Roadtrip: Perth bis Denham und zurück

Von Perth aus ging es für uns nach dem Süden auch noch etwas in Richtung Norden. Wie weit wir genau fahren wollten, war zu Beginn der Reise noch unklar. Wir wollten uns einfach etwas treiben lassen. Schlussendlich sind wir bis Denham gefahren. Exmouth stand für uns auch noch im Raum. Es ist jedoch ein gutes Stück noch weiter nördlich und ist bekannt für das Ningaloo-Riff. Wir haben uns aber dagegen entschieden, da es doch zeitlich etwas knapp geworden wäre und die Strecke von Denham aus nochmals gute 1000 Kilometer mehr hin und zurück ist. Da zwischen Denham und Exmouth nicht wirklich viel ist, wäre es ohne schöne Spots einfach reine Fahrzeit durchs Nichts gewesen. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir uns dagegen entschieden haben. Ein Zyklon war auf dem Weg nach Australien und sollte genau etwa dann auf Exmouth treffen, wo wir da sein wollten. Das Ningaloo-Riff wäre somit für uns sowieso nicht zugänglich gewesen, und auf die Erfahrung, einen Zyklon in unserem kleinen Büsli aussitzen zu müssen, konnten wir auch gut verzichten.

Yanchep- Nationalpark

Unsere Reise startete im Yanchep-Nationalpark, welcher sich nur wenig ausserhalb von Perth befindet. Wir haben diesen Park aus genau einem Grund besucht – Koalas. In diesem Park können freilebende, angesiedelte Koalas gesichtet werden, was aber gar nicht so einfach ist. Mit gutem Auge und viel Geduld konnten wir aber drei von den fünf finden und beobachten.

Es sind schon wirklich süsse Tiere, spannende aber sicherlich nicht. Die Tiere schlafen etwa 20 Stunden am Tag, den Rest verbringen sie mit Essen. Sie bewegen sich nur, wenn es wirklich notwendig ist. Ansonsten bleiben sie immer auf dem gleichen Baum sitzen und verbringen da ihre Zeit.

Der Park an sich war auch sehr schön. Wir konnten auch noch zwei Kängurus sehen und waren zufrieden mit dem Start unserer zweiten Rundreise in Westaustralien.

Lancelin- Sanddünen

Die Vielfältigkeit der Westküste bemerkten wir bereits kurz nach Perth. Es war schön, auch mal etwas anderes als Strand zu sehen. Nicht falsch verstehen: Wir haben die Strände in Südwestaustralien geliebt, waren aber nun auch sehr neugierig auf weitere sehenswerte Natur in Westaustralien. Die erste davon waren die Lancelin-Sanddünen. Mitten in einer halben Wüste aus trockenen Büschen und orangefarbenem Gestein türmen sich hohe Dünen aus weissem Sand. Verschiedene Touren werden dort angeboten, die Dünen können mit einem 4×4 oder mit Quads erkundet werden. Es gibt aber auch die aktivere Form mit dem Sandboarding. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Mit dem Board bewaffnet sind wir die Sanddünen hochgekraxelt und mit dem Brett wieder runtergerutscht. Zuerst haben wir dies sitzend ausprobiert, um ein bisschen ein Gefühl dafür zu bekommen. Schnell haben wir aber auf stehend gewechselt, was unterschiedlich gut funktioniert hat. Teilweise sind wir im Sand gelandet, teilweise bis ans Ende der Düne gekommen.

Da ich bereits Kopfschmerzen am Morgen hatte, musste ich es etwas langsamer angehen. Das Hochlaufen bei praller Sonne hat meinem Kopf sicher nicht geholfen, weshalb ich etwas mehr Pausen gemacht habe. Philippe aber war sehr angefressen und wollte es immer besser machen, bis er problemlos die gesamte Strecke stehend zurücklegen konnte.

Zufrieden mit unserer Leistung, total verschwitzt und voller Sand, sind wir dann an den nahegelegenen Strand gegangen und konnten uns da wieder frisch machen.

