Über den bekanntesten Teil von Flores haben wir euch ja bereits berichtet. Dieser ist zu Recht so bekannt, aber auch der Rest der Insel darf nicht unterschätzt werden. Die Leute, die es weiter östlich treibt, sind mehrheitlich auf der Trans-Flores-Strecke unterwegs – so auch wir. Die Hauptstrecke führt von Labuan Bajo nach Ende oder Maumere – oder natürlich umgekehrt. Wir haben uns schlussendlich dafür entschieden, nur nach Ende zu reisen. Die Flüge von dort sind günstiger als von Maumere, und obwohl Maumere schöne Strände und gute Tauchspots hat, war uns die weite Strecke dorthin irgendwie nicht den Aufwand wert.
Entlang der Route haben wir uns für drei Stopps entschieden. Natürlich kann das individuell variieren, aber unserer Erfahrung nach machen die meisten in etwa diese Stationen. Wir haben insgesamt sehr wenige Touristen angetroffen – meist aber immer die gleichen. Ein Schweizer Paar trafen wir tatsächlich an allen drei Orten, ein anderes an zweien. In unserem zweiten Homestay war eine holländische Lehrerin, die in Vietnam lebt. Zufälligerweise hatten wir in Moni erneut dasselbe Homestay gebucht und uns dort wieder getroffen. Obwohl die Insel sehr gross ist, ist die Touristenwelt doch ziemlich klein.
Ruteng
Unsere erste Fahrt führte uns von Labuan Bajo nach Ruteng. Dies ist eine gar nicht mal so kleine Stadt, bietet aber selbst nicht viel Schönes. Die Stadt war typisch indonesisch: schmutzig, viel los, und alle super interessiert an uns. Die Umgebung hat jedoch viel zu bieten, weshalb Ruteng zu den Klassikern entlang der Trans-Flores gehört.



Unser Homestay lag etwas ausserhalb – sehr schön gelegen, aber etwas unpraktisch. Für das Mieten eines Rollers mussten wir in den Ort rein. So machten wir uns zu Fuss auf die ca. drei Kilometer lange Strecke, wurden unterwegs aber schnell von ein paar Locals aufgegabelt. So kamen wir doch schneller zu unserem Roller und konnten am Reisetag den Nachmittag noch für eine kurze Entdeckungstour nutzen.
Unser Ziel war die Hobbit Cave, die wir ins Handy eingegeben hatten. Als wir vor Ort waren, hatten wir aber gar keine Lust, mit einem Guide in die Höhlen zu gehen. Da wir am Vortag in Labuan Bajo bereits Höhlen besucht hatten, entschieden wir kurzerhand, sie doch nicht zu besichtigen und fuhren zurück. Die Fahrt war aber so schön, dass sich der Ausflug trotzdem gelohnt hat.




Am nächsten Tag ging es für uns zu den bekannten Spiderweb-Reisfeldern. Diese sind nicht aus landwirtschaftlichen Gründen so angeordnet, sondern wegen des traditionellen Landverteilungssystems der Manggarai-Ethnie. Es symbolisiert deren soziales und kosmisches Weltbild. Wir sind also hingefahren und auf den Aussichtspunkt gestiegen, um die typische Form sehen zu können.




Leider waren zu diesem Zeitpunkt die meisten Felder frisch geerntet und somit braun, das Muster war aber trotzdem gut erkennbar.
In Ruteng selbst befindet sich eines der ältesten traditionellen Dörfer der Manggarai-Kultur, das Pu‘u Dorf. Es besteht aus einem zentralen Zeremonialplatz, um den die traditionellen Häuser gebaut sind. In einem Haus leben bis zu sechs Familien.




Für den Besuch zahlten wir unserer Meinung nach einen überteuerten Eintritt und wurden mit einem Sarong ausgestattet. Danach wurden wir zu einer kleinen Zeremonie eingeladen, bei der ein Einheimischer in seiner Sprache für uns und das Dorf betete. Das war’s dann aber auch schon. Die Häuser waren zwar spannend zum Anschauen, aber viel mehr Informationen gab es nicht.
Als letzten Stopp hatten wir einen kleinen See geplant, leider hat aber das Wetter umgeschlagen. Die Sicht wurde immer schlechter, sodass wir den See gar nicht wirklich finden konnten und umdrehten.


Den Nachmittag verbrachten wir mehrheitlich bei Regen im Homestay. Leider mussten wir das Trockene nochmals verlassen, um den Roller zurückzubringen. Beim Rückweg wollte uns niemand mitnehmen und wir mussten den ganzen Weg zu Fuss gehen – zum Glück hatte der Regen etwas nachgelassen.
Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen für die geplante Weiterfahrt und wurden mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt.


