Wie immer folgt zum Abschluss eines Landes ein kurzer Bericht darüber, wie wir Land, Leute und Kultur wahrgenommen haben und wie das Reisen für uns war.
Die Menschen
Chinesen haben bei uns ja nicht immer den besten Ruf. Sie kommen häufig in grossen Reisengruppen, wirken chaotisch, laut und manchmal etwas unfreundlich. Wir können definitiv sagen, dass sich für uns einige Klischees bestätigt haben – andere aber überhaupt nicht.
Als Erstes müssen wir wirklich sagen, dass die Einheimischen unglaublich freundlich und hilfsbereit waren. Sie waren nicht aufdringlich, griffen oft schnell zur Übersetzungs-App, um etwas zu erklären, und haben uns stets geholfen. Bei meinem letzten kurzen Aufenthalt in Peking hatte ich leider nicht so positive Erfahrungen mit den Einheimischen gemacht. Zudem war es damals ohne Übersetzungs-App und SIM-Karte mit Internet deutlich herausfordernder. Entsprechend war ich diesmal etwas nervös, wie es wohl werden würde. Doch ich war absolut positiv überrascht, wie toll es war und wie wohl wir uns immer gefühlt haben.
Ein paar Klischees haben sich allerdings auch bestätigt – auf gewisse hätten wir gern verzichten können. Viele Menschen machen ständig unangenehme Geräusche: ob Rotzen, Schmatzen oder Rülpsen – all das gehört hier ganz selbstverständlich zum Alltag. Vielleicht reagieren wir auf solche Geräusche einfach sensibler, aber gegen Ende der Reise hatten wir wirklich langsam genug davon.
Ein weiteres Klischee, das sich unserer Meinung nach bestätigt hat, betrifft das Thema Gruppenreisen. Auch innerhalb Chinas sind Einheimische gern in geführten Gruppen unterwegs – und solche Gruppen haben wir tatsächlich an fast allen Orten angetroffen.
Essen
Gleich vorweg: Wir haben immer sehr lecker gegessen!



Natürlich gibt es in China das eine oder andere Gericht, das für uns Europäer etwas exotisch wirkt. Vom Tier wird so ziemlich alles gegessen – Hirn oder Füsse sind keine Seltenheit. Auch im Supermarkt werden solche Teile ganz normal als Snacks angeboten.

Eigentlich finde ich es gar nicht schlecht, dass alles vom Tier verwertet wird und nicht nur die besten Stücke – probieren wollten wir diese Dinge dann aber trotzdem nicht.
Mehrmals haben wir Schildkrötensuppe auf der Speisekarte gesehen. Vieles haben wir wahrscheinlich gar nicht erkannt, da es nur auf Chinesisch angeschrieben war – vielleicht war das auch besser so. Das einzige Tier, das wir neu ausprobiert haben, war Yak in Shangri-La. Es schmeckt ähnlich wie Rind, aber etwas intensiver.
Was wir sehr oft gegessen haben, war chinesischer Hotpot. Dabei können die Brühe und verschiedene Zutaten selbst gewählt werden, die dann direkt am Tisch gekocht werden.


Ansonsten haben wir meistens gebratene Nudeln oder Reis sowie Nudelsuppen in allen Variationen gegessen – und damit sind wir immer gut gefahren.





In Chongqing haben wir sogar eine wirklich leckere Pizza gefunden, in Furong dagegen war sie eher nicht so gut. Da es sich allerdings um eine Tiefkühlpizza aus der Mikrowelle handelte, konnten wir auch nicht allzu viel erwarten. Irgendwie fanden wir es aber lustig, das auszuprobieren und wir wollten im warmen Bett essen– und glaubt mir: Die Pizza war gar nicht so schlecht und viel leckerer, als sie aussah!

