Spiritualität und Pasola- Festival

Sumba ist eine Insel im östlichen Indonesien. Sie gilt als Geheimtipp und ist noch nicht so stark bereist wie einige andere Inseln in Indonesien. Sumba verbindet eine einzigartige Kultur und Traditionen mit üppigen grünen Landschaften, Wasserfällen, Stränden und endlosen Savannen. Die Spiritualität ist tief in den Traditionen und dem täglichen Leben der Menschen in Sumba verwurzelt.

Eine immer noch verbreitete Tradition in Sumba ist die Marapu-Religion. In dieser Religion steht der Glaube an die Anbetung der Vorfahren im Vordergrund. In den traditionellen Dörfern wird immer noch an diesem Glauben festgehalten. Ein zentrales Element in dieser Tradition ist das Begräbnis einer verstorbenen Person. Die Person wird in der Position eines Fötus ins das steinerne Grab gelegt.

Der Bau des Grabes und die Durchführung der Bestattungszeremonien sind entscheidend für das Wohl des Verstorbenen und den Fortbestand des familiären Ansehens. Gräber werden direkt im Dorf selbst gebaut. In den Dörfern gibt es aber nicht nur Gräber von Menschen – es kann auch vorkommen, dass ein Krokodil ein traditionelles Begräbnis erhält.

Krokodile sind in der sumbanesischen Kultur heilig. Die Menschen glauben, dass diese Tiere mit ihren Ahnen in Verbindung stehen, und sie werden als Symbol für Stärke und Schutz angesehen. Ein Krokodil darf nicht verletzt oder gar getötet werden. Ist das Töten eines Krokodils aus Schutz dennoch notwendig, so findet für das Krokodil ein Begräbnis auf die gleiche Art und Weise statt wie für einen Familienangehörigen. Wir haben verschiedene Gräber in den Dörfern gesehen, können aber leider nicht sagen, ob diese nur für Menschen waren oder ob tatsächlich eines für ein Krokodil dabei war.

Die traditionelle Spiritualität in Sumba ist stark mit der Natur verbunden. Die Natur hat eine zentrale Bedeutung in den Ritualen und Festen der Kultur. Rituale, die in der Natur durchgeführt werden, sind Teil des religiösen Lebens. Die Natur wird nicht nur als physische Umgebung wahrgenommen, sondern auch als eine Quelle spiritueller und kultureller Bedeutung.

Traditionelles Haus

Ein sumbanesisches Haus zeichnet sich durch einen hohen, zentralen Gipfel auf dem Dach aus, welcher die Verbindung zwischen der realen und der spirituellen Welt darstellt.

Das Haus ist in drei Teile aufgeteilt. Im untersten Bereich, unterhalb des Hauses, wird das Vieh gehalten. Der mittlere Teil ist der bewohnte Bereich, in dem alltägliche Aktivitäten stattfinden. Es kann vorkommen, dass dieser Bereich in zwei Teile aufgeteilt wird: einer für die Männer (rechts) und einer für die Frauen (links). Im rechten Teil werden weitgehend öffentliche Angelegenheiten durchgeführt, im linken finden häusliche Aktivitäten wie das Kochen statt.

Im oberen Bereich, dem Dach, werden heilige Erbstücke aufbewahrt. Wenn jemand stirbt, wandert die Seele der verstorbenen Person ins Dach des Hauses. Beim Begräbnis werden Geschenke und Opfergaben dargebracht. Es heisst, je mehr Geschenke, desto angenehmer ist die Seele im Dach. Das Dach spiegelt somit die starke Verbindung zu den Geistern wider. In vielen Fällen symbolisiert die Höhe des Daches auch den sozialen Status einer Familie. Ein höheres Dach zeigt an, dass die Familie wohlhabend und einflussreich ist.

Pasola- Festival: Hintergrund

Das Pasola Festival findet einmal jährlich ausschliesslich auf Sumba statt und ist das grösste Ritual der Insel. Es beinhaltet eine Schlacht zwischen zwei Gruppen von Reitern, die sich Holzspeere zuwerfen, während sie in voller Geschwindigkeit reiten. Die Speere sind mittlerweile stumpf, können aber trotzdem noch zu Verletzungen führen. Es wird davor gewarnt, dass es auch Tote bei diesem Festival geben kann, was heutzutage aber immer seltener vorkommt, Krankenwagen stehen trotzdem bereit.

