Orang Utans in Zentralkalimantan

Nach Sulawesi hatten wir noch etwa zwei Wochen Zeit mit unserem Visum in Indonesien. Für uns war von Anfang an klar, dass wir noch auf eine Insel mit Orang-Utans gehen wollten. Da kommen in Indonesien zwei Inseln infrage: Sumatra oder Kalimantan. Beide Inseln sind sehr gross und das Orang-Utan-Erlebnis ist unterschiedlich aufgebaut. Sumatra ist definitiv viel bekannter als Kalimantan. Dort gibt es ein Dschungel-Trekking mit relativ sicherer Sichtung von Orang-Utans. Es gibt die Möglichkeit für mehrtägige Touren mit Übernachtung im Zelt. Der Nachteil: Es beinhaltet wieder weite Strecken mit dem Bus oder Taxi vom Flughafen aus. Neben dem Dschungel gibt es zwar auch andere schöne Orte zu besuchen, aber auch diese liegen weit auseinander.

Unsere Motivation für lange Fahrten war nach Sulawesi sehr gering. Wir wussten, dass wir die Hälfte der Zeit auf Sumatra mehrheitlich im Auto verbringen würden, weshalb wir uns dann für die ruhigere Variante auf Kalimantan entschieden haben. Auch Kalimantan ist riesig und der Dschungel sehr abgelegen, es gibt dort aber einen kleinen Flughafen. Obwohl uns das Erkunden der Insel sehr gereizt hätte, haben wir nur den Dschungel besucht. Über Land die Insel zu erkunden ist nur sehr schwer möglich. Die Alternative wäre zu fliegen. Es gibt aber zur Zeit keine Flugverbindungen innerhalb von Kalimantan. So muss immer über Java umgestiegen werden, um einen weiteren Ort auf Kalimantan zu erreichen.

Kleiner Spoiler vorweg für alle, die uns nicht auf Instagram folgen: Wir sind zum Dschungel hingeflogen und danach direkt auf Java geblieben, da wir sowieso dorthin fliegen mussten.

In diesem Beitrag geht es jetzt aber ausschliesslich um unser Dschungelerlebnis in Kalimantan.

Orang Utans

Kalimantan ist der indonesische Teil von Borneo, was wohl den meisten eher ein Begriff ist. Geteilt wird diese Insel mit Malaysia und Brunei, wobei Indonesien aber mit Abstand den grössten Teil ausmacht. Orang-Utans leben mittlerweile nur noch frei auf Borneo und Sumatra.

In Zentral-Kalimantan, dort wo wir waren, leben schätzungsweise noch etwa 23’000 Orang-Utans, insgesamt in Indonesien noch 105’000 bis 115’000 Tiere. Diese Zahl nimmt leider immer weiter ab. In den letzten 20 Jahren haben Orang-Utans in Indonesien etwa 30 bis 40 Prozent ihrer Population verloren, manche Studien sprechen sogar von noch höheren Zahlen.

Palmöl

Der Hauptgrund dafür ist die massive Rodung des Regenwaldes. Indonesien ist weltweit der grösste Produzent von Palmöl. In Sumatra liegt etwa die Hälfte der Plantagen und in Kalimantan mehr als ein Drittel – beides Inseln, auf denen die Orang-Utans ursprünglich die Herrscher des Dschungels waren. Mittlerweile müssen sie immer mehr Platz für die Plantagen hergeben. Der Dschungel wird zerstört und gerodet, der Lebensraum für Orang-Utans und viele andere Tiere wird immer kleiner.

Mittlerweile gibt es aber einige gute Schutzprogramme, die das Aussterben verlangsamen und die Abholzung des Regenwaldes reduzieren wollen. Zur bedrohlichen Lebensraumsituation kommt auch noch der illegale Tierhandel hinzu. Dieser ist zwar verboten, dennoch werden weiterhin viele Orang-Utans in Gefangenschaft gehalten. Auch hier gibt es einige Organisationen, die versuchen, diese Tiere zu befreien und in Rehabilitationsprogramme zu bringen, um sie im besten Fall wieder auszuwildern.