Kulturschock
Für uns war der Kulturschock in China bisher am grössten. Obwohl es gewisse Ähnlichkeiten gibt – in der Moderne etwa mit Südkorea, im Einfachen mit Südostasien – war die Kombination doch sehr aussergewöhnlich.
Die Hotels waren meist modern und wirkten relativ neu oder frisch renoviert. In den Zimmern gab es beheizte Toilettensitze und automatische Vorhänge, wie wir es auch aus Südkorea kennen. Waren wir jedoch draussen unterwegs, waren die öffentlichen WCs oft in schlechtem Zustand und sehr einfach – ähnlich wie wir es etwa aus Indonesien kennen. Zweimal hatte ich sogar ein WC ohne Trennwände oder Türen – alle gingen einfach nebeneinander in die Knie und verrichteten ihr Geschäft. Zum Glück trug ich einen Rock und war so wenigstens etwas bedeckt.
In China hatten wir viel Platz in unseren Zimmern und wussten, dass nebenan die Einheimischen auf wenigen Quadratmetern leben und Platzmangel herrscht in den grossen Städten.
Es prallen teilweise zwei Welten aufeinander: die „schöne“ Welt für Touristen und die „reale“ Welt für die Einheimischen. Natürlich wissen wir, dass das in vielen ärmeren Ländern ähnlich ist. Aber in Indonesien zum Beispiel waren die Unterkünfte ausserhalb von Bali oft sehr einfach und ähnelten den Lebensbedingungen der Einheimischen.
Wir hatten manchmal das Gefühl, in einer Art Scheinwelt für Touristen zu leben – einem künstlich perfekten Umfeld, das mit der Realität im Hintergrund nur wenig zu tun hat. Ich weiss nicht, ob das verständlich ist, was wir meinen – aber wir hatten einfach oft das Gefühl, in einer „Touristen-Bubble“ zu sein, wie wir sie sonst noch nie erlebt haben.
Zusätzlich war das ganze Thema Überwachung ein grosses Thema, das wir in dieser Form sonst nirgends erlebt haben. Natürlich wussten wir im Voraus darüber Bescheid, trotzdem fühlte es sich vor Ort teilweise etwas befremdlich an. Alles läuft über den Pass – sämtliche Zug- oder Aktivitätentickets werden darauf gebucht und vor Ort einfach gescannt. Teilweise war nach dem ersten Scannen der weitere Eintritt nur noch über Gesichtserkennung möglich.
So viele Kameras wie in China haben wir bisher noch nirgends gesehen. Durch diese starke Überwachung und das Wissen, dass China insgesamt doch etwas strenger ist, haben wir uns vor allem zu Beginn sehr bewusst verhalten und wollten auf keinen Fall irgendetwas Falsches machen. Mit der Zeit legte sich dieses Gefühl aber. Trotzdem ist es kein Ort, an dem wir in irgendein Problem geraten möchten.
In China gibt es ausserhalb von Macau – dem „Las Vegas“ von China – keine Kasinos, da Chinesen offenbar besonders anfällig auf Spielsucht sind. Trotzdem haben wir Spielhallen gesehen, in denen Chinesen mit riesigen Haufen von Jetons vor sich sassen und spielten. Zwar kann dort kein Geld, sondern nur ein Preis gewonnen werden, trotzdem wird natürlich viel Geld ausgegeben.

Sehr verstörend fanden wir allerdings einige Preise – in einem Automaten gab es beispielsweise lebendige Fische zu gewinnen. Wie diese dann nach Hause transportiert werden sollen, war uns ein Rätsel.
China ist neben Südkorea das modernste Land unserer bisherigen Reise. Roboter servierten uns das Essen, und unsere McDonald’s-Bestellung mussten wir aus einem Automaten holen.



China auf eigene Faust
Für eine Reise nach China braucht es etwas mehr Vorbereitung als für andere Länder – vieles funktioniert da einfach anders.
Zum Bezahlen, Navigieren, Bestellen von Taxis sowie zum Buchen von Unterkünften und Aktivitäten sind spezielle Apps notwendig. Zusätzlich sind eine eSIM oder ein VPN nötig, um unsere üblichen Apps wie WhatsApp, Google, Instagram etc. nutzen zu können.

