Die Aufmerksamen unter euch fragen sich vielleicht, warum wir jetzt zwischen den Berichten von Bali einen Beitrag aus Lombok dazwischenschieben. Wir haben die letzten zehn Tage auf der Nachbarinsel Lombok verbracht. Das Haus haben wir zwar noch auf Bali und werden dort nochmals eine Woche bis Ende Juni verbringen, aber es hat uns in den Fingern gejuckt, wieder etwas zu unternehmen und mal wieder etwas anderes zu sehen – deshalb haben wir uns in unserer Reisepause für eine kurze Reise entschieden.
In den letzten 1,5 Wochen haben wir einiges auf Lombok erlebt. Ein Erlebnis hat sich aber definitiv einen eigenen Beitrag verdient: der Mount Rinjani.

Der Rinjani ist der zweithöchste Vulkan Indonesiens und sehr gut für eine Besteigung geeignet. Es sind keine speziellen Fähigkeiten wie Klettern nötig – die Wanderung hat es aber trotzdem in sich.
Vorbereitung
Wir haben die Besteigung über eine Agentur gebucht und somit war alles inbegriffen. Es gibt unglaublich viele Anbieter auf Lombok, die grösstenteils das Gleiche anbieten. Wir haben uns bewusst für Green Rinjani entschieden, weil uns ihre Herangehensweise überzeugt hat. Sie versuchen, die gesamte Wanderung nachhaltiger zu gestalten, legen Wert auf Sauberkeit am Zeltplatz, und für jede teilnehmende Person wird entlang der Route ein kleiner Baum gepflanzt. Green Rinjani hat uns schon aufgrund der Bewertungen und Beschreibungen gut gefallen – und auch während der Wanderung wurden wir nicht enttäuscht. Sie haben alles gehalten, was sie versprechen und wir würden sie sofort weiterempfehlen.
Der Rinjani könnte auch nach Registrierung selbstständig bestiegen werden, dann müssen allerdings Zelt und Verpflegung selbst getragen werden. Bei der geführten Tour wird das gesamte Equipment von Portern hochgetragen. Es war teilweise schwer mitanzusehen, wie diese jungen Männer unser gesamtes Gepäck in Flip-Flops hochgetragen haben. Trotzdem ist es in der Region ein angesehener und vergleichsweise gut bezahlter Job, weshalb er sehr beliebt ist.


Ankunft am Fuss des Rinjani
Bei einer geführten Tour ist der Transport auf der Insel sowie die Nacht vor der Wanderung inbegriffen. Wir wurden am Morgen an unserem ersten Stopp auf Lombok abgeholt und mit einem kurzen Zwischenstopp auf einer Aussichtsplattform zur Unterkunft von Green Rinjani gebracht.



Den Tag vor Ort haben wir mehrheitlich im Zimmer verbracht und uns mental auf die bevorstehende Wanderung vorbereitet.
Nach einer kurzen Einführung in den Ablauf und einem Gesundheitscheck (Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung wurden gemessen) sind wir früh ins Bett. Vor Ort lernten wir noch die zwei weiteren Teilnehmer unserer Gruppe kennen – ein junges deutsches Paar. Zu viert, mit einem Guide und vier Portern, machten wir uns auf den Weg zum Gipfel.
Tag 1
Vor Beginn der Wanderung mussten wir uns an einem offiziellen Posten registrieren – dann ging es los. Die Wanderung bis zum Gipfel ist in zwei Tage aufgeteilt. Am ersten Tag gibt es vier festgelegte Pausenplätze, zusätzliche Pausen sind aber natürlich jederzeit möglich.
Ziel war es, knapp 1600 Höhenmeter über rund 11 km bis zum Camp für die Nacht zu erklimmen. Der Weg von Position 0 (Startpunkt) bis Position 2 war angenehm – nicht besonders steil, fast wie eine Aufwärmrunde. Um ca. 10:30 Uhr gab es bei Position 2 das frühe Mittagessen. Dort pflanzten wir auch unseren kleinen Baum. Eigentlich ein Grund, in ein paar Jahren zurückzukommen und zu sehen, ob er überlebt hat.


Mit vollem Magen ging es weiter zu Position 3 – auch noch machbar. Danach wurde es anstrengender: Auf nur wenigen Kilometern mussten über 800 Höhenmeter überwunden werden. Über Stock, Stein und Wurzeln kämpften wir uns mit schwindender Energie hoch bis zum Camp auf 2639 Metern. Oben angekommen, warteten bereits heisser Tee, Snacks und unsere Zelte auf uns.


Trotz kurzem Regenschauer hatten wir eine traumhafte Aussicht. Auch der Gipfel war zu sehen – und wir konnten nur erahnen, wie anstrengend der zweite Tag werden würde.




Nach dem Abendessen ging es früh ins Bett. Warm eingemümmelt im Schlafsack lauschten wir dem lauten Wind – geschlafen haben wir aber beide kaum.
Das Camp
Am Kraterrand des Rinjani werden an mehreren Stellen Camps aufgebaut. Unsere Porter waren schnell und sicherten uns einen guten Platz. Um dorthin zu gelangen, mussten wir drei andere Camps durchqueren. Diese waren voller und leider lag auch viel Müll herum. Unser Camp war etwas abseits, ruhig und sauber.



