Ein Land, mehr als 17’000 Inseln, 283 Millionen Bewohner und ca. 14 Millionen internationale Touristen in einem Jahr – und wir waren zwei davon. Indonesien war bereits vor dieser Reise ein Land, an welches wir hohe Erwartungen hatten. Für mich ist Indonesien schon länger eines meiner liebsten Reiseziele, und auch Philippe war seit unserem letzten Besuch in Bali 2022 begeistert davon. So war es doch schnell klar, dass wir in diesem Land mehr Zeit verbringen wollen. Das Visum für sechs Monate lässt sich einfach beantragen – somit stand die Entscheidung fest. Wir durften insgesamt acht Inseln besuchen, einige davon etwas intensiver, andere nur für kurze Aufenthalte. Wir haben an den schönsten Stränden gebadet, eine faszinierende Welt unter Wasser besucht, viele Eindrücke von unterschiedlichen Kulturen und Religionen mitgenommen, unglaublich leckeres Essen gekostigt und die warmherzigsten Menschen getroffen. Natürlich ist aber auch in Indonesien nicht alles nur Sonnenschein und so schön wie auf Social Media dargestellt. Indonesien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. An vielen Orten sehen die Einheimischen nur selten Touristen, kennen nichts ausserhalb ihrer Insel und ernähren sich mehrheitlich vom Fischfang und Reisanbau. In diesem Blogeintrag möchten wir euch gerne etwas mehr Über unsere Eindrücke und Erfahrungen beim Reisen in Indonesien erzählen und damit dieses Kapitel hier schliessen. Als Start für diesen Beitrag geben wir euch hier ein paar Eindrücke.









Menschen und ihre Sprache
Indonesier werden in den sozialen Medien oft als die herzlichsten Menschen dargestellt – und wir können das zu 100% bestätigen. Sie sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und sehr interessiert. Wie oft wir beim Spazierengehen oder Rollerfahren angesprochen wurden, können wir gar nicht mehr zählen. Dabei wollen sie einem nichts verkaufen oder andrehen, sondern einfach reden und oft ihr Englisch üben. Ob Kinder oder ältere Menschen, ob gutes oder kein Englisch – alle freuten sich über ein kurzes Hallo oder Gespräch. Anfangs mussten wir uns daran gewöhnen, dass es einfach Smalltalk ohne Hintergedanken ist. Mit der Zeit wurden wir selbst gesprächiger und sprachen gegen Ende auch die Leute auf der Strasse an. Das war eine wirklich schöne Erfahrung und brachte uns viele tolle Erinnerungen an Begegnungen mit Indonesiern.




Schon vor der Reise hatte ich Indonesisch geübt, und vor Ort wurde es immer besser. Auch Philippe kannte am Ende einige Wörter, wenige Zahlen und war für leichten Smalltalk auf Indonesisch fit. Natürlich machen Übersetzungsapps das Reisen einfacher, doch es gab Momente, in denen wir froh waren, die Basics zu kennen, um mit den Menschen zu kommunizieren. Ausserhalb der touristischen Hotspots ist Englisch selten und die Apps nicht immer zuverlässig.


Neben Gesprächen wollten viele Einheimische auch Fotos mit uns machen. Da sie immer freundlich fragten oder es mit Zeichensprache andeuteten, lächelten wir gern in die Kamera und machten manchmal auch selbst Fotos. Was mit diesen Bildern passiert, können wir schwer einschätzen – für uns sind Menschen, die anders aussehen, nichts Aussergewöhnliches. An einigen Orten, die wir besuchten, kommen aber nur wenige westliche Touristen, und daher freuen sie sich riesig, mit einem Foto die Familie zu beeindrucken. Schon nur so etwas Einfaches konnte ihnen grosse Freude bereiten.
Sicherheit
Obwohl Indonesien ein ärmeres Land ist, haben wir uns ständig sehr wohl und sicher gefühlt. Wir sind nachts ohne Bedenken durch die Strassen gelaufen, hatten keine schlechten Begegnungen oder ein ungutes Gefühl. Obwohl wir meist viel Bargeld dabei hatten, da es ausserhalb der grösseren Orte nicht immer leicht ist, Geld zu bekommen, hatten wir auch dabei nie Bedenken.
Unserer Meinung nach sollte das Thema Sicherheit in Indonesien weniger auf die Menschen, sondern vielmehr auf die Infrastruktur und Verkehrsmittel bezogen werden.



