Unsere Reise führte uns zurück nach China, diesmal für längere Zeit und nicht nur für ein paar Tage. Wir haben ja bereits erzählt, dass Anfang Oktober die Golden Week in China ist und diese Zeit wirklich nicht so praktisch zum Reisen ist. Wer noch nie ein Foto aus dieser Zeit gesehen hat, sollte mal nachschauen. Es sieht schrecklich aus: Alles ist vollkommen überfüllt und die Preise sind in diesem Zeitraum vielfach höher.
Wir konnten direkt von Seoul nach Chengdu, unseren ersten Stopp, fliegen. Vor der erneuten Einreise waren wir etwas nervös. Wir hatten zwar mehrfach und bei verschiedenen Quellen nachgeschaut, dass die visumfreie Zeit für 30 Tage mehrfach hintereinander angetreten werden kann, aber trotzdem hatten wir Bedenken, dass sie viele Fragen stellen würden. Zusätzlich hatten wir für die Weiterreise ins nächste Land nur eine Zugreservation, aber kein offizielles Ticket, da die Tickets in China erst zwei Wochen vorher offiziell ausgestellt werden. Bei der Passkontrolle interessierte das jedoch niemanden, ohne Fragen oder irgendwelche Probleme wurden wir zum zweiten Mal ins Land gelassen und konnten entspannt unsere Reise antreten.
Chengdu
Angekommen sind wir abends und wollten nur noch ins Bett. Da kam die erste Überraschung: Obwohl das Bett bei der Buchung als etwas grösser angekündigt wurde, war es nur etwa 1,20 m breit. Nach langem Überlegen fanden wir es aber auch irgendwie witzig, in so einem kleinen Bett gemeinsam zu schlafen, und unternahmen nichts dagegen. Überraschenderweise haben wir beide in diesen zwei Nächten erstaunlich gut geschlafen – vielleicht ist das der Geheimtipp für zu Hause.

Unser Hotel war in einer sehr schönen Lage. Wir hatten gute Restaurants in der gleichen Strasse und ein paar Gehminuten entfernt ein kleines, traditionelles Viertel. Wir gingen lecker Hotpot essen, inklusive einer kurzen Aufführung des typischen Maskentanzes in Chengdu, bei dem die Masken im Gesicht ständig unauffällig gewechselt werden. Wir schlenderten gemütlich durch die kleinen, mit Lampions verzierten Gassen und fühlten uns direkt wieder angekommen in China.




In diesem Viertel wurden wir auf etwas Typisches, wo von wir vorher bereits gehört haben, aber für uns Aussergewöhnliches ist, aufmerksam: Es wird überall das Putzen der Ohren mit Hilfe einer Stimmgabel angeboten. Vielleicht funktioniert das ja ganz gut, aber wir wollten da jetzt niemanden in die Nähe unseres Trommelfells lassen und haben nur kurz zugeschaut, wie das Angebot rege genutzt wurde.


Panda Research Base Chengdu
Da wir zu Beginn in China zwei riesige Städte geplant hatten, haben wir in Chengdu, einer der beiden Städte, weniger Zeit eingeplant und eigentlich nur die Panda Research Base besucht.


Diese wurde 1987 mit sechs geretteten Wildpandas gegründet und ist mittlerweile eine grosse Forschungs- und Aufzuchtstation, die seit 2010 die Wiederauswilderung der Pandas in den Fokus gestellt hat. Pandas gibt es nur noch frei in China, und auch dort in sehr begrenzten Teilen des Landes. In den 1970-80er Jahren waren Pandas vor dem Aussterben bedroht, ihr Lebensraum war auf etwa 1 % der ursprünglichen Fläche geschrumpft. Die Zerstörung des Lebensraums, das Bambussterben und das Gefangennehmen der Wildtiere führten dazu, dass es noch weniger als 1000 freilebende Pandas gab. Zudem sind Pandaweibchen nur wenige Tage im Jahr fruchtbar, wobei sie nur wenige Stunden wirklich gut fruchtbar sind. Das natürliche Fortpflanzen ist somit ebenfalls stark reduziert, was ein zusätzliches Problem für den Erhalt der Pandabären darstellt.



Wir haben das Ticket für den Vormittag gebucht, da die Pandas zu dieser Zeit am aktivsten sein sollen. Gestartet sind wir bei leichtem Regen und vielen schlafenden Pandas. Im Laufe des Vormittags wurden die Pandas aber immer wacher, bekamen ihren Bambus und assen genüsslich.



„Aktiv“ kann man dieses gemütliche Tier nicht wirklich nennen, aber sie waren zumindest wach, was bereits aktiver ist als die meiste Zeit des Tages. Zum Glück machte den meisten der leichte Regen nichts aus und wir konnten sie in den Aussengehegen beobachten. Die Tiere sind wirklich sehr süss und während unserer Beobachtungen definitiv geschickter, als sie oft im Internet dargestellt werden.




