Roadtrip in WA

Fünf Wochen waren wir insgesamt mit unserem Hi-Top-Büsli Tay Tay in Westaustralien unterwegs. Obwohl wir in dieser Zeit satte 5756 Kilometer gefahren sind, konnten wir nur einen kleinen Bruchteil dieses riesigen Staates sehen.

Wir haben uns mehrheitlich an der Küste herumgetrieben. Im Landesinneren gibt es ausser ein paar Büschen sowie viel Sand und Dreck nicht mehr viel zu entdecken.

In diesem Artikel erzählen wir euch mehr über unseren Roadtrip und unsere Erfahrungen in Westaustralien generell. Es gäbe noch vieles mehr zu berichten, aber wir haben versucht, die für uns wichtigsten Punkte hier zusammenzufassen. Wer mehr über die einzelnen Orte erfahren möchte, findet dies in den weiteren Artikeln zu Australien.

Camping

Australien ist wie gemacht fürs Campen, und unserem Eindruck nach lieben es die Australier auch. Wir waren genau während der Sommerferien unterwegs – gemeinsam mit vielen Einheimischen. Die Westküste ist bei den Australiern ein beliebtes Urlaubsziel, was wir schnell bemerkt haben. Campingplätze an den schönsten Orten waren schon Wochen vorher ausgebucht. Unser Plan war es jedoch, die meisten Nächte freistehen zu können – und das ist uns auch gelungen.

Wie genau die Regelungen für freies Campen sind, konnten wir nicht vollständig klären. Ausserhalb von Ortschaften sind die Behörden ziemlich kulant, innerhalb wird es jedoch schwierig – das mussten wir selbst feststellen. Als wir für die Orca-Expedition nach Bremer Bay gefahren sind, konnten wir auf der Strecke in der Nähe des Ortes keinen geeigneten Schlafplatz finden. Wir wollten aber nicht zu weit weg sein, da wir am Morgen früh für die Tour bereit sein mussten. Also haben wir uns – im Wissen, dass es nicht erlaubt ist – für die Nacht an den Strassenrand gestellt. Natürlich wurden wir in aller Frühe aus dem Bett gepfiffen und mussten eine Strafe zahlen. Der Ranger war jedoch sehr freundlich, klärte uns genauer darüber auf, wo wir schlafen dürfen, und meinte zum Abschied noch, dass der Campingplatz in Bremer Bay uns mehr gekostet hätte als die Strafe von 100 australischen Dollar. Eigentlich haben wir also alles richtig gemacht.

Mit dem neuen Wissen, dass alle markierten Rastplätze ausserhalb von Ortschaften zum Übernachten erlaubt sind, hatten wir danach keine Schwierigkeiten mehr, etwas zu finden. Diese Rastplätze bestehen meistens nur aus einer freien Fläche zum Parken am Strassenrand, teilweise durch Büsche von der Strasse abgeschirmt. Gute Plätze hatten sogar noch einen Abfalleimer – das war aber auch schon das Einzige.

In dieser Zeit hier wurde ich gezwungenermassen zum Profi im Freipinkeln. Leider zeigt sich auch hier wieder, wie wenig Sorgfalt manche Menschen der Natur entgegenbringen. Auf fast allen Plätzen fanden wir Abfall und vor allem viel Toilettenpapier im Gebüsch.

Da unsere Tay Tay nur mit einer Küche, aber ohne Badezimmer ausgestattet war, mussten wir immer wieder eine Lösung dafür finden. Zum Glück gibt es entlang der Küste viele wirklich gute öffentliche Toiletten. Oftmals sind es zwar Plumpsklos, aber sie sind mit einer richtigen WC-Brille und einem Haufen Stroh ausgestattet, das anstelle von Wasser hineingeworfen wird. Dadurch bleiben diese Öko-WCs komplett geruchsfrei und waren für uns eine super Lösung.

Duschen war teilweise eine grössere Herausforderung. Wir hatten zwar eine Outdoor-Dusche mit Vorhang und Wassersack, aber irgendwie funktionierte das für uns nicht richtig. Der Sack hatte ein kleines Loch und lief während der Fahrt im Büsli langsam aus, und zum Aufhängen zum Duschen war er auch nicht ideal. Wir haben es einmal ausprobiert und fühlten uns danach fast schmutziger als vorher – also ließen wir es in Zukunft sein.