Klotok- Tour

In Kalimantan gibt es einen Nationalpark – den Tanjung Puting Nationalpark – der bekannt ist für Bootstouren in den Dschungel. Es gibt, glaube ich, auch noch andere Orte für Dschungelbesuche, diese sind aber schwer erreichbar und meistens deutlich aufwändiger zu planen. So haben wir uns für die klassische Klotok-Tour entschieden, die ich schon seit Jahren einmal machen wollte – und Philippe war auch sofort begeistert.

Es gibt viele verschiedene Anbieter dafür, aber alle bieten ziemlich das gleiche Programm an. Da wir nicht wussten, wie lange wir genau auf Sulawesi bleiben würden, waren wir mit der Planung für Kalimantan etwas kurzfristig dran – und das in der absoluten Hochsaison. Wir hatten aber Glück, dass wir nach einigen Absagen doch noch einen Platz bekommen haben. Wir hätten gerne drei Nächte auf dem Boot verbracht, das wird aber fast nur als private Tour angeboten – was uns doch etwas zu teuer war. So sind wir schlussendlich mit zehn anderen Leuten auf eine Tour für zwei Nächte und drei Tage gegangen und hatten eine wunderschöne Zeit.

Da wir genügend Zeit hatten, sind wir bereits am Tag vor Tourstart in Pangkalan Bun, dem Ausgangspunkt für den Tanjung Puting, angekommen und haben eine Nacht im für uns teuersten Hotel in Indonesien ausserhalb von Bali verbracht. Es war aber schön, hatte einen Pool, und viel Auswahl gab es ohnehin nicht. Wir hatten nach der Tour erneut eine Nacht im gleichen Hotel gebucht. So mussten wir nicht direkt nach der Tour weiterfliegen und konnten das grosse Gepäck im Hotel lassen – was wir auch jedem aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit empfehlen würden. Alles, was auf der Tour mit dabei war – inklusive Rucksack – war am Schluss feucht und klebrig.

Das Boot

Das Klotok, ein traditionelles Hausboot, war sehr einfach eingerichtet und im indonesischen Standard – was aber völlig ausreichend war. Tagsüber gab es einen grossen Tisch und Stühle, für die Nacht wurden diese zur Seite gestellt und Matratzen mit Moskitonetzen aufgebaut. Da wir zwölf Personen auf dem Boot waren und es mit den Matratzen etwas eng wurde, gab es für die Nacht noch ein zweites, kleineres Boot für vier Personen.

Es gab zwei westliche Klos und Duschen, wobei das Gefühl entstand, danach eher schmutziger zu sein als zuvor – bei nur drei Tagen aber auch kein grosses Problem.

Mit uns unterwegs waren noch drei Europäer, eine indonesisch-holländische Familie und vier Indonesierinnen. Alle waren begeistert, was wir alles in Indonesien bereits gesehen hatten, und wollten Tipps von uns für ihr eigenes Land. So wurden wir mal wieder daran erinnert, was für ein Privileg wir haben, sechs Monate lang Indonesien bereisen zu dürfen und Orte zu besuchen, von denen viele Einheimische nur träumen können.

Mit dem Boot tuckerten wir somit zuerst auf dem grossen Hauptfluss entlang, bis wir dann auf einen kleinen Fluss abbogen, welcher uns immer tiefer in den Dschungel hineinführte. Da im August Hochsaison ist, waren wir natürlich nicht das einzige Boot. Trotzdem war die Fahrt mit dem Rattern des Motors und den Dschungelgeräuschen super entspannend.

Und schon bald durften wir auch den ersten Orang-Utan bestaunen. Zwar war dieser etwas versteckt, trotzdem war die orangebraune Farbe sehr gut zu erkennen – und es war der erste Wow-Moment für uns.

Fütterungsstationen

Entlang des Flusses gibt es drei Fütterungsstationen für Orang-Utans. Wie bereits erwähnt, gibt es so eine Art Rehabilitationsprogramm für ehemals gefangene Orang-Utans. Um sie wieder an ein Leben in der Wildnis zu gewöhnen und ihre Überlebenschance zu erhöhen, wurden diese Fütterungsstationen errichtet. Diese dienen der Zusatzfütterung – die Hauptmenge an Nahrung müssen sie selbständig finden.

