Zwischen Natur und Tempeln

Die letzte Insel war bei uns schon öfters im Gespräch, und wir waren uns immer etwas unsicher. Ich war bereits 2018 in Ostjava unterwegs. Philippe wollte mit einem Kollegen, der uns auf Bali besuchen wollte, einen Ausflug nach Java machen und die Vulkane im Osten der Insel besteigen. Leider musste dieser Besuch aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden. So war Java erneut bei uns beiden im Gespräch.

Wir haben euch ja bereits erzählt, dass wir auf dem Weg nach Kalimantan sowieso über Java fliegen mussten. Deshalb haben wir uns entschieden, noch als Abschluss eine Woche auf dieser Insel zu verbringen. Da mir das klassische Programm mit den Vulkanen Bromo und Ijen sehr gut gefallen hatte, wollten wir dieses Erlebnis Philippe nicht vorenthalten und haben uns für eine dreitägige Tour entschieden. Dies ist wohl die bekannteste und meistbesuchte Tour in Indonesien, wir waren also auf die Massen von Touristen eingestellt- was im Endeffekt auch so war.

Gestartet sind wir in Surabaya, der zweitgrössten Stadt Javas im Osten der Insel. Die Stadt ist gross und modern und eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt.

Tumpak Sewu Wasserfall

Um 5 Uhr morgens wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und fuhren mehrere Stunden zum Tumpak Sewu Wasserfall. Dieser war 2018 noch kein Standard im Programm, weshalb somit auch für mich etwas Neues dabei war. Der Wasserfall selbst ist sehr eindrücklich, leider aber – wie alle Stopps auf dieser Tour – total überfüllt. Trotzdem konnten wir den Wasserfall in Ruhe bestaunen und unser Guide (nicht auf Wunsch von uns! 😉) viele Fotos von uns machen.

Weiter ging es vom Hauptwasserfall über Stock und Stein zu zwei Höhlen, in denen wir pflotschnass wurden. Wir wurden aber vorgewarnt, dass wir nach dieser Tour durchnässt sein werden und es hat Spass gemacht.

Alles in allem war es ein gutes Erlebnis. Würden wir den Wasserfall ein zweites Mal besuchen? Eher nicht.

Mount Bromo

Der nächste Stopp dieses Tages war nur noch die Unterkunft für die Nacht in der Nähe des Bromo. Für diesen geht es früh morgens zum Aussichtspunkt für den Sonnenaufgang und danach weiter auf den Kraterrand. Leider wurde Philippe während der Fahrt zur Unterkunft immer unwohler und er bekam am Abend Fieber. Er wollte trotzdem zum Aussichtspunkt, da dieser nicht viel Laufen beinhaltet. So wurden wir um 1:30 Uhr von einem Jeep abgeholt und waren viel zu früh dort. Weshalb so früh gestartet wird, war uns ein Rätsel. Wir mussten fast drei Stunden in einem kleinen Restaurant warten – was für Philippes Genesung bei dieser Kälte sicherlich nicht förderlich war.

Wir konnten jedoch den Sonnenaufgang von der Aussichtsplattform und die traumhafte Aussicht auf den Bromo und andere Vulkane geniessen. Der Nebel, der über die Vulkane zieht, und der farbige Himmel im Hintergrund sind wirklich ein spektakulärer Anblick, für den sich das frühe Aufstehen gelohnt hat.

Da es Philippe zunehmend schlechter ging und er glühend heiss war, haben wir den Kraterrand ausgelassen. Das Besteigen des Bromo ist zwar nicht sehr anstrengend, trotzdem sind es rund 300 Treppenstufen – was in diesem Zustand nicht möglich gewesen wäre. So sind wir zurück ins Hotel, wo er sich hinlegen und schlafen konnte.

Schweren Herzens haben wir uns dann entschieden, die Tour gesamthaft abzubrechen und einen Tag früher nach Malang, dem Endpunkt der Tour, zu reisen. Geplant gewesen wäre noch der Vulkan Ijen. Auch für diesen startet man früh morgens, geht im Dunkeln hinunter zum Kratersee, wo das bekannte blaue Feuer bestaunt werden kann. Dafür werden Gasmasken verteilt, da der Schwefel das Atmen sehr unangenehm macht. Die Wanderung ist recht herausfordernd – definitiv nichts, was man mit Fieber machen sollte. Unsere Entscheidung war also sicher richtig.

So kamen wir einen Tag früher in Malang an und gingen direkt zum Arzt. Wir wollten abklären, ob es sich um Dengue oder Malaria handelt, doch beides war zum Glück negativ. Zurück im Hotel verbrachte Philippe die meiste Zeit im Bett, ich bei ihm oder am Pool.