In grösseren Orten konnten wir meistens an den Stränden duschen. Teilweise gab es sogar Duschkabinen, ansonsten mussten die einfachen Strandduschen zum Abspritzen reichen. Es gab allerdings auch mal einige Tage, an denen wir darauf verzichten mussten. Falls es doch zu lange wurde, buchten wir einfach einen Campingplatz, um uns wieder zivilisationstauglich zu machen. Da wir aber ohnehin viel alleine unterwegs waren und wenig Kontakt zu anderen Menschen hatten, kam das nur selten vor.

Insgesamt verbrachten wir während unserer Rundreise zehn Nächte auf Campingplätzen – die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Einer war wie ein kleines Dorf mit Laden und Restaurant, die Leute hatten ihren gesamten Haushalt dabei und blieben wahrscheinlich für längere Zeit dort. Ein anderer war ein Öko-Campingplatz mitten im Wald, bei dem das Duschwasser auf drei Minuten pro Duschgang begrenzt war. Die letzten drei waren eine Mischung aus beidem.

Wetter

Für unsere Zeit in Australien hatten wir uns auf hohe Temperaturen und viel Sonnenschein eingestellt. Doch im Süden von Perth wurden wir von den vergleichsweise kühleren Temperaturen überrascht. Es war meist „nur“ um die 25 Grad warm und es wehte immer ein leichter, kühler Wind.

Je weiter wir nach Norden fuhren, desto stärker merkten wir den Temperaturanstieg von Kilometer zu Kilometer. Spätestens in unserem nördlichsten Aufenthaltsort waren wir dann endgültig im australischen Hochsommer angekommen. Die Temperaturen stiegen deutlich über 40 Grad und kühlten selbst nachts nicht unter 30 Grad ab. Die Hitze war für uns unerträglich und wurde von einem heissen Wind begleitet. Eine solche Art von Hitze, vor allem im Landesinneren, hatten wir beide noch nie erlebt. Wenn ihr euren heissen Ofen öffnet und euch die heisse Luft ins Gesicht weht, dann wisst ihr, wie sich der Sommer in Westaustralien anfühlt.

Die Nächte in unserem Büsli, das sich nicht abkühlen konnte, waren praktisch schlaflos. Unser Wasser zum Abwaschen sowie unser Trinkwasser waren brütend heiss, und unser Kühlschrank kam mit dem Kühlen nicht mehr hinterher, weshalb wir nach dem heissesten Tag einige frische Produkte wegwerfen mussten.

Tiere

Wenn man an Australien denkt, kommen einem sicher auch einige typische Tiere in den Sinn. Einige davon sind super süss, andere super gefährlich. In unseren fünf Wochen haben wir die eine oder andere Begegnung mit den Bewohnern dieses Landes gemacht.

Kängurus gibt es hier in an jeder Ecke. Oft sahen wir sie beim Fahren in der Ferne herumhüpfen, teilweise auch direkt am Strassenrand oder in Parks. Koalas, wie wir bereits in einem anderen Artikel erwähnt haben, sind in Westaustralien nicht heimisch – wir haben sie nur einmal in einem Nationalpark gesehen. Emus gibt es jedoch reichlich, Orcas konnten wir auf einer geführten Tour beobachten und Delfine tummeln sich oft in Strandnähe.

Mit giftigen oder gefährlichen Tieren hatten wir nur wenige Begegnungen. In einer öffentlichen Toilette versteckte sich hinter dem Klo eine Schwarze Witwe (eine giftige Spinne), deren rote Flecken in Kreuzform deutlich zu erkennen waren. Auf Rottnest Island schlängelte sich eine kleine Schlange direkt vor unser Fahrrad – was für eine, wissen wir aber nicht.