Das Wort Pasola bedeutet im lokalen Dialekt so viel wie Speer. Reiter und Pferde sind festlich in traditionellen Kostümen und Kopfbedeckungen geschmückt. Ursprünglich hatte das Festival eine kriegerische Tradition. Das Kampfritual wurde genutzt, um Rivalitäten zwischen benachbarten Dörfern zu klären und die Stärke der Krieger zu testen. Im heutigen Kontext hat das Pasola vor allem eine religiöse Bedeutung.

In Sumba ist die Landwirtschaft eng mit traditionellen rituellen Praktiken verbunden. Landwirtschaftliche Aktivitäten werden mit Zeremonien begleitet, unter anderem beim Pasola. Das Festival findet auf offenen Feldern statt, die ein Symbol für das Leben und den Kreislauf der Natur sind. Die Pferde werden als Vermittler zwischen den Menschen und den Geistern betrachtet, und das Festival selbst hat sowohl eine religiöse als auch eine landwirtschaftliche Bedeutung. Die Speerwürfe und der Wettkampf zwischen den Reitern stehen für den Kampf zwischen guten und bösen Geistern. Das Festival soll die Götter und Ahnen um eine gute Ernte und den Wohlstand der Gemeinschaft bitten. Es kündigt die Trockenzeit an und damit auch die Reisernte. Nach der lokalen Tradition dient das Blut, das durch Verletzungen mit dem Speer vergossen wird, dazu, das Land fruchtbarer zu machen und eine reiche Ernte zu garantieren. Heute wird zwar kein Blut mehr vergossen, die Tradition wird aber weiterhin praktiziert.

Das Pasola soll die Ankunft der Nyale-Würmer einläuten, welche in einer Zeremonie am Strand integriert werden. Die Würmer werden als eine Art göttliches Zeichen gedeutet. Ihre Präsenz gilt als gutes Omen für die Ernte und bildet den spirituellen Rahmen für das Pasola.

Das Festival findet normalerweise im Februar oder März statt – während der Regenzeit, wenn die Felder für die bevorstehende Ernte vorbereitet werden. Das genaue Datum wird erst ein bis zwei Wochen vorher bekannt gegeben. Menschen aus ganz Sumba kommen zusammen und feiern die Erntezeit.

Pasola- Festival: Unsere Erfahrung

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Wir sind mit einem Fahrer zum Pasola gefahren. Vor Ort wusste keiner so genau, wann die Kämpfe (heutzutage eigentlich nur noch Spiele – wir nennen sie aber trotzdem Kämpfe, da dies ja der Ursprung ist) beginnen und wo genau sie am Strand stattfinden.

Anfangs waren wir etwas überfordert mit der Situation. Wir waren weit und breit die einzigen Touristen, alle starrten uns an, und wir wussten nicht so recht, wo wir hingehen sollten. Dies legte sich jedoch schnell, als die Kämpfe losgingen. Wie es startete, wissen wir auch nicht genau – aber plötzlich wurde es wilder, und Speere flogen durch die Luft.

Wir mussten aufpassen, nicht von Pferden überrannt zu werden. Es war ein grosses Durcheinander, und wir brauchten etwas Zeit, um es zu verstehen. Es gibt zwei Teams aus zwei Dörfern, die gegeneinander antreten. Das Ziel ist es, einen gegnerischen Reiter mit dem Holzstab zu treffen. Es gibt bei diesen Kämpfen keine Sieger, daher fällt ein Reiter nicht aus, wenn er getroffen wird, sondern reitet zurück und startet erneut einen Angriff. Das Ganze dauerte vielleicht eine Stunde, bevor es weiter zum Hauptschauplatz ging.

Obwohl es durchgehend geregnet hatte, war am Hauptort des Pasolas deutlich mehr los, und die Stimmung war gut.

Es gab zu Beginn ein Ritual, in dem die Reiter erneut gesegnet wurden – danach ging es los. Die Zuschauer riefen immer wieder hinein, fieberten mit den Reitern mit und zuckten zusammen, wenn jemand vom Pferd fiel. Auch die Reiter zeigten hier mehr Freude als am Strand – sie jubelten und riefen laut aus, wenn sie getroffen wurden. Die ganze Situation war ein Spektakel, das wir mit nichts vergleichen können, was wir bisher gesehen haben.

Obwohl es heute ausschliesslich um den Spass geht und nicht mehr um Rivalitäten, artet es am Schluss immer aus und wird dadurch beendet- so auch dieses Jahr. Leute begannen Steine zu werfen und die Polizei musste mit dem Wasserwerfer einschreiten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits etwas abseits des Geschehens und zum Glück nicht mitten drin.