Der Strassenverkehr ist aus unserer Sicht die grösste Gefahr, besonders auf einem Roller. Regeln, wie wir sie kennen, gibt es kaum. Wer zuerst hupt, fährt zuerst. Natürlich gibt es unausgesprochene Regeln, an die man sich halten sollte. Unserer Erfahrung nach ist es gut möglich, einen Roller selbstständig zu fahren, solange das Fahrzeug sicher beherrscht und sich an den Verkehr angepasst wird.
Es gibt zwar gute Alternativen, ob diese immer sicherer sind, sei mal dahingestellt – auch Autofahrer fahren oft, wie sie wollen, und quetschen sich in jede mögliche Lücke. Vortritt wird so gut wie nie gewährt.
Wir selbst hatten in sechs Monaten Rollerfahren und Autofahren mit Fahrer nie einen Unfall, wofür wir sehr dankbar sind.
Ein weiterer Punkt, bei dem die Sicherheit nicht besonders hoch bewertet wird, sind die Fähren in Indonesien.






Immer wieder kann in den Medien von Unfällen gelesen werden. Die Standards solcher Boote sind weit entfernt von dem, was bei uns zugelassen würde. Wettervorhersagen werden oft nicht ernst genommen, weshalb es durchaus zu Unglücken kommen kann.
Leider ist Reisen in Indonesien ohne Fähren, Autos oder Roller kaum möglich. Wir wussten, dass wir unsere Ansprüche etwas zurückschrauben müssen. Einmal erlebten wir eine Fahrt mit einem kleinen, vollbeladenen Boot bei aufkommendem Unwetter zwischen den Banggai-Inseln – etwa 20 Minuten Fahrt –, die wir aber sehr gut überstanden. Ansonsten hatten wir nie einen Moment, in dem wir uns wirklich unwohl fühlten.
Abfallproblematik
Zu diesem Thema muss man nicht viel sagen – es ist ein riesiges Problem. Bali versinkt im Plastikmüll, zu viele Menschen auf dieser Insel produzieren mehr Abfall, als entsorgt werden kann. Zudem wird Müll aus aller Welt durch Strömungen an die Küsten gespült.

Das Thema Abfall begleitete uns aber während den ganzen sechs Monaten in Indonesien. Die Mengen waren zwar kleiner, weil weniger Menschen vor Ort sind, doch das Verhalten war oft schlimmer. Bei Fahrten mit Fahrer oder Boot war es normal, dass Einheimische ihren Abfall aus dem Fenster warfen. So etwas haben wir zumindest auf Bali nicht erlebt. Generell hatten wir den Eindruck, dass das Thema dort stärker thematisiert wird. Grosse Supermärkte verzichten auf Plastiktüten, Cafés bieten meist Alternativen zum Plastikstrohhalm. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Viele Einheimische haben wenig Verständnis für das Problem. So liessen wir unser Essen extra in Tupperware füllen, die dann trotzdem oft in Plastiktüten gepackt wurde.
Nationalstolz
Indonesier sind sehr stolz auf ihr Land. Die Regierung legt auch sehr viel Wert darauf, dies aufrecht zu halten. Seit einigen Jahren wird täglich um 10:00 Uhr in offiziellen Gebäuden wie Flughäfen und Bahnhöfen die Nationalhymne gespielt und mitgesungen.



Auch vor dem Nationalfeiertag beginnen die Aktivitäten und Dekorationen bereits Wochen zuvor. Wir konnten an vielen Orten die bunten Dekorationen in den Nationalfarben Rot und Weiss bewundern. Leider gibt es in diesem Land auch viel Unzufriedenheit, vor allem unter der einfachen Bevölkerung. Viele arme Bauern können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Diese müssen stattdessen auf den Reisfeldern mithelfen und werden oft ihr ganzes Leben dort verbringen.
Wer die Zeitung aktiv liest, hat vielleicht in den letzten Wochen auch etwas über die Aufstände in Indonesien gelesen, welche die Unzufriedenheit, Armut und Ungerechtigkeit verdeutlichen. Vor Ort haben wir davon aber nichts mitbekommen. Wir wurden immer herzlich begrüsst und obwohl sie selber nur wenig haben, wurde uns regelmässig etwas zu Essen oder Trinken angeboten.
Gesundheitsversorgung

