Sumba ist eine eindrückliche Insel, wird aber noch nicht von allzu vielen Touristen besucht. Die Planung für eine Reise dorthin war aus diesem Grund auch etwas herausfordernder. Die meisten Beiträge, die wir gelesen haben, handelten von geführten Touren. Für das Bereisen auf eigene Faust haben wir sehr wenige Informationen gefunden. Wir haben uns schlussendlich dafür entschieden, einfach nach Sumba zu fliegen und vor Ort zu schauen, was uns erwartet und wie lange wir bleiben wollen. Wir haben den Flug zuerst in den Westen von Sumba nach Tambolaka gewählt, da uns die Flugzeiten von Bali aus besser gepasst haben. Nach Raja Ampat haben wir bewusst wieder Bali als Zwischenstopp gewählt, da die meisten Flüge von dort aus gehen und wir uns dort auskennen, um alles zu erledigen. Auf Bali konnten wir unseren Vorrat an Sonnencreme und Mückenspray aufstocken und für kurze Zeit wieder etwas westliches Essen geniessen, was nach zwei Wochen mit überwiegend demselben Essen eine tolle Abwechslung war.
Für die Reise nach Sumba haben wir gemeinsam einen Rucksack gepackt und mitgenommen, den zweiten haben wir auf Bali zurückgelassen. Zusätzlich bepackt mit unseren neu gekauften Rollerhelmen sind wir dann ins Abenteuer Sumba aufgebrochen.
Bereits auf dem 1,5-stündigen Flug bekamen wir einen leichten Eindruck davon, wie wenige Touristen nach Sumba reisen. Das Flugzeug war sehr klein, überhaupt nicht ausgebucht, und mehr als die Hälfte der Gäste waren Einheimische. Am kleinen Flughafen angekommen, wurden wir von unserem Fahrer abgeholt, den wir über die erste Unterkunft gebucht hatten. Die 1,5-stündige Fahrt in den Süden war wunderschön, führte durch kleine Dörfer und grüne Landschaften. Wir fühlten uns sofort angekommen und freuten uns auf die Tage, die vor uns lagen.


Die gesamte Insel ist noch wenig entwickelt. Englisch sprechen nur wenige Leute, die Strassen sind teilweise in sehr schlechtem Zustand, und die Menschen leben sehr einfach. Westsumba ist bereits etwas fortschrittlicher im Vergleich zu Ostsumba, obwohl uns dies nicht besonders aufgefallen ist. In Westsumba gibt es jedoch bereits ein paar luxuriösere Hotels. Diese investieren auch einen Teil ihres Geldes in die umliegenden Gemeinden. Sie unterstützen die Wasser- und Nahrungsversorgung sowie die allgemeine Bildung, bieten Englischunterricht an, helfen beim Ausbau der Strassen und ermöglichen natürlich auch andere Berufsmöglichkeiten als nur die Landwirtschaft. Wir haben mit verschiedenen Leuten über den Tourismus auf Sumba gesprochen. Bisher sind die Einheimischen sehr interessiert an der Entwicklung und am steigenden Interesse an der Insel; sie haben mehr Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ob diese Entwicklung langfristig auch sinnvoll ist, wird sich zeigen. Dass Sumba an die überlaufene Insel Bali herankommen kann, wird sicherlich noch viele Jahre dauern und hoffentlich auch nie geschehen.
Westsumba
Wir haben für die ersten vier Nächte ein Homestay im Südwesten gebucht und wollten von dort aus die Umgebung erkunden.

Wir hatten grosses Glück mit dem Homestay, das von einer Frau aus Aserbaidschan geführt wurde. Sie war vor über 12 Jahren als Touristin nach Sumba gekommen und hat die Insel seither nicht mehr verlassen. Sie sprach gutes Englisch, was auf Sumba nicht selbstverständlich ist. Durch sie haben wir viele Informationen zur Kultur in Sumba erhalten. Trotz längerer Zeit in Indonesien hat sie gewisse Dinge aus ihrer Heimat beibehalten, wie zum Beispiel das Backen von gutem Brot. In der Schweiz wissen wir dies gar nicht genug zu schätzen, aber Brot, wie wir es kennen, gibt es an vielen Orten der Welt nicht. So war es ein grosses Highlight, beim Frühstück wieder einmal etwas anderes als labbriges Toastbrot zu erhalten.
Für die vier Tage vor Ort konnten wir direkt über das Homestay einen Roller mieten – ein weiterer Pluspunkt für uns. Da wir bereits gelesen hatten, dass es zwar meistens möglich ist, einen Roller zu bekommen, aber häufig keine Helme dabei sind, hatten wir auf Bali unsere eigenen gekauft und waren direkt beim ersten Roller froh darüber. Sie hatte nur zwei kleine Kinderhelme im Angebot, da der einzige Helm für Erwachsene bereits vergeben war.