Es war teilweise schwierig zuzusehen, wie die Pferde von den Reitern behandelt wurden. Hier wird einem wieder einmal bewusst, wie unterschiedlich Kulturen und Länder mit solchen Dingen umgehen. Die Tiere wurden mit den Speeren geschlagen und angetrieben, um schneller zu laufen. Im Sand knickten sie immer wieder ein oder wurden von Speeren im Gesicht und am restlichen Körper getroffen. Die Pferde mussten Höchstleistungen erbringen und hatten nur sehr kurze Pausen. Uns war jedoch bewusst, dass wir uns auf einem Festival befanden, in dem Pferde eine zentrale Rolle spielen. Wir wussten, dass wir unsere Meinung zurückhalten mussten, um uns voll und ganz auf das Erlebnis einzulassen. Es ist ihre Kultur, und wir müssen das akzeptieren oder es nicht besuchen.

Auch mussten wir teilweise mitfiebern, da immer wieder Reiter von den Pferden stürzten. Doch alle standen sofort wieder auf, blieben unverletzt und kämpften weiter.

Das Pasola Festival war für uns eine unglaubliche Erfahrung. Die Möglichkeit, an solch einem Fest teilnehmen zu können, hat nicht jeder. Wir waren zufällig zur richtigen Zeit auf Sumba und gehörten zu den wenigen Touristen, die das Spektakel miterleben durften.

Sumbanesen

Auch den Sumbanesen (oder Sumbanern, Sumbaern…?) konnten wir gewisse Traditionen ansehen. Bereits in Raja Ampat sind uns Einheimische aufgefallen, die rote Zähne hatten. Dies kommt von der Betelnuss, die mit Blättern und Kalk gemischt und gekaut wird. Dadurch färbt sich der gesamte Mund rot. Die Betelnuss kann psychoaktive Effekte haben und wird deshalb in vielen asiatischen Regionen konsumiert.

Auch in den Traditionen auf Sumba spielt die Betelnuss eine wichtige Rolle. Ursprünglich wurde sie in religiösen Zeremonien verwendet, da man glaubte, sie habe eine spirituell reinigende Wirkung. Früher wurde bei landwirtschaftlichen Zeremonien das Blut von Opfertieren vergossen, um eine reiche Ernte zu erhalten. Heute wird in manchen Zeremonien stattdessen die Betelnuss verwendet – ihre rote Farbe soll das Blut symbolisieren.

Ein weiteres auffälliges Merkmal tragen nur die Männer: eine Parang, die sie in einem Tuch um die Hüften gewickelt mit sich führen. Bereits in jungen Jahren erhalten Jungen ihre eigene Machete, sobald sie beginnen, auf den Feldern zu arbeiten. Diese Tradition stammt aus Westsumba und wird dort weiterhin gepflegt. Auch im Alltag tragen die Männer ihre Machete mit Stolz sichtbar bei sich.

Wir haben die Menschen auf Sumba als sehr herzlich, freundlich und interessiert wahrgenommen. Leider war die Kommunikation mit den meisten Einheimischen schwierig und fand grösstenteils mithilfe von Google Translator statt. Kinder lernen mittlerweile Englisch in der Schule. Allerdings gibt es noch immer viele Familien, die ihre Kinder für die Feldarbeit einsetzen und nicht in die Schule schicken wollen oder können. Schulen sind teilweise sehr weit entfernt, sodass der Schulweg gut eine Stunde Fussmarsch beinhaltet und mit grossem Aufwand verbunden ist.

Wir haben alle Informationen in diesem Bericht selbst aus dem Internet zusammengetragen oder von Einheimischen erhalten. Wir hatten das grosse Glück, dass die Besitzerin unseres ersten Homestays sehr gut Englisch sprach und uns viele unserer Fragen beantworten konnte. Auch unser Fahrer für das Pasola Festival konnte erstaunlich gut Englisch und gab uns weitere Informationen zu den Geschehnissen. Wir übernehmen jedoch keine Verantwortung dafür, ob alle Informationen im Detail zu 100 % korrekt sind.


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2 Kommentare zu „Spiritualität und Pasola- Festival

  1. was für eine spannende, neue Erfahrung! Schon auf den Bilder sieht es gefährlich und chaotisch aus, wie das wohl erst in echt war? Sehr exotisch, danke für den spannenden Beitrag 👍

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    1. es isch definitiv sehr chaotisch gsi. mir sind bitz im Hintergrund gstande, so dass me nit ständig de Speer oder Pferd uswiche mues aber trotzdem e gueti Sicht kha hän 🙂

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