Pinnacles Wüste

Der nächste Stopp auf unserer Reise führte uns in eine Landschaft von einem anderen Planeten. Tausende Säulen aus gelbem Kalkstein ragen in dieser Landschaft in die Höhe. Wie genau diese Säulen entstanden sind, ist immer noch nicht vollständig geklärt. Stark zusammengefasst aber ist bekannt, dass am Ende der letzten Eiszeit sich die Meere etwas zurückzogen und den kalkhaltigen Sand freigelegt wurde. Durch den Wind wurde dieser Sand zu hohen Sanddünen zusammengeweht. Während einer regenreichen Zeit wurde der Kalk gelöst und in einer bestimmten Tiefe wieder auskristallisiert. Durch die karge Vegetation hatte es nur an einzelnen Stellen Wurzeln, welche in die Tiefe der Düne ragten. Genau an diesen Wurzeln entlang sickerte das meiste Wasser herunter. So hat sich ein grosser Teil des Kalks genau an diesen Stellen unter den Sanddünen aufgehäuft. Starke Winde haben dann im Laufe der Zeit den Sand abgetragen und dadurch diese Pinnacles freigelegt. Sie gehen davon aus, dass noch viele Pinnacles weiterhin unter dem Sand vergraben sind.

Für eine ausführlichere Erklärung müsst ihr aber selbst nachschauen.

Pink Lake

Wir hatten Glück: Am Tag unseres Besuchs der Hutt Lagoon, dem sogenannten Pink Lake, war die Farbe des Sees sehr intensiv. Dies kann sehr variieren, teilweise zeigt er gar keine Spur von Pink.

Der See wird durch die im Wasser lebende Alge Dunaliella salina verändert. Wenn sie Sonnenlicht ausgesetzt ist, produziert die Alge Beta-Carotin, was für die Farbe zuständig ist. Durch die Reflexion hatten wir sogar das Gefühl, dass auch die Wolken etwas rosa wirken.

Der See ist sicherlich eindrücklich und einen Besuch wert. Viel Zeit haben wir dort aber nicht verbracht.

Kalbarri- Nationalpark

Mehr Zeit wiederum verbrachten wir im Kalbarri-Nationalpark und seiner Umgebung. Der Nationalpark fasziniert durch seine Schluchten und Steinformationen. Typisch, wie wir uns Westaustralien vorgestellt hatten, waren das Gestein und der Sand leuchtend rot. Nochmals so ein Moment für uns, in dem uns bewusst wurde, dass wir wirklich in Australien angekommen sind.

Wir sind bereits am Morgen früh losgefahren, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Trotzdem war es bereits zu dieser Zeit zu heiss, um Wanderungen zu machen. Einige der Wanderungen sind tagsüber geschlossen und dürfen nur nachts unter speziellen Bedingungen gemacht werden. Bei den restlichen offenen Wanderungen raten sie jedoch davon ab. Die Hitze im Park ist etwa 10 Grad höher als im Ort, und in den Schluchten wird es schnell nochmals einige Grad heisser. An einem normal heissen Tag sind das gut 50 Grad in der Schlucht, da verstehen wir das Verbot, solche Ab- und Aufstiege in die Schlucht tagsüber zu machen. Überall im Park sind Schilder aufgestellt, welche vor der Hitze warnen und Tipps für das richtige Verhalten geben.

Wahrscheinlich unterschätzen viele Touristen – wir eingeschlossen –, wie viel heisser es im Park und unten in der eingepferchten Schlucht sein kann.

Wir haben den Park somit auf australische Art und Weise besucht: mit dem Auto von einem Lookout zum nächsten. Mich hat es schon etwas gereut, dass wir keine Wanderung machen konnten, aber es war uns im Vorhinein bereits bewusst, dass es im Sommer schwierig werden kann. Die Aussichtspunkte lohnen sich aber auch so. Sie bieten weite Ausblicke über die ganze Fläche: karge Felshänge, weite Buschlandschaften und die kleinen Flüsse in den Schluchten.