Wir hatten das grosse Glück, dass die Schwester von Philippe und ihr Mann kurz zuvor in China unterwegs waren, sodass wir viele hilfreiche Informationen direkt von ihnen erhalten haben. Auch über diverse Reiseblogs konnten wir uns bereits im Voraus gut informieren – wirklich kompliziert ist es also nicht.
Bei der Buchung von Hotels empfiehlt es sich, über eine Website für internationale Reisende zu buchen, da dort nur Hotels aufgelistet sind, die auch für ausländische Gäste zugelassen sind. Auf anderen Plattformen kann es vorkommen, dass manche Unterkünfte nicht für ausländische Touristen verifiziert sind, was den Buchungsprozess etwas erschwert. Über dieselbe Seite konnten wir auch verschiedene Aktivitäten und Zugtickets buchen, was alles sehr übersichtlich machte.
Zugfahren ist grundsätzlich recht einfach, kann aber herausfordernd werden. Die bekannten grossen Strecken sind unkompliziert, da es direkte Zugverbindungen gibt, die sich leicht finden lassen. Schwieriger wurde es bei uns ab dem Zhangjiajie-Nationalpark, wo es keine direkten Züge zu unserem nächsten Ziel gab. Auf der Buchungsplattform fanden wir diese Verbindungen nicht, da Umstiege nicht angezeigt werden. Über eine andere Reisewebsite konnten wir dann aber herausfinden, an welchen Orten wir umsteigen mussten, und die einzelnen Strecken separat buchen. Schlussendlich hat alles gut geklappt.
Innerhalb des Zuges gibt es verschiedene Klassen – von der Stehklasse bis zur Businessklasse. Besonders praktisch: Die Sitzreihen lassen sich drehen, sodass nie rückwärts gefahren werden muss.

Wichtig ist, bei der Buchung genau auf den richtigen Bahnhof zu achten. In vielen Städten gibt es mehrere Bahnhöfe mit Namensendungen wie „Ost“, „West“, „Nord“ oder „Süd“. Diese liegen oft weit auseinander, was beim Umsteigen zu grossen Herausforderungen führen kann.
Das Zugfahren selbst ist dann wieder recht einfach. Beim Betreten des Bahnhofs gibt es einen Sicherheitscheck ähnlich wie am Flughafen – allerdings war das an jedem Ort etwas unterschiedlich. Mal wollten sie unser Deo sehen, mal die Wasserflasche, mal gar nichts.
Vor dem jeweiligen Gate gibt es Sitzbereiche, doch die Leute stehen meist schon frühzeitig in der Schlange. Etwa 15 Minuten vor Abfahrt öffnet das Gate, die Tickets werden über den Pass kontrolliert, und man kann zum Gleis gehen.
Unserer Erfahrung nach herrscht beim Einsteigen wenig Ordnung – alle wollen so schnell wie möglich hinein, da bei diesen Menschenmengen 15 Minuten tatsächlich knapp sein können. Die Züge fahren überpünktlich ab, und wir haben den Eindruck, dass sie auch dann losfahren würden, wenn noch nicht alle eingestiegen sind.



Sicherheitskontrollen gibt es übrigens nicht nur an Bahnhöfen, sondern auch an allen U-Bahn-Stationen und den Eingängen zu touristischen Attraktionen.
Fazit zu China
Wir müssen ehrlich sein: Wir hatten vor dieser Reise einige Bedenken und Vorurteile gegenüber China. Deshalb haben wir lange hin und her überlegt, ob wir wirklich dorthin reisen sollen. Schlussendlich hat uns die visumfreie Zeit und die Nähe überzeugt – und wir sind sehr froh darüber!
Wir hatten wirklich eine tolle Zeit, waren beeindruckt von den Landschaften und haben fast ausschliesslich freundliche Menschen getroffen. Natürlich sind die kulturellen Unterschiede teilweise gross und können herausfordernd sein, aber es war nie zu viel für uns. Nach etwa drei Wochen waren wir dann aber auch wieder bereit, das Land zu verlassen.
Shangri-La war für mich definitiv das Highlight unserer Chinareise – ich war von Anfang an begeistert und verzaubert. Auch Philippe bezeichnet Shangri-La als seinen Lieblingsort in China; ihm hat aber die Chinesische Mauer als Aktivität noch etwas besser gefallen – was ich absolut nachvollziehen kann.
Alles in allem hat uns jeder Ort sehr gut gefallen, auch wenn das Wetter nicht überall mitgespielt hat und das Erlebnis dadurch manchmal etwas eingeschränkt war. Wir liessen uns die Motivation und Freude jedoch nie nehmen und haben immer das Beste aus jeder Situation gemacht.
Ob wir jemals wieder nach China reisen werden, wissen wir nicht – aber wir nehmen viele tolle Erinnerungen mit und möchten diese auf keinen Fall missen. Die visumfreie Einreise wurde vor Kurzem bis Ende 2026 verlängert, und wir können eine Reise nach China definitiv empfehlen!
Jetzt ist es aber wieder Zeit für etwas angenehmere Temperaturen und entspanntere Umstände. Wo es für uns weiterging, erfahrt ihr im nächsten Bericht.
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