hatten wir aber auch Glück mit den Gerichten. Nur einmal erwischten wir im Zug ein extrem scharfes Samosa, das uns beiden beinahe Mund und Gaumen verbrannt hat.

Unser absolutes Lieblingsgericht war Kottu – ein Gericht aus zerkleinertem Roti, gemischt mit Gemüse und Curry. Ein weiteres Highlight waren die frischen, leckeren Lassis. Diese Kombination hätten wir fast jeden Tag bestellen können.

Natürlich konnten auch wir die Finger nicht permanent vom westlichen Essen lassen. Trotzdem empfehlen wir jedem, das lokale Essen unbedingt auszuprobieren. Für uns gehört die sri-lankische Küche definitiv zu den besten auf unserer Reise.

Kosten

Mittlerweile fällt es uns etwas schwer, die Kosten komplett neutral zu beurteilen. Wir vergleichen viele Preise noch immer mit Indonesien, was natürlich unfair ist, da es dort extrem günstig ist. Nico wiederum verglich die Preise mit der Schweiz – und fand dementsprechend alles sehr günstig.

Wir selbst waren teilweise etwas überrascht, da wir uns Sri Lanka günstiger vorgestellt hatten. Im Vergleich zu Bali fanden wir Bali insgesamt noch etwas günstiger. Unterkünfte lagen häufig an der oberen Grenze des Preis-Leistungs-Verhältnisses – vielleicht waren wir für die günstigeren Optionen auch etwas spät dran. Beim Essen waren wir meist in Restaurants unterwegs, die natürlich mehr kosten als kleine lokale Imbisse.

Im Vergleich zu Schweizer Preisen war jedoch weiterhin alles sehr günstig, und wir haben kaum auf die Kosten geachtet oder bewusst verzichtet. Preislich würden wir Sri Lanka mit den Philippinen vergleichen, was für uns das teuerste Land in Südostasien war.

Sehr aufgefallen ist uns zudem, dass die Preise für Touristen und Einheimische stark variieren. Das haben wir auch in anderen Ländern erlebt, aber selten so deutlich. Beim Lion Rock in Sigiriya kostet der Eintritt für Touristen rund 30 Dollar, während Einheimische lediglich etwa 1–2 Dollar bezahlen. Uns ist bewusst, dass diese Preisunterschiede oft gerechtfertigt sind, da Touristen in der Regel ein deutlich höheres Einkommen haben. Trotzdem ist uns dieser Unterschied in keinem anderen Land so offensichtlich aufgefallen – vielleicht haben wir es dort aber auch einfach weniger wahrgenommen.

Unwetter

Das Wetter insgesamt – und natürlich vor allem das Wissen um den Zyklon – legte eine etwas dunkle Wolke über unsere Zeit in Sri Lanka. Mir fiel es im Süden sehr schwer, das gute Leben wirklich zu geniessen, während nur wenige Stunden entfernt Menschen ihre Angehörigen oder ihr Zuhause verloren hatten. Natürlich passieren solche schlimmen Naturkatastrophen immer wieder und überall auf der Welt, trotzdem waren wir hier sehr nah dran.

Das Privileg, «nur» als Tourist vor Ort zu sein und einfach weiterreisen zu können, wurde mir in dieser Zeit noch stärker bewusst. In Weligama sahen wir zudem verschiedene Spendenaktionen, die die Situation nochmals deutlich machten.

Trotzdem hatten wir – vor allem vor dem Zyklon – eine unglaublich schöne Zeit in Sri Lanka und nehmen viele tolle Erinnerungen mit. Auch das zweite Mal im Süden hat uns sehr gut gefallen, ich konnte es einfach nicht mehr ganz so unbeschwert geniessen.

Fazit

Gesamthaft können wir Sri Lanka aber sehr als Reiseland empfehlen. Es ist einfach zu bereisen und unglaublich vielseitig. Gleichzeitig befindet sich das Land bereits im Wandel und wird sich in den nächsten Jahren sicher noch stark verändern. Überall wird gebaut, vor allem im Süden entlang der Küste wird es immer voller und touristischer. Nicht umsonst wird Sri Lanka bereits als das «neue Bali» bezeichnet.

Wie sich das Land weiterentwickeln wird, wissen wir natürlich nicht. Hoffentlich geht es nicht in genau die gleiche Richtung wie Bali, mit seinem überfüllten Süden. Sri Lanka, so wie es jetzt ist, ist wunderschön: Es bietet touristische Orte mit westlichen Angeboten, wirkt aber noch nicht völlig überlaufen. Der Verkehr ist angenehm, und selbst im Süden fühlt es sich unserer Meinung nach noch recht authentisch an.

Warum Sri Lanka mit einer Insel vermarktet wird, die stark unter Massentourismus leidet, ist uns ehrlich gesagt ein Rätsel. Bali ist doch das perfekte Beispiel dafür, wie Social Media einen Ort auch negativ beeinflussen kann. Obwohl wir als Touristen selbst Teil dieses Problems sind, hoffen wir sehr, dass diese Entwicklung in Sri Lanka nur langsam voranschreitet. Das Land ist unserer Meinung nach zum Glück noch ein gutes Stück davon entfernt, wie Bali zu werden – und wir drücken die Daumen, dass es auch so bleibt.


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2 Kommentare zu „Sri Lanka- das neue Bali?

  1. vielen Dank euch beiden und eine gute Heimreise. Dann wünschen wir euch frohe Festtage in good old Switzerland. Ich hoffe, wir hören oder sehen uns nach unserer Rückkehr aus Vietnam.

    Liebe Grüsse

    christian

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  2. vielen Dank euch beiden und eine gute Heimreise. Dann wünschen wir euch frohe Festtage in good old Switzerland. Ich hoffe, wir hören oder sehen uns nach unserer Rückkehr aus Vietnam.

    Liebe Grüsse

    christian

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