Obwohl Sulawesi für traumhaft schöne Strände bekannt ist, gibt es hier auch kulturell einiges zu entdecken. Das Dorf Rantepao im Süden der Insel ist berühmt für die Toraja-Kultur und wird deshalb auch „Tana Toraja“ genannt – das Land der Toraja.
Der Ort selbst bietet auf den ersten Blick nicht viel. Doch bereits beim Schlendern durch die Strassen fallen einem die traditionellen Häuser auf, die sogenannten „Tongkonan“.



Diese Häuser haben ein Dach in Form eines Bootes, das wie auf einem Sockel sitzt – alles ist auf Stelzen gebaut. Die Bootsform symbolisiert die Ankunft der ersten Menschen dieser Kultur auf Sulawesi. Am Bug des Hauses befinden sich häufig Tierschädel: Ein weisser Schädel steht für den höchsten sozialen Rang, ein schwarzer für den Mittelstand, und wer keinen Schädel hat, gehört zur einfachen Bevölkerung.


Die traditionellen Dörfer rund um Rantepao bestehen fast ausschliesslich aus solchen Häusern – grosse dienen dem Wohnen der Familie, kleinere dem Lagern von Lebensmitteln. Heutzutage leben viele Familien aber in modernen Häusern, die hinter den traditionellen Gebäuden errichtet wurden.
So eindrücklich die Architektur auch ist – sie ist nicht der Hauptgrund, weshalb viele Reisende den langen Weg nach Rantepao auf sich nehmen. Dieser Bericht widmet sich voll und ganz der Kultur des Volkes – insbesondere dem Umgang mit dem Tod.
Die Toraja-Kultur hat einen eigenen, für uns eher speziellen Bezug zum Tod. Jährlich finden in den Sommermonaten Juli und August in allen Dörfern grosse Beerdigungszeremonien statt. Touristen werden dabei mit offenen Armen empfangen und teilweise in die Zeremonie integriert. In ihrem Glauben ist das Leben nach dem Tod nicht vorbei – es geht in einer anderen Welt weiter. Das Ableben auf der Erde wird gross zelebriert.
Wir möchten euch hier noch vorwarnen: Wir werden genauer auf ihren Bezug zum Tod und die Beerdigung eingehen. Dabei wird es auch unter anderem um viel Blut, Tierleid oder menschliche Überreste gehen, welche teilweise auf den Bildern veranschaulicht sind.
Beerdigungszeremonien
Beerdigungen finden nicht, wie wir es kennen, häufig zügig nach dem Tod statt. Es kann auch vorkommen, dass die verstorbene Person über Jahre noch im gleichen Haus mit der Familie ist. Dabei werden die Verstorbenen, wie es aus dem alten Ägypten bekannt ist, mumifiziert und „haltbar“ gemacht. In der Toraja-Kultur gilt eine Person erst als tot, wenn sie begraben wurde. So kann die Familie ihre verstorbenen Mitmenschen bei sich im Wohnzimmer haben. Sie erzählen dieser Person von ihrem Alltag und beziehen sie weiter mit ins Familienleben ein. Diese Personen sind dabei nicht verpackt in einem Sarg oder Ähnlichem, sondern werden mit einem Stock als Rückgrat aufrecht gehalten und stehen so im Raum.
Die Beerdigung, die Philippe besucht hat (ich war leider krank, dazu aber später mehr), war von einer Frau, welche bereits seit sechs Jahren tot war. Weshalb so lange auf die Beerdigung gewartet wurde, ist uns leider unklar. Sicher ist, dass die Familien die Person, nur weil sie verstorben ist, nicht als tot ansehen und somit mit ihr weiterleben. Warum aber irgendwann doch der Weg der Beerdigung gewählt wird, können wir nicht beantworten. Vielleicht auch eine Frage des Geldes? Die Beerdigungen haben es nämlich in sich und nicht alle können sich das leisten. Schlussendlich ist eine Beerdigung aber der letzte Schritt, um die verstorbene Person ins nächste Leben ziehen zu lassen.
Eine Beerdigungszeremonie geht hier über viele Tage, die, die Philippe besucht hatte, dauerte vier Tage. Von überall her reisen Bekannte und Familien an und bleiben die gesamte Zeit im Dorf. Am ersten Tag ist die Eröffnung, am zweiten Tag dreht sich alles um die Spenden, welche mitgebracht werden, der dritte ist der Schlachtertag und der vierte Tag endet mit dem Begräbnis. Am ersten Tag beginnt die Zeremonie erst um 12 Uhr, da die Sonne bereits Richtung Westen geht und dies die heilige Himmelsrichtung ist.
Während der Zeremonie hat eine Person über einen lauten Lautsprecher viel erzählt, leider aber alles in der traditionellen Sprache. Die verstorbene Frau wurde zuerst auf einer Trage herumgetragen, danach im Sarg. Es wurde zu Rhythmen getanzt und gesungen.



