Vier Tage in Peking

Nach unseren Ferien in der Schweiz, voller Energie und neuer Motivation ging unsere Reise wieder zurück in Richtung Asien. Wir hatten verschiedene Reiseziele im Kopf, stiessen dann aber auf ein sehr gutes Flugangebot nach Peking – und haben die Gelegenheit ergriffen. China stand schon zu Beginn unserer Reise auf unserer Wunschliste, aber wir waren uns bis zuletzt nicht ganz sicher, ob wir wirklich dorthin reisen wollen. Letztlich überzeugte uns die aktuelle Möglichkeit, China für 30 Tage visumfrei bereisen zu können.

China ist definitiv ein Land, das unserer Meinung nach etwas mehr Vorbereitung erfordert als andere Länder unserer Reise. Viele unserer Social-Media-Apps sind im Land ohne Vorkehrungen gesperrt, das Bezahlsystem funktioniert anders, da internationale Kreditkarten oft nicht akzeptiert werden, und auch die Sprache macht das Reisen nicht gerade einfacher. Am Ende unseres Aufenthalts in China werden wir noch einen separaten Bericht über das Reisen im Land selbst schreiben. In diesem Beitrag möchten wir euch aber zuerst mehr über unsere Zeit in der Hauptstadt erzählen.

Mit über 21 Millionen Einwohnern ist Peking nicht nur die Hauptstadt Chinas, sondern auch ein faszinierender Mix aus moderner Grossstadt, Tradition und Kultur. Unsere vier Tage in Peking haben wir bewusst auf Kultur und Geschichte fokussiert und einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten besucht. Die Auswahl fiel uns nicht leicht – Peking bietet unzählige sehenswerte Orte.

Verbotene Stadt

Unser Besuch startete mit der Verbotenen Stadt – einer riesigen Palastanlage mitten in Peking. Die Tickets hatten wir im Voraus online gekauft. Der Eintritt erfolgt über den Reisepass, der am Eingang gescannt wird. Wie bei allen Sehenswürdigkeiten in China mussten wir auch hier einen Sicherheitscheck passieren, bevor wir die Anlage betreten konnten.

Wir entschieden uns für einen Audioguide, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Die Verbotene Stadt war über Jahrhunderte der Kaiserpalast und das politische Zentrum des chinesischen Kaiserreichs – zuerst unter der Ming-Dynastie, später unter der Qing-Dynastie. Sie war nur dem Kaiser, seiner Familie und wenigen Beamten zugänglich, weshalb sie „Verbotene Stadt“ genannt wird.

Heute sind viele der Gebäude und Höfe öffentlich zugänglich und ziehen jährlich Millionen von Besuchern an – die tägliche Besucherzahl ist auf 80.000 begrenzt. Obwohl viel los war, verteilte sich die Menge gut, und es wirkte nicht überfüllt.

Tian‘anmen Platz

Direkt neben der Verbotenen Stadt liegt der Tian’anmen-Platz, einer der grössten öffentlichen Plätze der Welt. Der Zugang war komplizierter als bei allen anderen Sehenswürdigkeiten: Man muss sich online registrieren – was ohne Chinesischkenntnisse gar nicht so einfach ist. Zum Glück half uns jemand im Hotel weiter, und es funktionierte schliesslich alles. Auch hier mussten wir durch einen sehr gründlichen Sicherheitscheck, für den wir mindestens eine halbe Stunde anstanden. Am Ende waren wir ehrlich gesagt etwas enttäuscht – der Platz selbst war für uns einfach nur gross, aber nicht besonders beeindruckend und die lange Wartezeit nicht wert.

Vogelnest

2008 fanden in Peking die Olympischen Sommerspiele und die Sommer-Paralympics statt, wofür das Stadion ,auch bekannt als Vogelnest, erbaut wurde. Seitdem wird es weiter für Sportveranstaltungen genutzt.