Da der Panda ein niedliches und beliebtes Tier ist, fliesst viel Geld in den Schutz dieses Tiers. Mittlerweile gibt es mehr als 1800 freilebende Pandas, wobei die Chengdu Base eine wichtige Rolle gespielt hat. Trotzdem kann das ganze Projekt auch kritisch betrachtet werden. Die Chengdu Base ist mittlerweile eine grosse Touristenattraktion mit tausenden von Besuchern pro Tag – auch wir wollten dieses Tier einmal mit eigenen Augen sehen. Da der Erhalt dieser Tiere auf natürliche Art und Weise kaum möglich ist, war es notwendig, diese Base und Forschungsstation zu errichten. Trotzdem finden wir es toll, dass auch der Versuch unternommen wird, die Tiere wieder auszuwildern und in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen. Für viele wird das aber niemals möglich sein, da viele der Pandas bereits eine lange Zeit in der Chengdu Base leben und vom Menschen abhängig geworden sind. Wir fanden jedoch, dass die Pandas in den Aussengehegen viel Platz haben und viele Möglichkeiten geboten bekommen, um zu spielen und herumzutollen. Auch Rückzugsorte sind vorhanden, falls die Pandas etwas Ruhe brauchen.

Auch wenn wir mit leichten Bedenken den Besuch antraten, ist es vielleicht die einzige Chance, diese Tiere vor dem Aussterben zu bewahren und wir waren positiv überrascht.
Chongqing
Am nächsten Tag ging es das erste Mal zum Bahnhof. Wir kamen etwas unter Zeitdruck, da wir uns spontan gegen die U-Bahn entschieden hatten. Wir wollten nicht mit unseren Rucksäcken in die Rush-Hour-Züge quetschen und entschieden uns daher für ein Taxi – mit doch sehr viel Verkehr. Trotzdem kamen wir pünktlich am Bahnhof an und mussten dann noch warten, bis wir zum Gleis und in den Zug konnten.
Chongqing ist, wenn nicht nur das Stadtzentrum, sondern alles dazugehörige mitgerechnet wird, flächenmässig die grösste Stadt der Welt, was wir bei der Zugfahrt bemerkt haben. Soweit das Auge reichte, sahen wir nur Stadt, und alles sah für uns irgendwie nach dem Stadtzentrum aus, obwohl es nur das Umland war.



Chongqing ist nicht nur durch ihre Grösse aussergewöhnlich, sondern auch durch den Aufbau der Stadt. Die Strassen und Gebäude sind sehr verschachtelt. Leider fanden wir es schwierig, dies wirklich auf einem Foto festzuhalten, aber ihr könnt euch bei diesem Bild nun vorstellen, dass es nicht von einem Gebäude aus geschossen wurde, sondern eigentlich im Erdgeschoss dieses Abschnitts der Stadt.

Die Stadt ist auf verschiedenen Ebenen gebaut. Du denkst, du kommst im Erdgeschoss raus, da befinden sich ganz normal die Strassen, aber ein paar Schritte weiter siehst du die Tiefe der Stadt. Es ist vielleicht schwer vorstellbar, aber es ist wirklich sehr spannend, es live zu sehen.
Irgendwie wirkt die ganze Stadt teilweise recht futuristisch – genau so, wie wir uns eine chinesische Riesenstadt vorgestellt haben. Chongqing wird teilweise auch als die am meisten überwachte Grossstadt der Welt bezeichnet. Bei einer Analyse wurde festgestellt, dass rund 2,5 Millionen Kameras in der Stadt verteilt sind, was 168 Kameras pro 1000 Bewohner ergibt. Uns sind diese vielen Kameras tatsächlich aber nicht mehr aufgefallen als an anderen Orten.
Auch bekannt ist Chongqing für ihre grosse Drohnenshow, die immer samstagabends stattfinden soll. Natürlich gingen wir überpünktlich, um eine gute Sicht auf die Show zu haben. Im Wasser befanden sich Jetskifahrer, die vorher nicht da waren, und die grossen Schiffe durften kurz vor 21 Uhr nicht mehr durchfahren – alles deutete darauf hin, dass die Show bald starten sollte. Als dann um Punkt 21 Uhr nichts passierte und eine Minute später die Boote wieder durchfuhren, war klar, dass die Show aus irgendeinem Grund nicht stattfand. Die Enttäuschung war gross, aber die Sicht auf die Skyline von Chongqing bei Nacht war auch sehr eindrucksvoll.



Ein weiterer spannender Punkt ist, dass in dieser Stadt eine U-Bahn durch ein bewohntes Gebäude fährt. Was zuerst da war, wissen wir nicht, aber es ist eine Sehenswürdigkeit, die sicher ein typisches Motiv von Chongqing darstellt und viele Touristen anzieht.



Von der U-Bahn-Station aus konnten wir zu Fuss den steilen Hang über viele Treppenstufen hochsteigen und die Aussicht aus einer Parkanlage geniessen. Einmal mehr war es eindrucksvoll, solch eine riesige Stadt von oben zu sehen. Auch hier wussten wir vom Bild her gar nicht so recht, wo das Zentrum sein soll, da es in alle Himmelsrichtungen wie das Zentrum aussah.





Obwohl das Wetter auch in Chongqing nicht sehr gut mitgespielt hatte, konnten wir eigentlich alles besuchen, was uns wichtig war. Hier noch ein paar weitere Eindrücke dieser riesigen Stadt.







Am letzten Abend bestaunten wir noch die Aussicht auf die Stadt bei Nacht, was einen schönen Abschluss dieses Besuchs in Chongqing bot.



Mit 300 km/h im Zug ging es dann für uns weiter ins nächste Abenteuer – eine Reise an einen Ort aus einer anderen Welt. 😉 Mal sehen, wer von euch diesen exotischen Ort erkennen wird.
Entdecke mehr von swizzontour
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