Der Park wird in zwei Bereiche unterteilt. Zuerst haben wir verschiedene Orte im Inneren des Parks besucht. Danach ging es für uns in den Küstenbereich des Nationalparks. Auch dort gibt es zahlreiche Aussichtspunkte mit wunderschönen Ausblicken auf die felsige Küste. Orangerotes Gestein trifft auf das türkisfarbene Wasser.

Im Frühling oder Herbst würden wir sicher etwas mehr Zeit in dieser Gegend verbringen und einige Wanderungen machen. Bei diesen Temperaturen, ohne viel Aktivität, reichen aber zwei Tage völlig aus, um den Nationalpark zu erkunden.

Denham

Unser nördlichster Stopp auf der Reise war Denham. In der Gegend um Denham gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten. Leider war es dort schwierig, einen freistehenden Schlafplatz zu finden, weshalb wir uns für eine Buchung auf einem Campingplatz entschieden haben. Nach über 800 km in nur wenigen Tagen wollten wir einen Tag Pause einlegen. Den Campingplatz haben wir somit nach einem Kriterium ausgesucht – direkten Strandzugang.

Wir haben zuerst zwei Nächte gebucht, daraus wurden aber schlussendlich vier. Der Platz an sich war nicht besonders, aber wir waren sehr zufrieden, mal wieder ein paar Tage an einem Ort zu sein – ein paar Tage ohne immer alles im Büsli zu verstauen, ein paar Tage ohne Planung und einfach ein paar Tage am Strand.

Wir konnten so auch in aller Ruhe Philippes Geburtstag feiern. Er war für alle gut erreichbar, musste nicht fahren, und den Abend haben wir zur Feier des Tages auswärts im Pub verbracht. Es war ein gelungener Tag.

Natürlich haben wir an den Tagen der An- und Abreise auch ein paar Sehenswürdigkeiten in der Gegend erkundet. Zum Beispiel einen Strand, der nur aus kleinen Muscheln besteht. Das Gehen fühlt sich etwas komisch an, es knirscht wie Schnee, und ohne Schuhe ist es doch unangenehm – sieht aber beeindruckend aus.

In der Nähe von Denham gibt es einen Nationalpark, der jedoch nur mit einem 4×4 befahren werden kann, was für uns nicht infrage kam. Trotzdem konnten wir auch so einen kleinen Eindruck vom Nationalpark bekommen. Die gesamte Gegend hat diese typisch rote/orange Erde, die aufs Wasser trifft und wunderschöne Bilder ergibt. Dies ist das Hauptmerkmal des Parks. Es wäre auch möglich gewesen, eine Tour in den Park zu machen. Für uns hat aber alles, was wir außerhalb des Parks gesehen haben, gereicht.

Monkey Mia

Ein weiterer bekannter Ort in der Gegend ist Monkey Mia. Berühmt ist dieser Ort für das Zusammentreffen mit „wilden“ Delfinen. Ich habe „wild“ bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da ich nicht ganz dieser Meinung bin. Die Delfine werden dort gefüttert und kommen deshalb jeden Tag in diese Bucht. Sie bekommen aber nur 10 % ihres täglichen Bedarfs, sodass gewährleistet wird, dass sie das Jagen nicht verlernen und dieses Wissen an die nächste Generation weitergeben können.

Wir waren nicht zu einer Fütterungszeit dort, was uns aber nicht weiter gestört hat. Trotzdem kann man vom Strand aus gut beobachten, wie die Delfine herumspringen. Sie entfernen sich jedoch nicht weit von diesem Strand, weshalb ich es etwas fragwürdig finde, ob dies wirklich noch ein gesundes Verhalten ist.

Nach Monkey Mia haben wir uns auf den Weg zurück nach Perth gemacht. Die fast neun Stunden Fahrt haben wir in mehrere Abschnitte aufgeteilt, da wir noch genügend Zeit hatten.