Als Sportfan wollte Philippe das aussergewöhnliche Gebäude unbedingt sehen. Wir besuchten das Stadion zwar nicht von innen, aber die markante Architektur liess sich von aussen gut bewundern. Natürlich suchten wir auch fleissig nach den Namen der Schweizer Olympiasieger auf den Wänden mit allen Disziplinen – und entdeckten vor allem bei den Paralympics erfreulich viele Schweizer unter den Top 3.

Lama- Tempel und Himmelstempel

Peking hat viele Tempelanlagen zu bieten – wir haben uns für zwei entschieden, die von unserem Hotel aus gut erreichbar waren: den Lama-Tempel und den Himmelstempel.

Den Lama-Tempel besuchten wir zuerst. Er wurde im 15. Jahrhundert unter der Ming-Dynastie erbaut und diente dem Kaiser als Ort für das jährliche Erntegebet. Heute ist er eine beliebte Touristenattraktion. Wir nahmen keine Führung, sondern bewunderten einfach die schönen Gebäude, bevor wir weiterzogen.

Den Himmelstempel besuchten wir am letzten Tag – allerdings beschränkten wir uns auf die grosse Parkanlage rundherum. Nach dem Trubel der Stadt war es schön, etwas Ruhe im Grünen zu finden. Der Tempel selbst wäre nur gegen Aufpreis zugänglich gewesen, aber auch von aussen hatten wir immer wieder gute Sicht darauf – das reichte uns völlig.

Hutong- Viertel und Qianmen Strasse

In Peking gibt es viele traditionelle Viertel, die sogenannten Hutongs. Wir spazierten gemütlich durch die engen Gassen mit ihren alten Gebäuden, probierten Kleinigkeiten des grossen Essenangebots und genossen die lebendige, aber angenehme Atmosphäre.

Auch durch die Fussgängerstrasse mit zahlreichen Souvenirläden und verrückten Spezialitäten schlenderten wir entspannt. Diese eher gemütlichen Erlebnisse boten eine schöne Abwechslung zu den grossen Sehenswürdigkeiten.

Chinesische Mauer

Ein Highlight darf bei einem Besuch in Peking natürlich nicht fehlen: die Chinesische Mauer. Seit 2007 zählt sie zu den neuen sieben Weltwundern – und diesen Titel hat sie sich definitiv verdient.

Von Peking aus gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen der Abschnitte der rund 21’000 Kilometer langen Mauer zu besuchen. Wir haben uns für den Abschnitt bei Jinshanling entschieden. Dieser liegt etwa zwei Stunden von Peking entfernt, lässt sich aber trotzdem problemlos ohne organisierte Tour auf eigene Faust besuchen. Wir haben online ein Busticket inklusive Eintritt für die Mauer gebucht und sind frühmorgens in Peking aufgebrochen.

Auf dem Weg dorthin hörten wir einen Podcast zur Geschichte der Mauer. Es wird vermutet, dass bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. grosse Schutzmauern errichtet wurden. Über viele Dynastien hinweg entstanden immer neue Abschnitte. Die Chinesische Mauer gilt heute als das grösste von Menschenhand geschaffene Bauwerk. Allerdings sind nicht alle Teile gut erhalten und nur einige Abschnitte sind für Touristen zugänglich.

Der Bus brachte uns direkt zur Gondelstation, die uns in etwa zehn Minuten hinauf zur Mauer brachte. Schon der erste Blick war atemberaubend. Obwohl ich bereits 2016 die Mauer besuchte, war es wieder beeindruckend zu sehen, wie sich die Mauer über die Hügel und Berge schlängelt – bis sie schliesslich am Horizont verschwindet.

Wir hatten etwa vier Stunden Zeit, die Mauer zu erkunden. Zunächst liefen wir in eine Richtung los und wollten eigentlich alle paar Meter für ein Foto anhalten. Anfangs begleitete uns eine Verkäuferin aus der Mongolei. Irgendwann konnten wir sie mit dem Versprechen, auf dem Rückweg bei ihr etwas zu kaufen – was wir natürlich auch gemacht haben –, abwimmeln.