Vielleicht war es auch ein Zeichen vom Körper, mal wieder etwas zur Ruhe zu kommen und das haben wir gemacht.

Rainbow Village Malang

Am letzten Tag in Malang wollte Philippe mit auf einen kurzen Ausflug kommen. In Malang gibt es ein Viertel, das auch „Regenbogenstadt“ genannt wird – und ihr könnt auf den Bildern sicher erkennen, weshalb.

Ursprünglich war das Quartier ein armes, heruntergekommenes Slum, das geräumt werden sollte. 2016 haben sich einige Studierende zusammengeschlossen und wollten das Viertel durch eine künstlerische Intervention positiv verändern. So entstand das „Rainbow Village“, das heute zu den beliebtesten Fotospots der Stadt gehört.

Zum Energie sparen sind wir mit dem Taxi dorthin gefahren, haben einen Spaziergang durchs Quartier gemacht und sind mit dem Taxi wieder zurück. Viel mehr von Malang haben wir nicht gesehen – aber ich glaube, wir haben auch nicht allzu viel verpasst.

Da es Philippe wieder etwas besser ging, haben wir uns dazu entschieden, die Reise wie geplant fortzusetzen. Ein letzter Stopp in Indonesien stand noch an, bevor die Ausreise bevorstand.

So sind wir von Malang aus mit dem Zug nach Yogyakarta, der Kulturhauptstadt von Java, gefahren.

Yogyakarta

Unser Hotel lag sehr zentral, und wir verbrachten die Tage mit kurzen Spaziergängen durch die Strassen und kleinen Ausflügen zum Essen.

Wir haben nochmals die letzten indonesischen Gerichte gekostet und den 80. Unabhängigkeitstag von Indonesien mitgefeiert.

Unseren allerletzten Tag in Indonesien wollten wir noch mit etwas Kultur füllen. Da sich Philippe wieder fitter fühlte, planten wir den Besuch der beiden grossen Tempelanlagen rund um Yogyakarta. Zum letzten Mal montierten wir unsere eigenen Helme, die wir am Schluss verschenkt haben, stiegen auf den Roller und düsten zuerst zum Borobudur.

Borobudur Tempel

Der Borobudur ist die grösste buddhistische Tempelanlage der Welt und wurde im 8. bis 9. Jahrhundert erbaut.

Der Besuch ist heute etwas anders organisiert als noch 2018: Zum Eintritt gehört ein obligatorischer Guide sowie Flip-Flops, die beim Besteigen des Tempels getragen werden müssen. Wir nahmen also an der Führung teil, erfuhren viel über die Steinformationen und die tiefere Bedeutung des Tempels. Ein paar Fotos zum Abschluss durften natürlich nicht fehlen. Der Ausblick vom obersten Stockwerk über den Dschungel ist wunderschön, und die Grösse des Tempels schlicht beeindruckend.

Prambanan Tempel

Am Nachmittag stand der Besuch der nächsten Tempelanlage an – diesmal die grösste hinduistische Tempelanlage Indonesiens. Auch sie wurde im 9. Jahrhundert errichtet.

Durch Vulkanausbrüche des Merapi, Erdbeben und Erosionen sind viele Teile der Anlage eingestürzt und wurden nicht vollständig wieder aufgebaut, weshalb noch heute viele Gesteine lose herumliegen.

Die Anlage kann selbstständig besichtigt werden. Wir entschieden uns dafür, nur den Haupttempel – Prambanan – zu besuchen. Er ist bereits sehr eindrücklich.

Die gesamte Anlage ist riesig und umfasst mehrere ähnliche Tempel in verschiedenen Grössen. Doch mit dem Besuch des Borobudur am Morgen, der Hitze, dem Rollerfahren und der noch nicht ganz zurückgekehrten Energie war es letztlich doch etwas viel für einen Tag. Deshalb haben wir den Rest der Anlage ausgelassen und sind zurück ins Hotel gefahren.

Wir konnten so dennoch einen wunderbaren letzten Tag in Indonesien verbringen. Zum Abendessen gab es nochmals Nasi Goreng und einen Es Jeruk aus der Tüte – das perfekte Ende unserer sechs Monate in Indonesien.

Mit einem sehr traurigen, aber auch einem lachenden Auge und der Vorfreude auf etwas Neues haben wir Indonesien verlassen. Wir blicken auf wunderschöne, ereignisreiche und vielseitige sechs Monate zurück, die wir nie vergessen werden.


Entdecke mehr von swizzontour

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar