Zweite Heimat auf Bali

Wir sind zwar bereits seit einer Woche weg von Bali und erkunden schon die nächste Insel, ein gutes Stück entfernt.

Unsere letzte Woche auf Bali haben wir in vollen Zügen genossen, weshalb wir keine Zeit für diesen Artikel gefunden haben. Natürlich wollen wir euch trotzdem noch mehr über unsere Erfahrungen auf Bali allgemein und unseren Alltag vor Ort erzählen. Eines können wir aber schon vorwegnehmen: Wir hatten eine wunderschöne Zeit. Bali wurde zu unserem zweiten Zuhause. Wir durften in unseren drei Monate vor Ort viel erleben und entdecken, tolle Erfahrungen machen und den Charme dieser Insel spüren.

Unser Alltag

Bereits vor unserer Ankunft hatten wir auf gut Glück ein kleines Häuschen für die ganzen drei Monate gemietet. Wir waren ein wenig nervös, ob alles passen würde, aber zum Glück wurden wir nicht enttäuscht. Gebucht war ein Haus mit einem Schlafzimmer – bekommen haben wir zwei. Die offene Küche und der private Pool waren wie beschrieben.

Das Haus lag nicht direkt in einem touristischen Gebiet, aber in der Nähe der bekannten Orte. Es war praktisch an der Hauptstrasse und nahe zur Toll Road, einer Schnellstrasse über das Meer.

In den ersten Wochen haben wir viele Restaurants, Cafés und Strassenstände ausprobiert und die Umgebung erkundet. Bald hatten wir unsere Lieblingsorte fürs Essen gefunden und kannten uns gut aus. Wir lebten uns wunderbar ein und fühlten uns schnell zu Hause. Nach fünf Monaten ständigem Reisen war ein „geregelter“ Alltag auch mal wieder schön.

Wir gingen gemeinsam für unter fünf Franken zum Coiffeur und besuchten zweimal wöchentlich Reformer-Pilates. Endlich konnten wir unsere Rucksäcke komplett ausräumen und waschen – dringend nötig! Unsere Tage verliefen meist ähnlich: Wir standen gemeinsam auf, ich fuhr zur „Arbeit“ und Philippe arbeitete an seiner Masterarbeit. Am Nachmittag trafen wir uns wieder, genossen den Pool oder den Strand und liessen den Tag bei leckerem Essen zu Hause ausklingen.

Am Wochenende waren wir oft unterwegs – davon haben wir euch ja bereits berichtet. Die Mischung aus ruhigem Alltag unter der Woche und Ausflügen am Wochenende war für uns perfekt. Sie hat uns neue Energie gegeben und das Reisefieber wieder entfacht.

Kultur

Obwohl Indonesien ein überwiegend muslimisches Land ist, ist die Hauptreligion auf Bali der Hinduismus. Der balinesische Glaube ist das Herzstück dieser faszinierenden Kultur – und das haben wir selbst erlebt und gespürt. Die Insel hat über 20‘000 Tempel, viele davon sehr klein und direkt in den eigenen Häusern untergebracht.

Überall sieht man kleine Opfergaben, bestehend aus einem geflochtenen Schälchen mit Blumen, Räucherstäbchen, Geld, Essen usw. Diese werden täglich neu verteilt. Manchmal ist es gar nicht so einfach, mit dem Roller oder zu Fuss allen Opfergaben auf der Strasse auszuweichen.

Grössere Tempelanlagen gibt es natürlich ebenfalls viele. Von einigen haben wir euch ja bereits erzählt. In den Tempeln sieht man oft kleine Schirme in bestimmten Farben. Sie sollen den Göttern Schutz bieten. Die Farben haben jeweils eine bestimmte Bedeutung:

Wasser: schwarz oder violett

Feuer: rot

Erde: gelb

Luft: weiss

Wind: gelb-weiss

Auch Statuen oder Bäume werden mit Tüchern in diesen Farben eingewickelt, um zu zeigen, dass dort etwas Heiliges lebt.

Die Balinesen sind ein sehr gläubiges Volk und stolz auf ihren Glauben. Sie zeigen das durch ihre traditionellen Kleider, die bei Zeremonien getragen werden.

Mehrmals täglich wird gebetet und die kleinen Haustempel werden mit grosser Hingabe gepflegt. Opfergaben werden niedergelegt, Räucherstäbchen angezündet und der Tempel mit heiligem Wasser besprenkelt.

Die Balinesen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Der Kontakt zur hinduistischen Kultur war für uns immer wieder spannend. Wer wirklich verstehen möchte, weshalb uns diese Kultur so berührt, muss selbst nach Bali reisen und die warmherzigen Menschen sowie ihre Kultur erleben.

Essen

Für alle, die noch nie in Indonesien waren: Indonesisches Essen ist super lecker!

Es beinhaltet viele Klassiker der asiatischen Küche – gebratene Nudeln (Mie Goreng), gebratener Reis (Nasi Goreng), Currys usw. – aber geschmacklich unterscheidet es sich deutlich von z. B. der thailändischen Küche. Ein weiteres Lieblingsgericht von uns ist Nasi Campur, was so viel bedeutet wie „gemischter Reis“. Es ist eine Art Buffet, bei dem man sich die Zutaten selbst aussucht. Philippes Lieblingsessen war Soto Ayam, eine Suppe mit Poulet, Ei, Glasnudeln und Gemüse, aber nur von einem bestimmten Stand.

Die lokale Küche basiert auf Reis, Poulet oder Fisch, manchmal Schweinefleisch, dazu viel Gemüse, Eier sowie Tofu oder Tempeh als vegetarische Optionen. Letzteres besteht aus fermentierten Sojabohnen – einer unserer Lieblingsbestandteile beim Nasi Campur.

Das Essen wird meist an kleinen Strassenständen verkauft, die auch von vielen Locals besucht werden. Es ist super günstig und wir haben nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Zwar ist Bali für den sogenannten „Bali Belly“ bekannt – im Grunde eine Lebensmittelvergiftung, wie sie auch in anderen Ländern vorkommen kann –, aber wir hatten nie ernsthafte Probleme. Vielleicht mal ein unruhiger Magen – aber das zählt für uns nicht wirklich als „Bali Belly“, da wir das auch zu Hause ab und zu mal hatten.

Wir haben alles gegessen, worauf wir Lust hatten, ohne grosse Bedenken. Strassenessen würden wir definitiv jedem empfehlen: lecker, authentisch und günstig.

Trotzdem haben wir das grosse Angebot an westlichem Essen auf Bali ebenfalls genutzt und uns auch oft etwas bestellt. Ganz selten haben wir selbst gekocht. Dies ist meist aufwendiger und teurer als das Essen vor Ort. Das holen wir dann zu Hause wieder nach. 😉

Verkehrschaos

Ein Thema, das viele von Bali abschreckt, ist der Verkehr und das können wir leider nicht schönreden. Vor allem im Süden der Insel ist dieser wirklich schrecklich. Die Strassen sind überfüllt und viele Gegenden haben nur kleine Wege, die für so viel Verkehr nicht gemacht sind. Teilweise steht alles still.

Unser Haus lag etwas ausserhalb der touristischen Hotspots, mit gutem Zugang zur Hauptstrasse – dort war der Verkehr erträglicher, aber immer noch anstrengend. Für eine Strecke, die normalerweise 10 Minuten dauert, mussten wir oft das doppelte einrechnen, mit dem Auto dauert es noch deutlich länger. Mit dem Roller war es meist besser, da die Autos eine Spur freilassen, auf der Roller überholen können.

Was die Sicherheit betrifft: Eigentlich herrscht Helmpflicht – aber viele Touristen (und auch Locals) ignorieren sie. Es war oft schockierend, wie sorglos manche unterwegs waren. Wir haben uns von Anfang an eigene Regeln gesetzt und uns daran gehalten. Natürlich fuhren auch wir „wilder“ als in der Schweiz – aber es ist auch wichtig, sich an den lokalen Verkehr anzupassen, sonst kann es eben auch gefährlich werden.

Wir würden trotzdem davon abraten, erste Rollerfahr-Erfahrungen im Süden von Bali zu sammeln (so wie ich es 2016 gemacht habe). Abseits der Touristenorte ist der Verkehr viel angenehmer und sicherer.

Nach drei Monaten haben wir gemerkt, wie sehr Lärm, Verkehr und Abgase an uns gezehrt haben – und sind nun froh, in ruhigeren Gegenden unterwegs zu sein. Zusätzlich sind wir natürlich froh darüber, dass alles gut geklappt hat und wir nie einen Unfall hatten oder in eine heikle Situation gekommen sind.

Yayasan Hati Mama

Für alle, die nicht wissen, was das Hati Mama ist, hier eine kurze Erklärung. Alle anderen dürfen diesen Teil gerne überspringen. ☺️

Ich war 2016 bereits für knapp vier Monate auf Bali und habe dort im Waisenhaus Hati Mama freiwillig gearbeitet. Wichtig ist: Es ist kein klassisches Waisenhaus. Ibu Ine, die Mutter des Hauses hat die 13 Kinder adoptiert und grossgezogen – es ist eine grosse Familie, kein Heim. Die Kinder stammen ursprünglich aus sehr armen Verhältnissen oder von sehr jungen Müttern und sind über die Kirche zu Ibu Ine gekommen. Die Altersspanne reicht von sechs Monaten bis 22 Jahren.

Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Ein Teil meines Herzens ist dort geblieben – deshalb haben wir uns auch diesmal wieder für eine längere Zeit auf Bali entschieden. Bereits 2022 waren Philippe und ich gemeinsam dort und haben alle besucht – und bereits dabei überlegt, ob wir nochmal für längere Zeit kommen.

Die Kinder von damals sind heute Teenager oder junge Erwachsene und natürlich nicht mehr so interessiert an uns wie früher. Anfangs haben wir sie kaum gesehen, weil sie mit Schule und Hobbys beschäftigt waren. Das war für mich manchmal nicht ganz einfach, aber ich habe mich darauf eingestellt. Wir waren aber immer wieder zu Besuch bei den Kleinen und der Mutter.

In unserer letzten Woche auf Bali konnten wir dann da Schulferien sind doch noch viel Zeit mit ihnen verbringen – am Strand oder bei uns am Pool – und hatten so einen perfekten Abschluss unserer Bali-Zeit.

Wir haben die letzte Woche richtig ausgekostet, waren nochmal an unseren Lieblingsorten, haben alles gegessen, was wir noch wollten, und die Zeit an unserem Pool genossen.

Wir haben Bali mit einem lachenden, aber auch weinenden Auge verlassen. Die Zeit dort hat uns sehr gutgetan. Wir haben ein zweites Zuhause gefunden und werden es vermissen – doch gleichzeitig freuen wir uns nun wieder auf neue Abenteuer und darauf, dieses faszinierende Land weiter zu erkunden.


Entdecke mehr von swizzontour

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ein Kommentar zu „Zweite Heimat auf Bali

Hinterlasse eine Antwort zu Hans S. Antwort abbrechen