In unseren sechs Monaten in Indonesien mussten wir nur drei Mal ein Krankenhaus aufsuchen – und alle Besuche waren aus nicht gravierenden Gründen. Als Tourist ist es am einfachsten, bei Beschwerden direkt ins Krankenhaus zu fahren und nicht erst nach einem einzelnen Arzt zu suchen. Auf Bali gibt es zwar ein gutes Angebot an Domizilärzten, dieses haben wir jedoch nicht in Anspruch genommen.
Bei uns war jeweils Fieber der ausschlaggebende Grund für den Arztbesuch, da Dengue-Fieber in ganz Indonesien und Malaria auf zwei der Inseln, die wir bereist haben, verbreitet sind. Beides sind Krankheiten, die nicht unterschätzt und keinesfalls ohne ärztliche Abklärung durchgestanden werden sollten. Zum Glück waren die Tests bei uns immer negativ.
In Bali waren wir in einem Krankenhaus mit hohem Standard, das auf Touristen ausgerichtet ist. Die beiden anderen Besuche fanden in lokalen Krankenhäusern statt, in denen nur wenig Englisch gesprochen wurde. Die Wartezeiten dort können sehr lang sein, die Behandlungsräume sind offen und bieten kaum Privatsphäre.
In Rantepao (Sulawesi) blieben wir eine Nacht im Krankenhaus. Dort konnten wir auswählen, welche Zimmerklasse wir wollten. Für wenig Geld entschieden wir uns natürlich für ein Privatzimmer – ausgestattet mit Klimaanlage und einem westlichen, privaten WC. Das war in meinem Zustand mit ständigem Erbrechen sehr angenehm. Wieder einmal ein Moment, in dem uns unser Privileg als Schweizer deutlich bewusst wurde.
Natürlich ist das nicht überall im Land so einfach. Wir hatten das Glück, dass unsere Arztbesuche immer in grösseren Städten stattfanden. Ausserhalb der Städte wird die medizinische Versorgung schnell schwierig. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was passiert, wenn wirklich einmal etwas Ernstes ist und eine sofortige Behandlung nötig wäre – bis professionelle Hilfe kommt, kann es durchaus lange dauern.
Das ist natürlich kein rein indonesisches Problem. Für uns ist das aber auch kein Grund, nur in grösseren, touristischen Orte zu bleiben. Wir waren uns den einfach Umstände bewusst sein und haben entsprechend vorgesorgt.
Streetfood



Essen ist ja immer so ein Thema in Indonesien, vor allem auf Bali. Viele Touristen sprechen vom „Bali Belly“, einer Lebensmittelvergiftung. Natürlich tritt so etwas nicht nur auf Bali auf, wird aber auf Social Media sehr breit getreten – was uns immer etwas gestört hat. Wir hatten auf Bali keine Probleme mit dem Essen, an anderen Orten dann aber schon – ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht nur Bali betrifft.
Schlussendlich kann man überall auf der Welt einmal etwas Schlechtes erwischen, toll ist das natürlich nie.
Wir hatten aber beim Essen nie Bedenken und haben sowohl Streetfood probiert als auch in guten Restaurants gegessen. Für uns gehört die Kulinarik zum Reisen in einem Land einfach dazu – und Indonesien hat wirklich eine sehr gute Küche, die wir jedem empfehlen würden!





Kultur/ Religion
Viele denken bei Indonesien zuerst an Bali – mit seiner Kultur und dem Hinduismus. Dass Indonesien das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt ist, geht dabei schnell vergessen. Sobald wir Bali hinter uns gelassen haben, sind wir in eine ganz andere Welt eingetaucht. Die traditionellen Kulturen unterscheiden sich von Insel zu Insel, und auch die Religion wechselt – mehrheitlich zwischen Islam und Christentum. Die christlich geprägten Inseln sind allerdings eher begrenzt.
Wir waren grösstenteils in islamischen Regionen unterwegs und haben die Unterschiede schnell bemerkt. Ich habe mich dort ein wenig anders und angepasster gekleidet, und Philippe wurde häufiger angesprochen – ich selbst deutlich weniger. Die Menschen waren natürlich weiterhin sehr freundlich, aber die Unterschiede waren deutlich spürbar.
Sampai jumpa lagi Indonesia🤍
Mit sehr gemischten Gefühlen haben wir Indonesien am 19. August 2025 verlassen und sind weitergereist. Wir hatten eine unglaublich schöne Zeit in diesem faszinierenden Land – aber es war auch langsam an der Zeit, wieder etwas Neues zu entdecken.
Nach sechs Monaten hatten wir langsam die Nase voll von Reis, Ei, Tofu, Poulet und dem oft einseitigen Gemüse. Gleichzeitig sind wir jetzt schon wieder an dem Punkt, an dem wir am liebsten direkt noch mehr von Indonesien sehen würden. Wann das sein wird, wissen wir noch nicht – es war aber sicher nicht unser letzter Besuch.
Indonesien wird immer einen besonderen Platz in unserem Herzen haben und fühlt sich für uns ein bisschen wie ein zweites Zuhause an.
Für alle, die ein wunderschönes, abwechslungsreiches, warmherziges und aufregendes Land bereisen wollen: Geht nach Indonesien!!
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