Banggai Inseln

Wir haben ja schon angedeutet, dass wir erneut auf kleinen Inseln unterwegs waren. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass diese gar nicht mal so klein sind. Wir haben lange überlegt, wie wir unsere Reise auf Sulawesi gestalten wollen und ob wir den ganzen Weg in den Norden auf uns nehmen sollen, um erneut Inseln zu besuchen, die den Togean-Inseln ähneln sollen.

Schlussendlich haben wir uns dagegen entschieden – und sind sehr froh über diese Entscheidung. Wir waren doch etwas müde vom vielen Autofahren, was im Norden genauso weitergegangen wäre. Für die Banggai-Inseln war hingegen nur noch eine einmalige Fahrt notwendig, die „nur“ fünf Stunden dauerte. Ausserdem wollte ich schon lange auf die Banggai-Inseln, was diese Entscheidung zusätzlich bestärkte. Und wir wurden nicht enttäuscht: Die Inseln sind wunderschön – von der Infrastruktur und Größe her aber ganz anders als die Togeans.

Überfahrt

Der Ausgangspunkt für die Banggai-Inseln ist Luwuk. Von dort aus können verschiedene Teile der Banggais erreicht werden. Wir haben uns für die grosse Hauptinsel und eine kleinere daneben, Banggai Laut, entschieden – obwohl ich glaube, dass eigentlich die kleinere die eigentliche Hauptinsel ist. Die grössere ist aber am einfachsten erreichbar und bietet den “touristischen” Ort der Banggai – wobei touristisch hier vielleicht das falsche Wort ist, denn es reisen nur sehr wenige Touristen tatsächlich dorthin.

Von Luwuk aus haben wir also die zwei- bis dreistündige Fährfahrt auf uns genommen. Die Fähre wird zwar als Speedboot bezeichnet, was wir jedoch definitiv nicht so nennen würden. Gemächlich sind wir über das ruhige Meer geglitten.

Die Fähre bietet zu jedem Ticket eine kleine Matratze – eine sehr bequeme Art, die Überfahrt zu verbringen. Da die Fahrt um 13:00 Uhr starten sollte (wir sind nach 14 Uhr losgefahren), gab es viele Verkäufer an Bord, die vor der Abfahrt Essen anboten. Auch bei uns waren sie erfolgreich – wir haben unseren Hunger mit einem Maiskolben gestillt.

Am Hafen von Leme Leme auf der Insel Peleng wurden wir von unserem Homestay abgeholt und in ein anderes Dorf gebracht. Wir haben uns erneut für eine einfache Unterkunft entschieden. Die Lage – direkt bei der Hauptsehenswürdigkeit – war unschlagbar, ebenso wie der direkte Zugang zum Wasser.

Das Homestay selbst war sehr einfach, wahrscheinlich das schlichteste, das wir bisher hatten. Das Zimmer war zwar privat, aber die Wände bestanden nur aus Pappe und reichten nicht bis zur Decke. Dadurch war es extrem hellhörig – was uns allerdings noch mehr störte, war der Rauch aus der Küche und vom Rauchen, der sich durchs ganze Haus zog. Die Luft war dadurch ziemlich schlecht. Für zwei Nächte aber durchaus aushaltbar. Das Bad war geteilt, hatte jedoch ein westliches Klo – das hat uns positiv überrascht.

Pulau Peleng

Die Banggai-Inseln, würde ich sagen, wurden auf Social Media vor allem durch den Paisu Pok See bekannt.

Das kann natürlich auch negative Folgen haben – bisher ist es hier aber zum Glück noch ruhig geblieben. Während unserer Besuche waren kaum Leute da. Wir haben ihn uns mit vier anderen Reisenden und ein paar Einheimischen geteilt – bei dieser Grösse absolut kein Problem. Am späten Vormittag kommen Tagestouristen vorbei – dann wird es vermutlich etwas voller.

Wir hatten einen ganzen Tag vor Ort eingeplant, wussten vorher aber noch nicht genau, was wir machen wollen. Schliesslich haben wir uns gegen das Mieten eines Rollers entschieden und den Tag ganz gemütlich vor Ort verbracht. Wir sind früh aufgestanden und direkt zum See gegangen, der nur wenige Gehminuten vom Homestay entfernt liegt. Wir wussten nicht, ob der Besuch morgens oder nachmittags besser ist – also haben wir beides gemacht.

Nach einem kurzen Besuch am Morgen sind wir zurück und haben den Vormittag im Homestay verbracht. Wir konnten beide einige Dinge erledigen, weiterplanen und einfach die tolle Aussicht geniessen.

Nach dem Mittagessen sind wir zu einer Art Lagune gelaufen, die von den Einheimischen hauptsächlich zum Duschen und Wäschewaschen genutzt wird. Auch als wir dort waren, kamen ein paar Leute, um ihre Kleider zu waschen. Kinder waren da und sind von den Felsen ins Wasser gesprungen – ansonsten war niemand dort. Wir haben ein kurzes Bad im klaren, aber eiskalten Wasser sehr genossen.