Wir haben zwei Tage lang mit dem Roller die Gegend erkundet. Wir sind zu einem Wasserfall umgeben von Reisfeldern gefahren, haben verschiedene Strände besucht und den Nachmittag in einem Restaurant am Strand verbracht.







Ein Wasserfall war leider wegen zu viel Wasser durch den Regen gesperrt.
Auf Sumba trifft der Spruch: „der Weg ist das Ziel“ zu 100% zu. Die Fahrten waren wunderschön durch saftige Reisfelder oder den Dschungel und wir konnten das Herumdüsen auf den verlassenen Strassen in vollen Zügen auskosten.





Für einen Tag haben wir einen Fahrer engagiert, der mit uns an die Westküste gefahren ist. Die Distanzen auf Sumba können sehr weit sein und wir wollten nicht unbedingt 2–3 Stunden pro Weg auf dem Roller sitzen. Zusätzlich war es für den Besuch im traditionellen Dorf angenehm, einen Einheimischen dabei zu haben, da die Einwohner teilweise sehr aufdringlich werden können. Gemeinsam mit ihm haben wir das Dorf mit den höchsten Dächern besucht und uns in einer wunderschönen Lagune bei einem Schwumm abgekühlt.




Ostsumba
Für die etwa vierstündige Fahrt in den Osten haben wir wieder einen Fahrer genommen. Auf dem Weg konnten wir nochmals ein traditionelles Dorf besuchen und machten einen Stopp bei einem Aussichtspunkt, sodass wir auch an diesem Tag noch zwei Punkte auf unserer Sumba-Liste abhaken konnten.


In Ostsumba haben wir uns für eine Unterkunft etwas ausserhalb der Hauptstadt Waingapu entschieden. Das Hotel war wunderschön in die hügelige Landschaft eingebettet.




Auch diese Unterkunft konnte uns helfen, für einen Tag einen Roller zu organisieren, mit dem wir dann die Umgebung erkundet haben. Der Osten von Sumba unterscheidet sich landschaftlich stark von Westsumba. Im Westen haben wir viele Reisterrassen und Dschungel gesehen, im Osten gibt es viel mehr Hügel und steppenartige Landschaften. Die traditionellen Dörfer sind ebenfalls hauptsächlich in Westsumba anzutreffen. Wir sind mit dem Roller über unzählige Hügel gefahren und haben die Aussicht genossen.




Einen kurzen Zwischenstopp haben wir an einem Strand gemacht; leider war das Wetter nicht optimal, weshalb wir dort in unseren Regenponchos nicht allzu viel Zeit verbracht haben.


Wir haben nach vier Nächten im Osten einen Flug zurück nach Bali gebucht, da wir unserer Meinung nach alles gesehen hatten, was wir wollten. Einen Tag haben wir noch das Pasola-Festival besucht, von dem wir bereits berichtet haben. Für die letzte Nacht haben wir die Unterkunft gewechselt und wollten den letzten Nachmittag noch am Pool verbringen. Leider war dieser ausser Betrieb, und es hat ohnehin den ganzen Nachmittag geregnet- wir hätten uns den Umzug also sparen können. Wir haben den Nachmittag somit grösstenteils in unserem Hotelzimmer verbracht und die nächsten fünf Tage auf Bali geplant.
Essen in Sumba
Von unserer Recherche wussten wir bereits, dass es auf Sumba nicht viele Restaurants oder lokale Warungs gibt. Deshalb haben wir an beiden Orten Unterkünfte mit einem kleinen Restaurant gebucht.


Wir sind beide sehr einfach, wenn es ums Essen geht. Wenn uns etwas schmeckt, nehmen wir meistens immer das Gleiche – so auch hier auf Sumba. An beiden Orten gab es überwiegend indonesische Gerichte, aber es war für uns kein Problem, uns fast die ganze Zeit von Mie Goreng (gebratenen Nudeln) zu ernähren. Obwohl es immer dasselbe Gericht war, wurde es überall ein wenig anders zubereitet und hat jedes Mal super geschmeckt. Unterwegs haben wir uns hauptsächlich von kleinen Snacks ernährt.
Rollerfahren
Das Herumfahren mit dem Roller hat uns sehr viel Spass gemacht. Das Wetter hat trotz Regenzeit grösstenteils mitgespielt und die Aussichten waren wunderschön. Sumba wird generell von wenigen Touristen bereist, und die meisten davon sind mit einem Auto und Fahrer unterwegs. Zwei Bule – wie Touristen in Indonesien genannt werden – auf einem Roller sind ein eher seltenes Bild.

