Jetzt gibt es doch noch einen Artikel, bevor es hier etwas ruhiger wird.
Diesen Feiertag können wir euch nämlich nicht vorenthalten. Wer uns auf Instagram folgt, hat vielleicht schon ein paar oberflächliche Hintergründe bekommen – wir erzählen euch hier aber noch etwas mehr über den wohl heiligsten hinduistischen Feiertag auf Bali. Die Rede ist natürlich von Nyepi, dem Stilletag auf Bali. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung auf Bali (fast 90 %) lebt nach dem Hinduismus – allerdings unterscheidet sich dieser stark vom Hinduismus in Indien. Nyepi wird so nur in Indonesien und mehrheitlich auf Bali zelebriert.
Bevor dieser Feiertag anstand, haben wir noch fünf Tage gemütlich in Ubud verbracht. Wir haben es uns mit feinem Essen und viel Zeit am Pool gut gehen lassen.



Die Unterkunft, die wir für drei Monate im Süden von Bali gebucht hatten, war erst ab dem 28. März bezugsbereit. Ursprünglich hatten wir ab dem 29. März gebucht, doch da in diesem Jahr Nyepi genau auf diesen Tag fiel, mussten wir einen Tag früher oder später einziehen. So sind wir am 28. März von Ubud nach Nusa Dua gefahren und in unser neues Zuhause eingezogen. Leider war genau an diesem Tag Philippe nicht ganz fit und verbrachte den Grossteil des Tages im Bett.
Für Nyepi mussten noch einige Vorbereitungen getroffen werden. Zuerst ging ich im Waisenhaus vorbei und holte unser restliches Gepäck ab. Danach füllte ich unseren Kühlschrank und Vorrat auf, damit wir nicht verhungern. Das Gas musste kontrolliert, unser Stromtoken im Laden aufgeladen werden und wir mussten noch ein paar Dinge mit den Vermietern klären.
Weshalb diese Vorbereitungen?
Nyepi ist der Feiertag, bevor das balinesische neue Jahr beginnt. An diesem Tag ist für 24 Stunden komplette Stille gefordert – er beginnt um 6:00 Uhr am Nyepi-Tag und endet am nächsten Tag um 6:00 Uhr. Die Strassen bleiben leer, jede Person muss zu Hause bleiben. Für 24 Stunden kommt Bali komplett zum Stillstand: Es landen keine Flugzeuge, es fahren keine Schiffe, es herrscht absolute Ruhe. Nur die Ambulanz und die Nyepi-Polizei, die Pecalang, dürfen auf den Strassen unterwegs sein.
Der Handyempfang funktioniert zwar, aber die mobilen Daten sind auf der ganzen Insel für diesen Tag gesperrt. Wer kein funktionierendes WLAN hat – so wie wir anfangs – bleibt den ganzen Tag komplett offline.
Ursprünglich wird dieser Tag mit Fasten und Meditieren verbracht. Ob das heute noch viele Menschen so machen, wissen wir nicht – wir selbst haben den Tag nicht ganz nach dieser Tradition verbracht. Andere Regeln wie keine Geräusche oder Licht nach aussen müssen aber eingehalten werden. Wir konnten zwar den Aussenbereich unserer Villa nutzen, mussten dabei aber leise sein und durften abends kein Licht anschalten. Obwohl wir nicht direkt an einer Strasse wohnen, haben wir die Stille deutlich gespürt. Ausser Hundegebell haben wir den ganzen Tag keinen Mucks gehört. Es hätte uns wirklich gereizt, unsere Drohne fliegen zu lassen – es ist unvorstellbar, dass diese sonst so belebte Insel plötzlich zur Ruhe kommt und die Strassen leer sind. Wir haben aber aus Respekt zur Kultur darauf verzichtet – das Surren der Drohne hätte wohl auch als Ruhestörung gegolten.
Nyepi
Nyepi ist ein Feiertag im balinesischen Hinduismus und wird nur auf Bali gefeiert. Es markiert den Beginn des neuen Jahres nach dem Saka-Kalender, der zwölf Monate und 354 oder 355 Tage umfasst. Das genaue Datum von Nyepi variiert jedes Jahr, da es sich nach astrologischen Konstellationen richtet.
Die Tradition besagt, dass durch den Stilltag das Böse vertrieben und die Insel von negativer Energie gereinigt wird. Da Bali an diesem Tag „unbewohnt“ wirkt, ziehen die bösen Geister weiter – die Balinesen starten dann rein ins neue Jahr. Am Tag nach Nyepi sind alle Regeln aufgehoben und das neue Jahr wird gefeiert.
Bereits Tage vor Nyepi beginnen Zeremonien und Vorbereitungen für die Ogoh-Ogoh.
Ogoh Ogoh