Bajawa
Der zweite Stopp auf unserer Reise war der kleine Ort Bajawa, welcher uns besser gefallen hat. Die Lage des Homestays war hier viel zentraler, aber dafür weniger gemütlich und nicht so schön. Wir konnten direkt vor Ort einen Roller mieten und so die wunderschöne Umgebung erkunden.



Bajawa ist unter anderem für die Top-Aussicht auf den Inerie-Vulkan bekannt. Dieser kann in wenigen Stunden bestiegen werden. Philippe war nach der Rinjani-Wanderung jedoch nicht mehr sehr motiviert, also bestaunten wir den Vulkan nur aus der Ferne – dies aber aus jedem Winkel.





Wir fuhren verschiedene Aussichtspunkte an – auch hier war die Fahrt selbst schon ein Erlebnis.




Sorry für den Vulkan Foto- Spam, aber die verschiedenen Aussichten waren einfach so schön. Wir hatten unsere Kamera dabei und den Ort für uns alleine, da musste Philippe für ein Fotoshooting hinhalten. 😉






Für Bajawa hatten wir zwei volle Tage eingeplant, sodass wir alles etwas gemütlicher angehen konnten. Da wir im Homestay mit Nicole, der obengenannten Holländerin, ins Gespräch kamen, verbrachten wir auch viel Zeit einfach dort – genau das gehört für uns auch zum Reisen.
Trotzdem besuchten wir erneut ein traditionelles Dorf: das Bena-Dorf der Ngada-Kultur. Auch hier gibt es im Zentrum einen Steinaltar für Zeremonien. Besonders auffällig war, dass wieder alle Leute Betelnuss kauten – gut erkennbar an den roten Zähnen, ob jung oder alt.






Für tiefere Einblicke in die Kultur wäre ein Guide notwendig gewesen. Diese werden im Dorf aber nicht angeboten – man müsste sie im Voraus buchen, was wir nicht getan hatten. So können wir euch leider nicht viel mehr zur Kultur erzählen. Das Dorf hat uns aber besser gefallen als jenes bei Ruteng: der Eintritt war nur ein kleiner Betrag, und es wirkte auf uns authentischer.
Moni
Der nächste Ort, Moni, ist vor allem für die Kelimutu-Kraterseen bekannt. Diese befinden sich in der Nähe des kleinen Ortes und lassen sich gut auf eigene Faust erkunden. Wir entschieden uns, zwei Nächte zu bleiben – um es gemütlich zu haben, und weil auch die Gegend sehr schön ist. Leider hatte das Wetter andere Pläne.


Wir sind um 4:30 Uhr mit dem Roller vom Homestay losgefahren – etwa 30 Minuten bis zum Ausgangspunkt der Kraterseen. Vom Parkplatz aus geht es über einen gemachten Weg zum Aussichtspunkt. Wie die meisten Touristen planten wir den Besuch zum Sonnenaufgang – und wurden nicht enttäuscht: Die Sicht und das Licht waren traumhaft.





Dieser Ort ist auf Flores wieder etwas touristischer. Oben werden heisse Getränke oder Nudelsuppe verkauft, und hier waren – neben Labuan Bajo – definitiv die meisten Touristen, die wir auf Flores gesehen haben. Trotzdem war die Stimmung sehr idyllisch.


Leider zog die Sicht immer mehr zu. Die meisten Touristen verliessen den Gipfel kurz nach Sonnenaufgang. Viele machen nur einen kurzen Stopp in Moni und fahren danach direkt weiter nach Maumere.



Wir hatten ja Zeit und wollten noch abwarten, ob die Sicht sich wieder verbessert. Die drei Kraterseen sind bekannt für ihre intensiven Farben – leider bekamen wir diese nicht richtig zu sehen. Irgendwann konnten wir nicht einmal mehr den See erkennen und es wurde kalt. Also gaben wir uns geschlagen und fuhren zurück nach Moni.



Eigentlich hatten wir noch einen Spaziergang durch die Reisfelder geplant, doch bei diesem Wetter zogen wir uns lieber ins trockene und warme Zimmer zurück und machten nichts mehr.
Ende
Nach Ende reisten wir eigentlich nur wegen des Weiterflugs. Die Stadt selbst hat nicht viel zu bieten, daher verbrachten wir den Nachmittag am Pool oder im Zimmer. Wir mussten unbedingt noch etwas für unsere nächste Destination planen und konnten das gute Internet dort gut nutzen.



Der Flughafen in Ende ist winzig. Wir konnten vom Hotel zu Fuss hingehen. Es gab zwei Schalter zum Einchecken und einen kleinen Security Check, der nicht besonders ernst genommen wurde. Wir waren am Flughafen und im Flugzeug die einzigen ausländischen Touristen. Für unser Ziel mussten wir in Kupang auf Westtimor umsteigen – wieder eine kleine Maschine, was für mich jedes Mal eine neue Herausforderung ist.