Wir wurden von allen Leuten auf den Strassen begrüsst, uns wurde zugewunken, und Kinder sind freudig aufgesprungen. Es gab jedoch auch einige wenige Situationen, in denen die Leute nach Geld gefragt haben. Dennoch haben wir uns jederzeit sehr sicher gefühlt, auch wenn die viele Aufmerksamkeit mit der Zeit etwas unangenehm wurde.
Rückblickend können wir das Erkunden auf eigene Faust definitiv empfehlen. Die Navigation mit Google Maps hat für uns gut funktioniert, Tankstellen gibt es zwar nur in den grossen Ortschaften, unterwegs lassen sich aber überall kleine „Tankstellen“ mit Petflaschen finden.

Die Hauptstrassen waren mehrheitlich in gutem Zustand, nur die kleinen Nebenstrassen hatten viele Schlaglöcher oder bestanden aus Schotter. Bei Regen können diese Strassen dann schnell zu einer Herausforderung werden. Es hatte bei uns ausser ein paar tierische Bekanntschaften kaum Verkehr auf den Strassen.




Allerdings dürfen die Distanzen nicht unterschätzt werden – oft haben wir über eine Stunde gebraucht, um eine Sehenswürdigkeit zu erreichen. Über den ganzen Tag verteilt summiert sich die Zeit auf dem Roller und eine Fahrt im klimatisierten Auto wäre sicherlich bequemer, aber auch langweiliger gewesen.
Malaria
Sumba gehört zusammen mit Papua zu den Inseln mit dem höchsten Malaria-Risiko in Indonesien. Während unseres Aufenthalts haben wir eine Malaria-Prophylaxe eingenommen. Vor Ort haben wir jedoch nur sehr wenige Mücken gesehen und dank des lokalen Mückensprays kaum Stiche bekommen.
Für die Einheimischen ist Malaria leider ein viel grösseres Problem, da es an der notwendigen medizinischen Versorgung fehlt. Zwar sind einige Luxushotels in diesem Bereich engagiert und haben Malariastationen eingerichtet, die Behandlungen anbieten, doch dies betrifft nur einen begrenzten Teil der Insel. In den restlichen Gebieten bleibt der Zugang zu medizinischer Hilfe weiterhin sehr schwierig.
Fazit
Sumba hat uns beiden unglaublich gut gefallen. Die Insel ist wunderschön, die Menschen sind interessiert und herzlich, und es gibt eine eindrucksvolle Kultur zu entdecken. Es war toll, eine Insel zu bereisen, die noch nicht von vielen Touristen besucht wurde. Wir bekamen einen spannenden Einblick in das wirkliche Leben in Indonesien und wurden gefeiert wie Ausserirdische.
Das Angebot an Unterkünften und Restaurants ist zwar noch begrenzt, wächst aber stetig. Der Unterschied zwischen den Unterkünften ist jedoch enorm – es gibt entweder sehr luxuriöse Resorts oder sehr einfache Homestays, etwas dazwischen ist derzeit noch schwer zu finden.
Da es noch Regenzeit war, waren die Strassenbedingungen teilweise schwierig, und wir konnten nicht alles sehen, was wir uns vorgenommen hatten. Bei gutem Wetter wäre es sicherlich sinnvoll, die Unterkunft drei- bis viermal zu wechseln, um mehr von der Insel zu entdecken. Für uns waren die acht Tage vor Ort aber vollkommen ausreichend.
Durch den Regen waren die Landschaften saftig grün, und die Reisfelder standen noch in voller Pracht – ein wunderschöner Anblick.




Leider waren die Wasserfälle jedoch eher braun und wenig einladend zum Baden. Jede Reisezeit hat also ihre Vor- und Nachteile, und jeder muss für sich selbst entscheiden, was ihm wichtig ist.
Für uns war es eine tolle Erfahrung, so unvorbereitet auf eine Insel zu fliegen und vor Ort mit den Menschen zu besprechen, wie wir herumreisen und was wir uns anschauen sollten. Wir hätten durchaus noch länger bleiben können, aber nach vier Wochen fast ausschliesslich indonesischem Essen – also täglich Reis oder gebratene Nudeln – haben wir uns auch darauf gefreut, wieder etwas Abwechslung zu haben.
Jetzt freuen wir uns auf das riesige Essensangebot auf Bali, wo wir die nächsten drei Monate verbringen werden. Während dieser Zeit haben wir beide unsere eigenen Aufgaben, aber wir werden trotzdem versuchen, so viel wie möglich die Zeit am Strand, in unserem kleinen Haus am Pool oder unterwegs auf Bali zu geniessen.
Wie viel wir davon hier auf dem Blog berichten werden, wissen wir noch nicht – ziemlich sicher wird es aber in nächster Zeit etwas ruhiger.
Geniesst den Start in den Frühling! Und wer mehr Sonne tanken möchte, ist jederzeit herzlich bei uns auf Bali willkommen 😉.
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Bereichernd und spannend👍
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