Die erste Etappe führte uns vier Stunden lang durch das Nichts bis nach Geraldton. In dieser Ortschaft haben wir einen kostenlosen, offiziellen Schlafplatz direkt am Meer gefunden und dort auch mehrere Nächte verbracht. Den Tag haben wir hauptsächlich am Strand und mit der Erkundung des Ortes verbracht. Wir sind täglich mehrmals an der Kathedrale in Geraldton vorbei gefahren, weshalb wir finden, dass sich diese definitiv einen Platz im Blog verdient hat. Etwas ausserhalb von Geraldton haben wir noch Bäume betrachtet, welche vom starken Wind etwas schräg wurden.

Die restliche Strecke bis Perth haben wir dann zügig hinter uns gebracht. Die Zeit verging am Strand oder beim „Lädele“ schnell, und wir mussten bereits anfangen, die Abgabe unseres Büslis zu planen.

Rottnest Island

Der letzte Punkt auf unserem Programm war Rottnest Island, eine kleine Insel vor Perth. Bekannt ist die Insel vor allem für ihre tierischen Bewohner – Quokkas. Diese kleinen Tiere, die wie Kängurus hüpfen, aber ein bisschen wie eine Mischung aus Murmeltier und Ratte aussehen, sind auf der Insel zahlreich zu finden. Ihr Gesicht scheint immer zu lächeln, weshalb sie sehr beliebt für Selfies sind. Auch wir konnten uns diese Chance nicht entgehen lassen und haben Fotos mit den Tieren gemacht.

Ansonsten unterscheidet sich die Insel unserer Meinung nach nicht stark von der Küste auf dem Festland. Es gibt wunderschöne Strände und felsige Landschaften. Wir haben die Insel einmal mit dem Fahrrad umrundet, was etwa 22 km sind. Am Vormittag war es noch bewölkt und sehr windig, was die Fahrt etwas unangenehm gemacht hat. Glücklicherweise kam die Sonne am Mittag raus, es wurde heiss, und wir konnten die Strände noch geniessen.

An diesem Tag war auch Australia Day, der Nationalfeiertag. Wir haben davon aber nicht viel mitbekommen. Manche Boote hatten Flaggen aufgehängt, aber ob das extra dafür war, wissen wir nicht. Angeblich sollte es in der Innenstadt eine Drohnenshow geben, aber es war uns doch etwas zu umständlich, dort hinzukommen. Private Feuerwerke haben wir keine gesehen, vermutlich, weil sie wegen der hohen Bushfire-Gefahr verboten sind.

Den letzten Tag in Australien haben wir mit Wäschewaschen, Packen und dem Putzen des Büslis verbracht.

Die Zeit ging am Ende doch schnell vorbei, und schon mussten wir unsere „Tay Tay“ abgeben. Wir durften eine wirklich tolle und eindrückliche Zeit in Westaustralien erleben, sind jetzt aber auch froh, nicht mehr so viel Auto fahren zu müssen.

Wir sind gespannt, was unsere weitere Reise noch für uns bereithält und nehmen euch gerne auf den nächsten Kontinent mit.

Tier- Count insgesamt:

Tote Kängurus am Strassenrand: 45

Schlangen: 4, eine auf Rottnest Island, 3 nur vom Auto aus

Spinnen: 3, eine schwarze Witwe, zwei für australische Verhältnisse wahrscheinlich kleine, für mich grosse

Haie: 0


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4 Kommentare zu „Roadtrip: Perth bis Denham und zurück

  1. Was für eine tolle Tour! Ich fahre jeden KM mit, schon bemerkt, dass ich immer hinter euch sitze? haha. Im Gedanke bin ich fast immer bei euch und ich gucke auf google maps auch immer die Strecken an. Bin gespannt auf die Fortsetzung. Händs witerhin guet!

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  2. Warum mein Name beim Kommentar nicht erscheint?? Obwohl angemeldet bei worlpress, na ja, ihr wisst ja wer so einen Kommentar verfasst.

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