Für jedes Paar gab es ein Zelt mit Schlafmatte und Schlafsack. Zusätzlich wurde ein Esszelt mit Campingstühlen und -tisch sowie ein Klozelt (mit gegrabenem Loch) mit hochgeschleppt. Die Porter und unser Guide teilten sich ein weiteres Zelt, in dem auch gekocht wurde.
Das Lager war gemütlich und bot einen traumhaften Blick auf Sonnenuntergang und Sternenhimmel.


Tag 2
Nach einer kurzen, unruhigen Nacht klingelte der Wecker um 1:15 Uhr. Nach einem kleinen Frühstück starteten wir den Aufstieg zum Gipfel. Dieser letzte Abschnitt ist der härteste: 1100 Höhenmeter auf nur 3,7 Kilometern. Das ganze fand in der Nacht nur im Licht des Mondes und der kleinen Stirnlampe statt.


Der erste Teil ist steil, der Boden eine Mischung aus Gestein und Sand. Nach der ersten Anstrengung so früh am Morgen kam der einfachste Teil. Einfach ist dafür aber vielleicht nicht ganz die korrekte Bezeichnung. Es ist die längste Strecke, es geht auch stetig hoch aber der Untergrund ist fest. Es fühlte sich aber trotz geringem Anstieg endlos an. Der letzte Teil hat es nochmals in sich: über Geröll und Sand geht es steil nach oben. Wir hatten Glück – durch den leichten Regen am Vorabend war der Sand feucht und weniger rutschig. Trotzdem fühlte es sich an wie zwei Schritte vor, einer zurück. Unsere Wanderstöcke waren dafür Gold wert.

Mit letzter Energie schafften wir es pünktlich zum Sonnenaufgang auf den Gipfel auf 3726 Meter. Die Wanderung in der Dunkelheit war eisig kalt. Oben angekommen, wurden wir von unserem Guide mit warmem Tee empfangen. Wir waren übrigens die einzigen mit Tassen, noch ein Pluspunkt für Green Rinjani.


Bei knapp über 0 Grad schauten wir zu, wie sich die Sonne langsam durch die Wolken kämpfte. Es wurde wärmer, die Sicht besser – auch wenn es leicht diesig blieb. Trotzdem hatten wir einen tollen Blick auf den kleinen Vulkan im See und die gesamte Umgebung.




Der Gipfel war schon recht voll und das, obwohl noch nicht Hochsaison war. Ab Juli sollen bis zu 250 Leute gleichzeitig dort sein. Wie diese alle auf diesem kleinen Gipfel Platz haben sollen, ist uns ein Rätsel.

Es sind aber natürlich auch nicht alle immer gleichzeitig oben. Den ganzen Weg von uns nach unten sind Leute noch hochgelaufen, so verteilt es sich doch relativ gut.
Nach etwa 30 Minuten auf dem Gipfel machten wir uns wieder auf den Weg nach unten. Der Abstieg ging deutlich schneller – die sandigen Stellen konnten wir mehr oder weniger runterrutschen.



Im Camp angekommen gab es ein richtiges Frühstück, dann ging es weiter mit dem Abstieg bis zum Ausgangspunkt. Wir hatten die zweitägige Tour gewählt – also denselben Weg wieder zurück. Es gibt auch längere Touren über mehrere Tage mit Übernachtung am Kratersee und Abstieg auf der anderen Seite. Diese sind aber nochmals herausfordernder.
Wer glaubt, dass der Aufstieg das Anstrengendste war, irrt sich. Der Abstieg war körperlich deutlich fordernder. Vom Gipfel bis ins Tal waren es 2700 Höhenmeter bergab – oft rutschig und technisch anspruchsvoll. Unsere Wanderstöcke haben uns einige Stürze erspart.


Am Ende liefen wir wie Roboter – alles tat weh, unsere Füsse waren vom Sand voll Blasen und die Motivation war am Nullpunkt. Ab Position 2 hätten wir ein Motorradtaxi nehmen können – aber wir wollten es selbst beenden. Gemeinsam mit unserem Guide und den anderen zwei Teilnehmern haben wir das Ziel erreicht und wurden vom Fahrer bereits für die Weiterfahrt erwartet.

Diese Wanderung war für uns beide das Anstrengendste, aber auch eine der schönsten Erfahrungen, die wir je gemacht haben. Körperlich und mental herausfordernd und wir sind unglaublich stolz, dass wir es geschafft haben. Diese Erinnerung kann uns niemand nehmen.
Ob wir bald wieder einen Vulkan besteigen? Wer weiss. Der Muskelkater ist mittlerweile vorbei, und wir blicken mit Stolz und Freude auf diesen besonderen Moment zurück.
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Ach was soll ich sagen, grossartiges Erlebnis und so spannend erzählt 😍 ich freue mich so für euch 😇
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