Am Abend vor Nyepi finden überall auf der Insel in den Dörfern Paraden mit Ogoh-Ogohs (auf Indonesisch auch „Ogoh2“) statt. Diese riesigen Skulpturen werden über Monate hinweg gebaut und stellen Dämonen dar, die die Insel heimsuchen. Während der Parade werden die Ogoh2 durch die Strassen getragen, es wird traditionelle Musik gespielt – teilweise werden sie am Ende verbrannt. Gewisse Ogoh2 waren zwar etwas verstörend, aber sehr beeindruckend gebaut.


Bei manchen mussten sogar mit Stäben die Stromleitungen hochgehoben werden, da sie so hoch gebaut waren.


Da Philippe auf die Parade nicht verzichten wollte, aber noch nicht wieder ganz fit war, haben wir sie nur kurz besucht. Trotzdem haben wir in dieser kurzen Zeit einen tollen Eindruck bekommen. Es hat uns ein bisschen an unsere Fasnacht erinnert: Es gab eine Art Clique oder Gugge, die Skulpturen waren beleuchtet und wurden bestaunt wie die Laternen bei uns. Ganz Bali war auf den Strassen unterwegs und verabschiedete sich vom Bösen, bevor am nächsten Tag die Insel gereinigt wurde.



Es war wirklich eine spannende Erfahrung, erneut ein wichtiges kulturelles Ereignis mitzuerleben. Wir waren mal wieder per Zufall zur richtigen Zeit auf der richtigen Insel. Was die Leute hier für Ogoh-Ogohs gebaut haben, war wirklich beeindruckend.
Einen Tag zu Hause zu bleiben war für uns kein Problem. So einen Tag sollten wir in der Schweiz auch einführen. Es war zwar ein bisschen seltsam, zu wissen, dass wir „eingesperrt“ waren, und es brauchte etwas Vorbereitung – aber im Grossen und Ganzen verlief alles reibungslos. Wir hatten ja auch das Glück, den Tag in unserer eigenen Unterkunft, mit privatem Pool und kleiner Küche verbringen zu können.



Wir hatten zu Beginn ein paar kleine Schwierigkeiten mit dem Strom, und wie schon erwähnt, funktionierte unser WLAN anfangs nicht. Der Strom muss auf Bali nämlich manuell aufgeladen werden. Wir konnten das nicht über die App machen und im Laden wussten wir nicht, dass wir zu Hause einen Token eingeben müssen. Wir hatten den Code nicht– der Strom wurde im Laufe des Tages doch etwas knapp. Zum Glück sprang plötzlich doch noch das WLAN an und wir konnten unsere Vermieterin kontaktieren. Sie konnte uns dann den Strom per App aufzuladen– also alles halb so wild.
Wir haben den Stilltag gemütlich an unserem Pool mit Lesen, Baden und Spielen verbracht und so einen gemütlichen Start in unsere Bali-Zeit gehabt.
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Beeindruckend! Ja, so ein Stilletag wäre auch mal angebracht!
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