Transport
Nun zur wichtigsten Frage: Wie hat der ganze Transport auf Flores funktioniert?
Tatsächlich gibt es verschiedene gute Optionen, um entlang der Trans-Flores-Strecke zu reisen. Die meisten Touristen wählen einen privaten Fahrer – die einfachste, aber auch teuerste Variante. Die günstigste, aber mühsamste wären lokale Busse, die erst fahren, wenn sie voll sind, und überall halten.
Wir haben lange überlegt, ob wir die gesamte Strecke mit dem Roller machen wollen. Die Distanzen sind jedoch gross, weshalb wir uns für eine Kombination aus Gunung Mas und Shared Taxis entschieden haben.
Gunung Mas sind kleine Busse, die die langen Strecken zweimal täglich fahren. Sie können bequem über WhatsApp gebucht werden und funktionieren sehr gut. Wir nutzten sie für zwei Strecken. Von Labuan Bajo nach Ruteng hatten wir ein Premium-Gunung-Mas – mit wirklich sehr bequemen, grossen Sitzen.


Bei der zweiten Strecke waren wir etwas enttäuscht, dass nicht alle Busse so komfortabel sind, aber auch diese Fahrt war völlig in Ordnung. Insgesamt eine sehr gute Erfahrung – klare Empfehlung. Einziger Nachteil: Sie bringen dich nicht immer bis zum Homestay. So wurden wir unvorbereitet vor Bajawa rausgelassen und mussten den letzten Teil mit einem Taxi fahren.
Die Alternative dazu ist ein Shared-Taxi, das von Homestay zu Homestay fährt. So fuhren wir von Bajawa nach Moni.

Leider hatten wir da Pech. In Ende mussten wir das Auto wechseln – das funktionierte noch gut. Dann wollte der Fahrer Ende aber nicht mit einem freien Sitz verlassen und wir warteten ganze 2,5 Stunden auf eine weitere Person. Da niemand auftauchte, fuhren wir endlich los. Als wir schon am Stadtrand waren, drehte der Fahrer um und holte doch noch jemanden vom Flughafen ab.
Die Strecke von Ende nach Moni führt an steilen Abhängen vorbei, teils mit Erdrutschen. Auf zwei Abschnitten wurde gearbeitet. In Indonesien heisst das: Der Verkehr darf nur zur vollen Stunde durch. Wer kurz danach kommt, wartet eine Stunde – so auch wir. Die Leute machten es sich dort gemütlich, es gab Essen und Snacks – für sie völlig normal, für uns eher ungewohnt.



So brauchten wir über acht Stunden für eine Strecke, die eigentlich 4,5 dauern sollte.
Für die letzte Fahrt von Moni nach Ende entschieden wir uns deshalb für einen privaten Transport. Bei der Baustelle mussten wir aber trotzdem wieder warten.
Abgesehen von dieser Erfahrung in Ende war der Transport insgesamt sehr zuverlässig und einfach. Unserer Meinung nach ist ein privater Fahrer nicht unbedingt nötig – aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden.
Fazit
Flores hat uns unglaublich gut gefallen. Es ist eine sehr vielseitige Insel – mit dem Komodo-Nationalpark und dem Landesinneren. Wer sich für das Landesinnere entscheidet, muss sich aber auf kühlere Temperaturen einstellen. Wir waren fast immer in langen Kleidern unterwegs und mir war trotzdem oft kalt. Es war häufig leicht regnerisch und neblig.
Trotzdem konnten wir alle Orte besuchen, die auf unserer Liste standen. Die Natur ist wunderschön und noch nicht überlaufen. Die Menschen vor Ort freuen sich spürbar über Touristen. Sie rufen fröhlich “Hallo”, die Kinder winken den Rollern hinterher, und immer wieder wollten sie Fotos mit uns machen.
Wir waren erstaunt, wie gut die Infrastruktur ist und wie weit wir mit Englisch und ein paar indonesischen Wörtern kamen.
Egal, ob man in Ende oder Labuan Bajo startet – die Reise ist absolut empfehlenswert. Für uns war es ein Glück, dass wir in Labuan Bajo begonnen haben. Von Nicole erfuhren wir, dass aufgrund von hohem Wellengang und schlechtem Wetter einige Tage lang keine Touren im Komodo-Park möglich waren. Glück gehabt – unsere Route war anders als geplant, aber genau richtig.
Jetzt sitzen wir am Flughafen in Kupang und warten auf unseren Weiterflug. Verabschiedet wurden wmit einem schönen Sonnenuntergang.

Wir sind gespannt auf die nächste, sehr grosse Insel. Eine, die ich schon lange im Kopf hatte – und die Philippe auch unbedingt sehen will. Wir freuen uns auf mehr Strand und hoffentlich wärmere Temperaturen als auf Flores.
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