Danach sind wir erneut zum See zurückgekehrt. Diesmal haben wir ein Boot vor Ort genommen und sind über den See gepaddelt.

Unsere Drohne haben wir natürlich auch ausgepackt. Zum Abschluss des Tages haben wir unsere Taucherbrillen und Schnorchel angezogen und den See noch unter Wasser erkundet. Eiskalt – aber genau deshalb so klar.

Ein Besuch dieses Sees ist unserer Meinung nach absolut lohnenswert. Das kristallklare Wasser und die Dschungelkulisse drumherum sind einfach einzigartig.

Salakan

Am nächsten Tag ging es für uns mit einem Fahrer einmal quer über die Insel. Während der über vierstündigen Fahrt haben wir noch einen kurzen Umweg gemacht und eine Höhle besucht. Auch dort waren wir ganz alleine und konnten die angenehme Abkühlung sehr geniessen.

Das Ziel der Fahrt war Salakan, die grösste „Stadt“ auf Peleng. Wir haben dort aber nur eine Nacht verbracht, da wir direkt weiter wollten nach Banggai Laut. Den Nachmittag haben wir mit einem kurzen Spaziergang durch den Ort und im Hotel verbracht.

In Salakan haben wir wieder gemerkt, dass wir an einem Ort waren, wo wenige Touristen unterwegs sind. Selbst im Hotel sprach niemand Englisch. Dank Google Translator hat es aber problemlos geklappt, einen Fahrer für den nächsten Tag zu organisieren.

Mit diesem fuhren wir direkt zu einem kleinen Ort mit einem noch kleineren Hafen. Es gibt keine öffentliche, regelmässige Fähre auf die andere Insel. Kleine Boote nehmen Leute mit, wenn sie voll sind. So haben wir es uns gemütlich gemacht und auf weitere Passagiere gewartet.

Nach etwa zwei Stunden war das Boot voll – und die kurze Überfahrt konnte losgehen.

Banggai Laut

In Banggai Laut haben wir uns für das einzige Hotel vor Ort entschieden. Wir hatten langsam genug von Homestays, und der Preis war in Ordnung. Wir waren froh, wieder einmal eine Klimaanlage, ein sauberes Bad und etwas Ruhe zu haben. Ein Pluspunkt: An der Rezeption sprach tatsächlich jemand Englisch – das erleichterte die Kommunikation deutlich.

Tanjung Gundul und Teluk Lalong

Da wir bereits nach dem Mittag angekommen sind, haben wir für den Nachmittag einen Roller gemietet und sind losgedüst. Leider war das Wetter die ganze Zeit auf Banggai Laut eher schlecht – viel Regen und meist bewölkt. Wir haben aber einen trockenen Moment genutzt und sind auf eine kurze Bootstour gegangen.

Einige Strände sind nur per Boot erreichbar, lassen sich aber relativ einfach organisieren. Wir haben wohl ein eher untypisches Dorf als Ausgangspunkt gewählt, denn es war gar nicht so leicht, dort ein Boot zu finden. Zuerst wurden wir am Strand von einer Horde Kinder umringt.

Wir dachten, es wäre langsam zu spät, noch ein Boot zu finden. So sind wir zu einem kleinen Laden gefahren, um nach einem Boot für den nächsten Tag zu fragen. Glücklicherweise konnte jemand Englisch, und über diese Person konnten wir kommunizieren.

Es kamen immer mehr Leute dazu, alle neugierig, was hier mit den zwei Bules (Touristen) los war. Eine Frau bot an, dass ihr Mann uns fahren könnte – und so haben wir uns spontan entschieden, die Tour noch am späten Nachmittag zu machen. Eine grossartige Entscheidung!

Gefühlt das halbe Dorf stand am Strand, um uns zu verabschieden. Vier Leute kamen spontan mit, einfach aus Interesse an uns. Die Kinder fragten ständig, wie wir heissen und woher wir kommen. Die Frau erklärte uns auf Englisch, dass hier nur sehr selten Touristen vorbeikommen – die meisten gehen ins Nachbardorf für Touren.

Wir besuchten eine besondere Felsformation und eine kleine Lagune – beides wirklich schön.

Doch das eigentliche Highlight war die Begegnung mit den Einheimischen. Niemand der Mitgereisten sprach Englisch, aber wir hatten trotzdem grossen Spass. Es war ein Erlebnis, das uns lange in Erinnerung bleiben wird.

Pantai Oyama und Pasir Panjang

Am nächsten Tag wollten wir mit einem Boot zwei weitere Strände besuchen. Diesmal war es deutlich einfacher, ein Boot zu finden – an einer kleinen Anlegestelle wurden wir schnell fündig. Ein Fischer und sein Sohn brachten uns zum bekanntesten Strand von Banggai Laut. Der Strand und vor allem das Wasser waren schön, haben uns aber nicht umgehauen. Auch den zweiten Strand fanden wir nicht spektakulär.