Die Chance, dass ein Orang-Utan nach der Gefangenschaft wieder vollständig in der Wildnis überleben kann, ist leider nicht sehr hoch. Diese Fütterungsstationen sind deswegen so wichtig, um diese Tiere weiterhin am Leben zu halten. Trotzdem kommen die Orang-Utans nicht jeden Tag zu diesen Stationen – was ein gutes Zeichen ist. Auch bei uns war bei der zweiten Station nicht viel los, nur zwei Orang-Utans waren dort vor Ort. Für den Rest war es wohl an diesem Tag nicht notwendig, dorthin zu kommen.

Obwohl es mittlerweile natürlich auch eine Touristenattraktion ist, fanden wir es für uns trotzdem ethisch vertretbar, dort zu sein.

Der Abstand zu den Tieren wird gewahrt, die Orang-Utans können sich frei bewegen, nur kurz das Essen holen und sofort wieder verschwinden – oder die Aufmerksamkeit der vielen Menschen geniessen.

Wir fanden es aber spannender, den Orang Utans neben der Plattform zuzuschauen, welche eine gute Show boten. Der Anführer des jeweiligen Quartiers geht als erstes Essen, zusammen mit seiner Frau.

Erst danach können die restlichen hin, jedoch versuchen es einzelne immer wieder und schnappen sich, so viel sie tragen können.

Wir lassen hier in diesem Beitrag die Bilder sprechen, wie das Erlebnis mit den Orang Utans bei den Fütterungsstationen, aber auch entlang des Flusses, für uns war. Einmal mehr ein Moment, in dem ich sehr froh war, die grosse und gute Kamera herumzuschleppen.

Unser Programm in diesen drei Tagen war sehr einfach. Wir waren mehrheitlich auf dem Boot unterwegs, hatten drei Stopps bei den Fütterungsstationen und einen Nachtspaziergang durch den Dschungel. Dabei können Schlangen und Spinnen sowie Tarsieraffen besser gesichtet werden.

Während der Fahrten mit dem Boot konnten wir unzählige Affen am Flussrand beobachten und hatten das Glück, mehrere Orang-Utans direkt vom Boot aus zu sehen – und nicht nur bei den Fütterungsstationen.

Essen gab es immer auf dem Boot und es war super lecker. Nach den Fütterungsstationen haben wir jeweils einen kleinen Snack und ein kaltes, nasses Tuch erhalten, um uns zu erfrischen. Die Luftfeuchtigkeit vor Ort war wirklich extrem, und die kurzen Regenschauer haben das nicht besser gemacht.

Leider vergingen die Tage viel zu schnell und wir waren schon wieder auf dem Rückweg zum Hafen. Wir sind aber unglaublich froh, uns für diese Tour entschieden zu haben. Wir hatten eine tolle Gruppe, es war sehr entspannend und wir hatten grossartige tierische Erlebnisse. Wir würden die Tour genauso sofort wieder machen und können sie allen empfehlen, die eine eher gemütliche Variante zur Sichtung von Orang-Utans suchen.

Trotzdem ist das Dschungeltrekking in Sumatra weiterhin auf unserer Liste. Orang-Utans sind faszinierende Tiere – die Ähnlichkeit zu uns Menschen ist uns immer wieder im Verhalten aufgefallen. Es ist aber erschreckend zu sehen und zu hören, dass – wenn sich nichts ändert – die Zahl dieser Tiere immer weiter schrumpfen wird und spätere Generationen vielleicht gar keine Chance mehr bekommen, Orang-Utans zu sehen.

Einmal mehr ein Aufwacherlebnis: Jede Person kann einen Beitrag dazu leisten – auf welche Art und Weise auch immer.


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2 Kommentare zu „Orang Utans in Zentralkalimantan

  1. Tolle Tour! Und der erste Orang-Utan musste geknipst werden, obwohl gefühlt 100 Meter entfernt 🙂 War bei uns damals auch so, der erste Löwe wurde geknipst, obwohl man ihn im hohen Gras kaum sah! Weiterhin gute Reise, with love from home.

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