Das Laufen auf der Chinesischen Mauer sollte nicht unterschätzt werden. Sie verläuft über Bergketten mit teils sehr steilen und anstrengenden Passagen. Der Untergrund ist nicht überall gut erhalten, was einige Stolperfallen mit sich bringt. Je weiter wir uns von der Gondelstation entfernten, desto weniger Menschen begegneten uns. So konnten wir die spektakuläre Aussicht in aller Ruhe und fast für uns allein geniessen – ein wirklich überwältigendes Erlebnis.

Auf dem Rückweg erkundeten wir noch ein kurzes Stück in die andere Richtung von der Gondelstation, bevor wir wieder ins Tal hinunterfuhren. Erschöpft, aber zufrieden spazierten wir zurück zum Bus und fuhren zurück nach Peking.

Unterwegs in Peking

Peking ist eine moderne Grossstadt mit traditionellen Elementen – und trotz der Grösse gut zu bereisen. Wir nutzten fast ausschliesslich die U-Bahn, was super einfach funktionierte: Die Stationen sind auf Englisch ausgeschildert und mit der passenden App war die Navigation kein Problem.

Der Verkehr ist uns wie ein organisiertes Chaos vorgekommen. Unser Gefühl war, dass auf Fussgänger, ausser bei der Ampel, keine Rücksicht genommen wird- jeder ist für sich selbst verantwortlich und entscheidet, ob es sicher ist, zu laufen oder lieber abzuwarten. Am schlimmsten dabei waren die Elektroroller, die aus jeder Himmelsrichtung kamen und auch bei Rot fuhren. Uns hat es zumindest gar nicht gereizt, selbst im Verkehr unterwegs zu sein. Wir sind zwar chaotischen Verkehr aus Indonesien gewohnt, empfanden den chinesischen jedoch als rücksichtsloser.

In unseren vier Tagen in Peking konnten wir auch schon erste Eindrücke von der chinesischen Küche sammeln. Direkt beim Hotel gab es ein unglaublich leckeres Hotpot-Restaurant, das wir gleich mehrmals besuchten. Das Essen war fantastisch – allerdings sah unsere Kleidung danach nicht mehr sehr sauber aus. 😄 Weitere Gerichte werden wir auf unserer Reise durch China sicher noch ausprobieren.

Fast 80’000 Schritte später verliessen wir China mitten in der Nacht – nach nur vier intensiven Tagen in Peking. Da wir unseren Flug nach dem besten Angebot gebucht hatten, war der Zeitpunkt für unsere Chinareise nicht ganz ideal: Am 1. Oktober feiert China den Nationalfeiertag, was bedeutet, dass während der sogenannten Golden Week Millionen von Chinesen mehr wie sonst im eigenen Land reisen (und da sind es ja schon unglaublich viele😅).

Wir wollten diesen Zeitraum unbedingt vermeiden und entschieden uns deshalb, nach Peking weiterzufliegen und später nochmals zurückzukehren. Da wir ohnehin in das nächste Land mit dem Flugzeug reisen müssten, hatten wir dadurch keine Flugreisen mehr. Trotzdem haben uns die vier Tage in Peking sehr gut gefallen. Ich war – wie erwähnt – bereits 2016 alleine hier unterwegs, damals hatte ich allerdings keine besonders gute Erfahrung gemacht: Die Menschen wirkten aufdringlich, unhöflich, und insgesamt fühlte ich mich nicht besonders wohl. Umso gespannter war ich, wie ich Peking diesmal erleben würde – und wurde positiv überrascht.

Ob es daran lag, dass ich diesmal nicht alleine reiste oder ob sich die Menschen mittlerweile besser an westliche Touristen gewöhnt haben, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Auf jeden Fall war das Erlebnis deutlich angenehmer, und wir freuen uns nun umso mehr auf die weitere Reise durch China. Wir sind gespannt, was uns noch erwartet – und ob sich unsere positive Erfahrung fortsetzen wird.


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