Vielleicht liegt es daran, dass wir mittlerweile viele traumhafte Strände besuchen durften oder das Wetter war einfach zu grau, um die Farben zur Geltung zu bringen. Wir waren aber an beiden Stränden alleine, was es für uns trotzdem zu einer schönen Zeit gemacht hat.

Am Nachmittag wollten wir uns wegen Tauchen umschauen. Die Tauchschule, die wir bei Google Maps gefunden hatten, existierte nicht und eine andere war am Wochenende geschlossen. Damit hatte sich das für uns erledigt – war aber auch ok. Lustigerweise trafen wir auf der Rückfahrt mit der Fähre einen Polizisten, der Tauchlehrer auf Banggai Laut ist – möglich wäre es also gewesen.

Den dritten Tag verbrachten wir ziemlich faul im Hotel. Es war der schlechteste Tag vom Wetter her, aber wir machten trotzdem einen kurzen Ausflug mit dem Roller.

Der Strand, den wir besuchten, und das Meer waren allerdings voll mit Seegras und es regnete wieder einmal. Also kehrten wir bald zurück und organisierten unsere Rückfahrt nach Luwuk.

Essen

Normalerweise widmen wir dem Essen keinen grossen Platz in unseren Beiträgen. Meistens jammern wir nur, dass wir uns freuen, mal wieder etwas Westliches zu essen. 😉 Auf den Banggais hätten wir uns teilweise aber bereits über gutes indonesisches Essen gefreut.

In Salakan kamen wir am Nachmittag an und wollten ein kleines Mittagessen. Wir liefen etwa eine Stunde herum und fanden kaum etwas. Ein paar kleine Stände gab es, aber mehrheitlich wurde Bakso (Fleischbällchen) verkauft – nichts, worauf wir Lust hatten.

Auch auf Banggai Laut war die Essenssituation anfangs schwierig. Wir gingen dreimal essen – und ich wurde jedes Mal herausgefordert. Essen zu bestellen ist nicht einfach, besonders wenn man etwas am Gericht ändern möchte. Vegetarisch gibt es so gut wie nicht. Fleisch wäre kein Problem für mich, aber bei Fisch und Meeresfrüchten ist Schluss.

Wir haben jeweils Mie oder Nasi Goreng bestellt und mit Google Translator und Handzeichen klargemacht, was wir nicht im Gericht haben wollen und ein bestätigendes Nicken der Kellnern erhalten. Was kam? Ein Teller voll mit Shrimps und Oktopusstücken. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht mal angefasst. Mittlerweile möchte ich das Essen nicht wegwerfen und niemanden vor den Kopf stossen – also habe ich versucht, die Meeresfrüchte herauszupicken und den Rest zu essen. Zum Glück werden die Sachen oft nur kurz ins Gericht geworfen und nicht mitgekocht – so hat es immerhin nicht nach Fisch geschmeckt. Trotzdem war es eine grosse Herausforderung für mich und extrem frustrierend.

Zum Glück haben wir durch Zufall eine Art Night Market gefunden, wo wir zweimal Mais und Fertignudeln ohne alles bekommen haben. Ich hatte schon lange nicht mehr so gut gegessen. 😉

Rückfahrt

Die Fahrt zurück nach Luwuk war wieder ein Erlebnis. Indonesier erleben wir als sehr ehrliche und hilfsbereite Menschen. Wir fragten im Hotel nach der Fähre – und der (vermutliche) Manager bot uns an, eine klimatisierte Privatkabine für die Überfahrt zu organisieren.

Zur Erklärung: Die Fahrt dauert mindestens acht Stunden, und normalerweise sitzt oder liegt man eng gedrängt in nicht klimatisierten Räumen. Es gibt jedoch wenige Kabinen, die für wenig Aufpreis gemietet werden können – aber dafür sind anscheinend gute Kontakte notwendig.

Wir stimmten zu und gaben ihm das Geld und hofften darauf, dass es kein Betrug ist. Typisch indonesisch gab es keinen schriftlichen Beleg, nur eine Kabinennummer. Am nächsten Tag gingen wir also aufs Boot – und die Kabine war tatsächlich für uns reserviert. Alles hat wunderbar geklappt.

Wir waren etwas zu früh dran und konnten noch dem geschäftigen Treiben am Hafen zuschauen. Was da alles auf so eine Fähre geladen wird, ist immer wieder faszinierend.

Die acht Stunden verbrachten wir im Bett oder draussen an Deck – und hatten eine gute Zeit.

Besonders froh waren wir über die Privatsphäre und die Klimaanlage. Nicht, weil es heiss war – sondern weil Philippe so auf dem Schiff nicht schlecht wurde.

Am späten Abend kamen wir in Luwuk an – mit neuen, wunderbaren Erinnerungen im Gepäck. Unsere Zeit auf Sulawesi neigt sich dem Ende zu, und einmal mehr sind wir fasziniert von Indonesien und wie unterschiedlich jede Insel ist.


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Ein Kommentar zu „Banggai Inseln

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