Spenden und Opfergaben
Alle Besucher der Beerdigung geben eine Spende an die Familie, so auch die Touristen. Dies kann ein kleiner Geldbetrag oder Zigaretten sein. Die Einheimischen bringen meistens Lebensspenden in Form eines Tieres. Der Büffel ist das heiligste Tier und somit die grösste Spende, es können aber auch Schweine, Hühner oder sonst etwas gespendet werden.
Diese Tiere werden spätestens am dritten Tag öffentlich geopfert und somit geschlachtet. Dies kann leider sehr lange dauern, da teilweise die Tiere ausgeblutet werden und es somit ein doch längeres Leiden beinhaltet. Je mehr und grössere Tiere geschlachtet werden, desto wichtiger und angesehener war die Person und ihre Familie. Die Tiere werden deswegen bereits am ersten Tag hingebracht und präsentiert.



Philippe hat den ersten Tag einer Zeremonie besucht. Auch dort werden bereits Tiere geschlachtet, aber nur wenige für das Mittagessen. So hatte er bereits ein frisches Stück Büffel und Schwein auf seinem Teller, als direkt vor ihnen ein Schwein aufgeschlitzt wurde und das Blut nur so herumspritzte. Direkt danach sind sie mit einer Art Bunsenbrenner herangegangen, um das Fleisch gut verwerten zu können.


Bei diesem Anblick ist ihm und den meisten Touristen rundherum schnell der Appetit vergangen.
Es war eine laute, wilde und überwältigende Veranstaltung. Zusammen mit der Hitze und dem Gestank der geschlachteten Tiere eine schwere Mischung für den Kreislauf. Aber eine einmalige Erfahrung.
Gräber
Nicht nur die Beerdigungszeremonie ist eine andere Herangehensweise als bei uns, auch die Gräber selbst. Diese befanden sich ursprünglich in Höhlen. Dabei wurden die Personen einfach in die Höhle gelegt, kein Sarg oder Ähnliches. Aus Platzgründen und weil es einfacher ist, wurden im Verlauf der Zeit die Gräber nur noch in den Felsen gehauen und nochmals später vor dem Felsen in kleinen traditionellen Häusern gemacht.




Jedes Grab ist dabei ein Familiengrab. Solch ein Grab ist für indonesische Verhältnisse eine teure Sache, nur die zwei höchsten Schichten des Dorfes dürfen solch ein Grab haben. Für die Armen oder Angestellten im Dorf musste ein Grab aus Bambus reichen. Kleine Kinder wurden in Bäumen begraben.
Die Grabstätten ausserhalb der Dörfer sind öffentlich zugänglich und sind ebenfalls ein einmaliges Erlebnis. Die Gräber sind nicht immer verschlossen, wenn genau hingeschaut wird, können teilweise die Skelette erkannt werden.


Die alten Höhlen können betreten werden, überall liegen Schädel und Knochen herum.



Eine schwierige Vorstellung für uns, dass das echte Knochen sind von Menschen, die vor einiger Zeit da gelebt haben und wir einfach hindurchspazieren können. Da in der Toraja-Kultur der Bezug zum Tod aber ganz ein anderer ist, sehen sie das nicht als etwas Schlechtes an, sondern sind stolz, ihre Kultur und somit auch die Gräber zeigen zu können.
Nicht alle werden nach dem Tod mumifiziert und noch bei der Familie aufbewahrt, weshalb in gewissen Gräbern nur noch ihre Skelette auffindbar sind. Alle drei Jahre werden die Gräber der mumifizierten Personen wieder geöffnet, neue Kleidung angezogen, die Person geschmückt und allenfalls kleine Opfergaben hingelegt.
Die Toraja-Kultur hat meiner Meinung nach einen schönen Bezug zum Tod. Es wird nicht als etwas Negatives angesehen, sondern gehört zum Leben dazu, und die verstorbene Person wird von einem schönen, weiteren Leben empfangen. Trotzdem ist das ganze öffentliche Schlachten der Tiere und die Skelette überall schon überwältigend und auch ein bisschen verstörend. Für Philippe war es jedoch ein einmaliges Erlebnis, diesen Einblick in die Toraja-Kultur zu bekommen. Ob er gleich nochmals an solch einer Beerdigungszeremonie teilnehmen möchte? Ganz klares Nein 😉
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