Mit der Hitze kamen auch die Fliegen – definitiv die unangenehmsten Tiere. Vor allem im Norden wimmelt es von riesigen Schwärmen. Auf Distanz ist das ja noch okay, aber die Fliegen hier lieben scheinbar Menschen und versuchen, in jede mögliche Öffnung zu kriechen. Zum Glück hatten wir uns vor der Reise nördlich von Perth mit Fliegennetzen für unsere Köpfe ausgestattet und waren sehr dankbar dafür.

Roadtrains

Einige von euch wissen vielleicht, was mit Roadtrains gemeint ist. Für die anderen erklären wir es kurz:

Australien kann durch seine unterschiedlichen Klimazonen so ziemlich alles selbst anbauen. Die landwirtschaftlichen Produkte werden größtenteils mit diesen Roadtrains – riesigen Lastwagen – durchs Land transportiert. Stellt euch einen normalen Lastwagen vor und hängt einfach noch zwei weitere hinten dran.

An unserem ersten Abend in Perth konnte Philippe alle seine Fragen zu diesem Thema klären. Der Mann meiner ehemaligen Arbeitskollegin ist nämlich Roadtrain-Fahrer und eine Woche am Stück unterwegs. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h legt er über 1.000 Kilometer pro Tag zurück. Sein Roadtrain kann bis zu 122 Tonnen schwer und 42 Meter lang sein. Laut Internet gibt es auf manchen Strecken sogar noch grössere.

Wenn so ein Fahrzeug an einem vorbeifährt, spürt man das definitiv. Auch das Überholen muss gut überlegt sein, da diese Roadtrains extrem schnell unterwegs sind. Mit ihrem Gewicht können sie kaum auf etwas Rücksicht nehmen – für fast nichts wird gebremst. Wenn also ein Roadtrain im Rückspiegel auftaucht, sollte man sich gut überlegen, ob man schneller fährt oder lieber Platz macht, um nicht platt gemacht zu werden.

Bushfire

Ein weiterer Punkt, über den immer wieder aus Australien berichtet wird, sind die Buschbrände im Sommer. Wir hatten Glück und haben nur einmal aus der Ferne ein Feuer gesehen, das sich aber nicht schnell ausgebreitet hat und uns somit bei der Weiterfahrt keine Schwierigkeiten bereitet hat.

Wir hatten eine Warn-App heruntergeladen, die in extremen Situationen, wie zum Beispiel bei Buschbränden, eine Warnung herausgibt und Hinweise dazu liefert, welches Verhalten in dieser Situation sinnvoll ist. Wir waren also bestens vorbereitet und immer auf dem neuesten Stand. Die App gab ständig Informationen zu aktuellen Feuern in Westaustralien, aber wir waren glücklicherweise nie direkt betroffen. Während der Fahrt konnten wir jedoch immer wieder abgebrannte Stellen sehen und manchmal auch noch Rauch riechen.

Auf jeder Strasse gibt es ständig Hinweisschilder, die anzeigen, wie gross die aktuelle Brandgefahr ist. Während unserer Zeit war sie immer auf „hoch“, was die zweittiefste Stufe ist.

Fahren, fahren, fahren

Bei einem Roadtrip gehört das Fahren natürlich dazu – aber das Fahren in Australien, vor allem in Westaustralien, ist noch einmal etwas ganz anderes.

In unserem ersten Beitrag haben wir bereits erwähnt, wie riesig dieser Staat ist und wie wenig er besiedelt ist. Im Süden haben wir das schon bemerkt , die Abstände zwischen den Orten wurden immer grösser und die Strecken immer länger. Die Überfahrt von Esperance zurück nach Perth war dann unser erster Vorgeschmack darauf, wie weit die Distanzen wirklich sind. Nördlich von Perth wurde uns das dann richtig bewusst. Wir fuhren stundenlang auf einer geraden Strasse. Alle paar hundert Kilometer gab es ein Roadhouse mit einem kleinen Laden oder Restaurant und einer Tankstelle. Danach ging es wieder weiter – durchs absolute Nichts.

Oftmals haben wir über lange Zeit hinweg keinen weiteren Verkehr gesehen und schon wenige Kilometer nach Verlassen einer Ortschaft den Handyempfang verloren.

Entlang der Strassen sind immer wieder Schilder aufgestellt, welche von verschiedensten Tieren auf der Strasse warnen.

Leider liegen auch immer wieder genau diese Tiere tot am Strassenrand, wir hatten zum Glück nie eine Begegnung mit einem Tier auf einer Schnellstrasse.

Irgendwie machte das Fahren so auch Spass– es war eine ganz neue Erfahrung für uns. Aber es war auf Dauer auch anstrengend und wir waren langsam müde vom vielen Fahren. Zum Glück konnten wir uns die Zeit mit spannenden Podcasts, Harry Potter als Hörbuch oder einer gemeinsamen Karaoke-Session gut vertreiben.

Den Alltag während dem Roadtrip hat uns scho auch sehr gut gefallen, Mittagessen oder Schlafen wo man möchte, hat schon seinen Reiz.

Vergleich Ostküste und Westaustralien (von Philippe)

Pilippe war bereits vor einigen Jahren ein paar Wochen in einem Camper an der Ostküste von Australien unterwegs.

Das Erste, was ihm sofort aufgefallen ist, ist die Weitläufigkeit Westaustraliens. An der Ostküste ist die Besiedlung deutlich dichter, es gibt mehr Zivilisation, sie ist bekannter und zieht dementsprechend auch viel mehr Touristen an.

An der Ostküste hat Philippe viel mehr Kängurus gesehen und natürlich auch Koalas, die dort heimisch sind. Beide Seiten Australiens bieten tolle Attraktionen und Ausflugsmöglichkeiten. Seiner Meinung nach ist Westaustralien jedoch vielseitiger und die Strände an der Südküste waren für ihn die schönsten.

Das Wetter und die Temperaturen hat er hier ähnlich wahrgenommen wie bei seinem letzten Aufenthalt.

Australien hat für alle Reisefreudigen etwas zu bieten. Wer eher Ruhe und Weite sucht, ist in Westaustralien bestens aufgehoben. Wer hingegen lieber unter Menschen ist und kürzere Distanzen bevorzugt, wird an der Ostküste fündig. Eines ist aber sicher: Die Natur ist in ganz Australien wunderschön und definitiv einen Besuch wert.

Fazit

Westaustralien hat uns unglaublich gut gefallen. Die Landschaft ist wunderschön und extrem vielseitig. Wir durften in kristallklarem Wasser an traumhaften Stränden baden, fühlten uns an manchen Orten wie auf dem Mond oder Mars, hatten einzigartige Begegnungen mit wilden Tieren und haben eine ganz neue Dimension eines Landes kennengelernt.

Einen Roadtrip durch Westaustralien können wir jedem wärmstens empfehlen. Es macht Spass, durch diese beeindruckenden Landschaften zu fahren, es gibt genügend bezahlte oder kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten, und die öffentlichen Toiletten und Duschen sind top. Nächstes Mal würden wir eher die Frühling- oder Herbstmonate bevorzugen, um doch das Land auch etwas aktiver erkunden zu können und trotzdem warmes Wetter zu haben.

Einkaufen ist hier genauso, wie wir es gewohnt sind – sogar Schweizer Gruyère konnten wir finden, es hat uns also an nichts gefehlt. Alkohol gibt es allerdings nur in speziellen „Liquor Stores“ und nicht im normalen Supermarkt. Dafür ist die Auswahl in diesen Läden riesig.

Nach fünf Wochen sind wir jedoch beide der Meinung, dass es für uns an der Zeit ist, wieder etwas anderes zu sehen – und vor allem weniger Zeit im Auto zu verbringen. Australien ist natürlich ein sehr westliches Land und war uns manchmal fast ein wenig zu wenig exotisch. Schon zu Beginn hat es uns an die USA erinnert – die weiten Strecken, die riesigen Einkaufszentren und vor allem die großen Autos: Hier fährt jeder entweder einen Pick-up oder etwas Ähnliches.

Wir sind froh, dass in den letzten drei Monaten alles so reibungslos funktioniert hat, und unglaublich dankbar für all die wunderschönen Orte, die wir besuchen durften.

Mit diesem Beitrag schliessen wir nun das Kapitel Ozeanien und freuen uns riesig auf die nächsten Monate in Asien!


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Ein Kommentar zu „Roadtrip in WA

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